Bomben auf den Irak Bush nennt Sanktionen "Schweizer Käse"

US-Flugzeuge haben erneut irakische Militärstellungen bombardiert. Präsident George W. Bush hält die bisherigen Sanktionen gegen Bagdad für wirkungslos.


US-Kampfflieger nach dem Angriff auf Bagdad letzte Woche
AFP

US-Kampfflieger nach dem Angriff auf Bagdad letzte Woche

Washington - Auf einer Pressekonferenz verglich Bush die Sanktionen mit "Schweizer Käse". Sie müssten gestärkt werden, um den irakischen Präsidenten Saddam Hussein davon zu überzeugen, "ein friedlicher Nachbar in der Region zu sein". Außenminister Colin Powell werde bei seinem Nahost-Besuch Unterstützung dafür suchen.

Powell wollte am Freitagnachmittag (Ortszeit) zunächst nach Ägypten fliegen und dort am Samstag auch mit seinem russischen Kollegen Igor Iwanow sprechen. Weitere Stationen des US- Außenministers sind Israel und das Westjordanland, Jordanien, Syrien, Saudi-Arabien und Kuweit. Vor dem Rückflug nach Washington will Powell am Dienstag in Brüssel mit seinen Nato-Amtskollegen zusammentreffen.

"Wir werden die gegenwärtige Sanktionspolitik und Möglichkeiten prüfen, sie funktionsfähig zu machen", sagte Bush auf der Pressekonferenz. Zugleich kritisierte er China wegen dessen mutmaßlicher Hilfe bei der Verbesserung der irakischen Luftabwehr. Sollten sich Berichte bestätigen, nach denen chinesische Techniker am Aufbau eines Glasfasernetzes für Radaranlagen beteiligt seien, bedeute dies "Probleme", sagte Bush. Die USA würden China eine "angemessene Antwort" geben. China hatte die Vorwürfe am selben Tag zurückgewiesen.

Bush verteidigte auf der Pressekonferenz die US- Raketenangriffe auf Ziele nahe Bagdad vom vergangenen Freitag und sprach von einem Erfolg. Der Beschuss habe die Abwehr der irakischen Armee geschwächt. Außerdem hätten die USA ihr zweites Ziel erfüllt, dem irakischen Staatschef Saddam Hussein "ein klares Signal" zu senden. Bush äußerte sich nicht zu Angaben aus dem Verteidigungsministerium, nach denen viele amerikanische Raketen ihre Ziele um bis zu hundert Meter verfehlten. Eine genaue Untersuchung stehe noch aus, sagte Bush.

Unterdessen kam es zu einem Zwischenfall in der nördlichen Flugverbotszone. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Donnerstag irakische Militärstellungen während eines Routine-Kontrollfluges, nachdem sie vom Boden aus beschossen worden waren, teilte das Pentagon mit.



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