Kleine Revolution Bolivien dreht die Uhren auf links

Die Zeiten ändern sich in Bolivien. Künftig sollen die Uhren dort gegen den Uhrzeigersinn laufen. Die sozialistische Regierung will sich so symbolisch von den letzten Spuren der Kolonialherren befreien.
Kongressgebäude in La Paz: Neue Zeitrechnung in Bolivien

Kongressgebäude in La Paz: Neue Zeitrechnung in Bolivien

Foto: Juan Karita/ AP

Hamburg - Am Kongressgebäude von La Paz flattert die bolivianische Flagge, darüber gibt eine Uhr die Zeit an. Es ist allerdings eine neue Zeit. Denn die Uhr läuft jetzt gegen den Uhrzeigersinn.

Die Eins steht demnach links neben der Zwölf und die Zeiger laufen links herum statt rechts.

Die Regierung will damit ein Zeichen setzen und alte Spuren der Kolonialisten tilgen. "Ganz logisch" sei der Schritt, meint Außenminister David Choquehuanca. Eine Uhr auf der südlichen Erdhalbkugel drehe sich eben genau andersherum als eine Uhr auf der nördlichen Halbkugel. Vizepräsident Alvaro Garcia erklärte zudem, man erwäge, die Uhren an allen öffentlichen Gebäuden zu verändern.

In Bolivien hat das Vorhaben eine Kontroverse ausgelöst. Die Opposition kritisierte den Schritt. "Die Dinge entwickeln sich rückwärts in Bolivien", höhnte ein Oppositionsführer.

Auch der frühere Vizepräsident des Landes Victor Hugo Cardenas äußerte sich. Er ist selbst Mitglied der Ayamara und erklärte, sein Stamm stelle sich zur Begrüßung in einem Kreis auf und spreche sich gegen den Uhrzeigersinn an. Allerdings ziehe die Uhr-Reform diesen Gedanken ins Lächerliche, um politisch bei bestimmten Gruppen zu punkten.

Präsident Evo Morales gehört selbst dem Stamm der Aymara an, die im Andenhochland leben. Er regiert Bolivien seit 2006 und ist das erste indigene Staatsoberhaupt des Landes. Für ihn stimmten vor allem die verarmten Ureinwohner, zu denen mehr als jeder zweite Bolivianer gehört. Er hat zahlreiche sozialistische Reformen vorangetrieben, auch um die Stellung der Ureinwohner zu verbessern.

kgp/AP
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