Bombardierte Anlage Hinweise auf heimliches Atomprogramm Syriens

Die von Israel vor einem Jahr bombardierte Anlage in Syrien hatte Merkmale eines Kernkraftwerks. Das geht aus einem vertraulichen Bericht von Uno-Inspektoren hervor. Sie wollen Hinweise auf ein geheimes Atomprogramm des Landes gefunden haben.


Wien - Syrien unter Verdacht: Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) haben bei der Untersuchung eines 2007 von Israel bombardierten Baugeländes in der syrischen Wüste Hinweise auf ein mögliches, geheimes Atomprogramm des Landes gefunden. Dies geht aus einem vertraulichen Bericht hervor, den IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei am Mittwoch dem Gouverneursrat der Behörde übermittelte.

Israel und die USA haben Syrien beschuldigt, bei al-Kibar einen Atomreaktor zur Produktion von Plutonium geplant zu haben. Israel hatte den Komplex angegriffen, ohne Angaben zu dem Ziel zu machen.

In dem Report der Inspektoren, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt, heißt es unter anderem: Satellitenbilder, die vor und nach der Bombardierung der Gebäude im September 2007 gemacht wurden, "ähneln dem, was man in Verbindung mit einem (Atom)-Reaktor finden könnte".

Das IAEA-Team entdeckte bei der Untersuchung des Geländes im Juli außerdem eine "beträchtliche Zahl von Uranpartikeln", die kein Natururan, sondern Ergebnis eines chemischen Prozesses waren. Syrien wiederum hat erklärt, bei dem Uran könne es sich um Material handeln, das Bestandteil israelischer Raketen gewesen sei.

Nach Ermittlungen der IAEA-Inspektoren, die im Sommer dieses Jahres das Gelände des von Israel zerstörten Gebäudes untersuchten, deuten jedoch sowohl der Grundriss des zerstörten Baus als auch die auf Satellitenfotos entdeckten Aufräumaktivitäten der Syrer nach dem Luftangriff darauf hin, dass es sich bei dem bereits 2001 begonnenen Komplex um einen geplanten Reaktor gehandelt haben könnte.

Bitten der IAEA-Inspektoren, ihnen die Pläne für das Gebäude bei Dair Alzour auszuhändigen, wurden von Damaskus ignoriert. In dem Bericht ElBaradeis heißt es, nach der Zerstörung des Gebäudes durch israelische Kampfjets seien auf dem Gelände ungewöhnlich intensive Aufräumungsarbeiten registriert worden. Aussagen der Syrer, wonach in dem Gebiet weder genügend Wasser noch Elektrizität für einen Reaktor vorhanden wären, werden in dem Bericht angezweifelt.

als/dpa/Reuters



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