Ankündigung der Übergangsregierung Bolivien weist Venezuelas Diplomaten aus

Die bolivianische Interimsregierung greift gegenüber Venezuela zu einem drastischen Mittel: Sie will dessen Diplomaten aus dem Land werfen, weil diese sich in interne Staatsangelegenheiten eingemischt haben sollen.
Die kommissarische Außenministerin Karen Longaric kündigte die Maßnahmen gegen Venezuela in einer Pressekonferenz an

Die kommissarische Außenministerin Karen Longaric kündigte die Maßnahmen gegen Venezuela in einer Pressekonferenz an

Foto: Martin Alipaz/EPA-EFE/REX

Ex-Präsident Morales hat das Land bereits verlassen, jetzt sollen Vertreter seiner engsten Verbündeten folgen. Boliviens Übergangsregierung will alle Diplomaten Venezuelas wegen angeblicher Einmischung in interne Staatsangelegenheiten ausweisen. Dem Personal der venezolanischen Botschaft in La Paz, das die Regierung von Präsident Nicolás Maduro vertrete, werde eine Frist gegeben, bis zu der es das Land zu verlassen habe, erklärte die neue kommissarische Außenministerin, Karen Longaric. Es gebe Beweise für die Beteiligung venezolanischer Bürger an gewaltsamen Protesten gegen die Übergangsregierung. Neun Venezolaner, bei denen großkalibrige Waffen gefunden worden sein sollen, wurden festgenommen.

Bolivien trete zudem aus dem auf Initiative Venezuelas gegründeten Regionalbündnis Alba-TCP (Bolivarianische Allianz für Amerika) aus und prüfe einen Austritt aus dem Staatenbund Unasur, sagte Longaric. Zudem seien die politisch ernannten Botschafter der Regierung unter Ex-Präsident Evo Morales - mit Ausnahme derjenigen im Vatikan und in Peru - ihrer Aufgaben entbunden worden.

Morales, der das Andenland seit 2006 als erster indigener Präsident regiert hatte, war am Sonntag - nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl - auch unter dem Druck von Militär und Polizei zurückgetreten. Der Sozialist, der für eine vierte Amtszeit kandidierte, hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt. Die Opposition und internationale Beobachter hatten ihm Wahlbetrug vorgeworfen. Morales, der seit Dienstag im Exil in Mexiko ist, spricht von einem Putsch. Die von Sozialisten regierten Staaten Venezuela und Kuba waren die engsten Verbündeten der Morales-Regierung.

Auch Hunderte kubanische Ärzte sollen Bolivien verlassen. Nach einer Mitteilung des kubanischen Außenministeriums traf der Inselstaat diese Entscheidung, nachdem vier kubanische Mediziner am Mittwoch in Bolivien festgenommen worden waren. Ihnen werde vorgeworfen, Proteste dort finanziert zu haben - das seien Lügen, hieß es. Für Havanna ist die Bereitstellung von Ärzten und Pflegern in verschiedenen Ländern eine wichtige Einnahmequelle.

yer/dpa
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