Bolivien Linke Schönheitskönigin will Morales helfen

Boliviens Präsident Evo Morales gilt als ehrlicher Arbeiter, der sich vom Bauern zum Staatschef hochgeschuftet hat. Um auch die letzten oppositionellen Provinzen zu gewinnen, soll ihm nun eine Schönheitskönigin helfen. Sie kandidiert als Gouverneurin - ohne politische Erfahrung.

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Schönheitskönigin: Miss Bolivien macht Wahlkampf
Das Jahr fängt gut an für Evo Morales. Kommende Woche tritt er seine zweite Amtszeit an - beflügelt von einer komfortablen Mehrheit. Im Dezember wurde er mit 63 Prozent wiedergewählt, die Opposition war chancenlos gegen den beliebten Präsidenten. "Das bolivianische Volk hat erneut Geschichte geschrieben", rief der Staatschef seinen Anhängern zu.

Seine sozialistischen Reformen wie die Verstaatlichung von Ölunternehmen will er weiter vorantreiben, der benachteiligten indigenen Mehrheit zu mehr Rechten verhelfen. In Bolivien, einem der ärmsten Länder Südamerikas, stellen sie rund 70 Prozent der Bevölkerung.

Morales lieben sie für seine Auftritte. Er stammt selbst aus dem Volk der Aymara, war Lamahirte und Kokabauer und ist zum Chef der Gewerkschaft aufgestiegen. Neben Europäern in schwarzen Anzügen und mit blankpolierten Schuhen trägt er Wollpullover. Er ist keiner von denen; er ruft dazu auf, 500 Jahre Diskriminierung der indigenen Bevölkerung zu beenden. "Evo erfüllt seine Versprechen", "wegen Evo kann ich schreiben", solche Graffitis zieren Hauswände in Bolivien.

Ohne Konflikte ist seine Präsidentschaft trotz allem bislang nicht verlaufen. Morales hat eine umstrittene Verfassungsänderung durchgesetzt. Und mit einer aufsehenerregenden Entscheidung hat er Empörung ausgelöst: Um bei den Gouverneurswahlen am 4. April die Provinz Beni zu erringen, setzt er auf eine ehemalige Miss Bolivien. Hier erreichte Morales im Dezember nur 38 Prozent, die konservative Allianz hingegen 53 Prozent. Das soll sich mit der neuen Kandidatin ändern.

Morales preist Jessica Jordan Burton wegen ihrer "Jugend und Intelligenz" - die Sozialisten bräuchten junge Leute, um eine neue politische Führung zu stärken. Das Problem: Jordan ist nur 25 Jahre alt und hat bislang mehr Aufsehen auf dem Laufsteg als am Rednerpult erregt. Denn politische Erfahrung hat sie keine. Immerhin ist sie in der Provinz geboren, die sie künftig regieren will.

"Der einfache Drang zu gewinnen"

Ihre Kandidatur für die "Bewegung zum Sozialismus", kurz MAS, begründet sie damit, dass sie sich immer dem Klassenkampf gewidmet habe. Der Präsident habe immer von ihrem sozialen Engagement gewusst.

Das sieht der politische Analyst Ricardo Paz anders. Jordans Bewerbung sei dem "einfachen Drang zu gewinnen" geschuldet, sagte er in einem Interview mit der BBC. Ein politisches Programm erkenne er nicht.

Wenig begeistert waren auch ihre Konkurrenten, wenngleich wohl eher, weil sie die attraktive Herausforderin fürchten. Nach Morales' Erfolg bei den Präsidentschaftswahlen versucht die Opposition, noch in vier von neun Provinzen ihre Stellung zu halten.

Vielleicht strebt Miss Bolivien sogar noch höhere Ämter an. Sarah Palin gewann erst einen Schönheitswettbewerb, dann die Gouverneurswahlen in Alaska und bewarb sich schließlich als Vizepräsidentin der USA - allerdings ohne Erfolg. Auch in Südamerika war einigen Damen die Ehre einer Schönheitskönigin nicht genug: Die ehemalige Miss Venezuela Irene Sáez bewarb sich als Präsidentschaftskandidatin; ihre Kollegin Bárbara Palacios wurde Tourismusministerin.



insgesamt 2 Beiträge
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Kurt Kurzweg 15.01.2010
1. Lassen....
Zitat von sysopBoliviens Präsident Evo Morales gilt als ehrlicher Arbeiter, der sich vom Bauern zum Staatschef hochgeschuftet hat. Um auch die letzten oppositionellen Provinzen zu gewinnen, soll ihm nun eine Schönheitskönigin helfen. Sie kandidiert als Gouverneurin - ohne politische Erfahrung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,672178,00.html
...wir doch einfach die Wähler entscheiden. Wenn ich mir viele Politiker hier und weltweit so anschaue ist mir deren "politische Erfahrung" (bzw wie sie diese einsetzen) oft arg zuwider...warten wir's einfach ab.
danki 15.01.2010
2. Bolivien
Der Spiegel ist offensichtlich nur noch in der Lage,den Neos nur nach dem Munde zu schreiben,denn von denen wird er letztendlich auch "ausgehalten". Da,wo United Fruit Comp.und Co.jahrzehntelang die südamerikanischen Staaten ausgebeutet haben,ist heute ein anderer Wind eingekehrt.Das Schicksal dieser Länder ist nicht mehr den Amerikanern ausgeliefert.Sie bestimmen selber über ihre Rohstoffe. Und wenn dann auch noch eine schöne Frau die Einsicht hat,dem "von unten nach oben gearbeiteten" Morales zu helfen,braucht das nicht in einem lächerlichen Unterton a la Spiegel erfolgen. Oder zählen hier etwa für diese Medien wie der Spiegel nur Abiturienten und Studierte zu den Privilegierten?
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