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05. Dezember 2009, 09:03 Uhr

Bombardement bei Kunduz

US-Kampfpiloten warnten schärfer vor Luftangriff als bisher bekannt

Fünfmal empfahlen sie warnende Tiefflüge über den Tanklastern, den Abwurf von sechs Bomben lehnten sie ab - nach SPIEGEL-Informationen standen US-Kampfpiloten dem umstrittenen Luftangriff bei Kunduz deutlich kritischer gegenüber als bisher angenommen. Sie hinterfragten den Einsatzauftrag der Deutschen mehrfach.

Hamburg - US-Jagdbomberpiloten standen dem umstrittenen Luftangriff bei Kunduz kritischer gegenüber als bisher angenommen. Auszüge aus dem Nato-Abschlussbericht zu dem Vorfall zeigen, dass die Besatzung der F-15-Jagdbomber den Auftrag, die entführten Tanklaster zu bombardieren, stärker hinterfragt hat als bisher bekannt.

Nach SPIEGEL-Informationen erzählte Oberstleutnant Lance "Gipper" Bunch, Kommandeur der 335th Fighter Squadron Unit, bei seiner Vernehmung, dass es während des Einsatzes Meinungsunterschiede über die Frage gegeben hat, wie viele Bomben abgeworfen werden sollten. Der Fliegerleitoffizier des deutschen Obersts Georg Klein, der den Codenamen "Red Baron" trägt, habe sechs Bomben gefordert. Die Besatzung der F-15 widersprach ausdrücklich.

"The crew told him that this was not going to happen" - dies werde nicht passieren, war die Antwort. Es seien nur zwei Bomben nötig.

Darüber hinaus zeigen Auszüge des Funkverkehrs zwischen dem US-Piloten "Dude" und dem deutschen Fliegerleitoffizier, dass die Besatzung nicht nur ein- oder zweimal warnende Tiefflüge vorgeschlagen habe, sondern gleich fünfmal. "F-15 recommended a SHOW OF FORCE five times throughout the mission in order to disperse the people", steht in dem Bericht - die F-15 habe im Verlauf dieses Einsatzes fünfmal eine solche Machtdemonstration empfohlen, um die Leute an den Tanklastern auseinanderzutreiben. Doch "Red Baron" antwortete: "Negativ. Das Ziel soll sofort angegriffen werden."

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte in der vergangenen Woche im Bundestag überraschend den Luftangriff bei Kunduz als unangemessen bezeichnet. Auch Kanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher mitteilen, dass sie dies so sehe. Monatelang hatte die Bundesregierung, auch der neue Minister Guttenberg, das Gegenteil vertreten. Die Opposition und der Bundeswehrverband forderten deshalb von dem CSU-Politiker, seinen Schwenk inhaltlich ausführlich zu begründen - sein Sprecher sagte dazu, die "Gesamtschau" der Berichte zu dem umstrittenen Luftangriff mache die Neubewertung nötig.

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