Boliviens Innenminister beschuldigt Opposition "Jetzt haben sie die Toten, die sie wollten"

Die Proteste gegen Boliviens Staatschef Morales sind eskaliert, nachdem dieser sich zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt hatte. Nun gab es zwei Tote - und der Innenminister macht die Opposition mitverantwortlich.

Brennende Barrikade in La Paz: Die Proteste gegen die Wiederwahl von Evo Morales gehen weiter
AP/Juan Karita

Brennende Barrikade in La Paz: Die Proteste gegen die Wiederwahl von Evo Morales gehen weiter


Der Tod zweier Menschen bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern des bolivianischen Staatschefs Evo Morales hat den Konflikt um den Ausgang der Präsidentschaftswahl verschärft. Boliviens Innenminister Carlos Romero gab der Opposition eine Mitschuld an den Vorfällen. "Jetzt haben sie die Toten, die sie wollten", sagte er.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Bezirk Santa Cruz waren am Mittwoch in der Stadt Montero zwei Menschen durch Schüsse tödlich verletzt worden. Santa Cruz ist eine Hochburg der Opposition um Präsidentschaftskandidat Carlos Mesa. Die Proteste gegen Staatschef Morales waren eskaliert, nachdem dieser sich zum Sieger der Präsidentschaftswahl am 20. Oktober erklärt hatte.

Die offizielle Auszählung der Wahlbehörden bestätigten dies zwar, doch sowohl die Opposition als auch internationale Beobachter zweifeln das Ergebnis an. Den Forderungen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der EU nach einer Stichwahl schloss sich auch das Auswärtige Amt an.

Amtliches Ergebnis bewahrt Morales knapp vor einer Stichwahl

Der amtlichen Auszählung zufolge hatte Morales 47,07 Prozent der Stimmen geholt, sein konservativer Herausforderer Carlos Mesa nur 36,51 Prozent. In Bolivien hat ein Präsidentschaftskandidat die Wahl gewonnen, wenn er mindestens 40 Prozent der Stimmen bekommt und einen Vorsprung von wenigstens 10 Prozentpunkten auf den Zweitplatzierten hat. Morales könnte nach diesen Zahlen also eine Stichwahl äußerst knapp vermeiden.

In Santa Cruz de la Sierra und La Paz fanden am Donnerstagabend erneut Kundgebungen statt. Vertreter der Opposition forderten eine Annullierung der Wahl und den Rücktritt des Präsidenten. Die Demonstranten distanzierten sich auch von der Forderung des zweitplatzierten Kandidaten der Präsidentenwahl, Carlos Mesa, der eine Stichwahl mit Morales anstrebt. In La Paz stießen junge Demonstranten mit der Polizei zusammen, diese setzte Tränengas ein.

mes/AP/dpa

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