Bomben auf den Irak Russen fordern Ende der Luftangriffe

Nach den jüngsten Angriffen amerikanischer und britischer Kampfflugzeuge auf Ziele im Irak hat die russiche Regierung unter Wladimir Putin zu einer politischen Lösung aufgerufen. Der Irak rechnet dagegen mit einer militärischen Eskalation.


USA: Bomben auf Bagdad
AFP

USA: Bomben auf Bagdad

Moskau/Washington - Der Dialog zwischen dem Irak und den Vereinten Nationen müsse wieder aufgenommen werden, forderte das russische Außenministerium in einer am Freitag verbreiteten Erklärung. Die Raketenangriffe führten nur zu einer weiteren Verschärfung der Lage in der Region

Die irakische Regierung rechnet dagegen mit weiteren US-Luftangriffen und sogar mit einer Eskalation der Militärschläge. Dies sagte der irakische Vize-Außenminister Nizar Hamdoun am Freitag in Paris. "Sie werden die Bombardements vor allem dann nicht einstellen, wenn das irakische Spiel sich innenpolitisch in den USA bezahlt macht", sagte Hamdoun.

Er wies gleichzeitig US-Angaben zurück, wonach Bagdad aufrüste. "Die Amerikaner zeigen jedes Mal wieder das Schreckgespenst der Massenvernichtungswaffen vor", sagte der irakische Vize-Außenminister, der am Vortag Gespräche mit hohen Beamten des französischen Außenministeriums geführt hatte.

Frankreich hatte die britisch-amerikanischen Luftangriffe auf Bagdad scharf kritisiert. Der britische Premierminister Tony Blair sprach sich dagegen für Härte gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein aus. Saddam dürfe nicht erlaubt werden, Massenvernichtungswaffen herzustellen, sagte Blair.

Die Irakpolitik wird Thema von Gesprächen zwischen Blair und US-Präsident George W. Bush sein. Blair traf am Freitag als erster europäischer Regierungschef zu Gesprächen mit dem neuen US-Regierungschef ein. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN betonte Blair am Freitag die Gemeinsamkeiten beider Länder, die auch unter der neuen Regierung erhalten blieben.

Bush verglich auf einer Pressekonferenz die Sanktionen gegen den Irak mit "Schweizer Käse". Sie müssten gestärkt werden, um den irakischen Präsidenten Saddam Hussein davon zu überzeugen, "ein friedlicher Nachbar in der Region zu sein". Außenminister Colin Powell werde bei seinem Nahost-Besuch Unterstützung dafür suchen.

"Wir werden die gegenwärtige Sanktionspolitik und Möglichkeiten prüfen, sie funktionsfähig zu machen", sagte Bush auf der Pressekonferenz. Zugleich kritisierte er China wegen dessen mutmaßlicher Hilfe bei der Verbesserung der irakischen Luftabwehr. Sollten sich Berichte bestätigen, nach denen chinesische Techniker am Aufbau eines Glasfasernetzes für Radaranlagen beteiligt seien, bedeute dies "Probleme", sagte Bush. Die USA würden China eine "angemessene Antwort" geben. China hatte die Vorwürfe am selben Tag zurückgewiesen.

Bush verteidigte auf der Pressekonferenz die US- Raketenangriffe auf Ziele nahe Bagdad vom vergangenen Freitag und sprach von einem Erfolg. Der Beschuss habe die Abwehr der irakischen Armee geschwächt. Außerdem hätten die USA ihr zweites Ziel erfüllt, dem irakischen Staatschef Saddam Hussein "ein klares Signal" zu senden. Bush äußerte sich nicht zu Angaben aus dem Verteidigungsministerium, nach denen viele amerikanische Raketen ihre Ziele um bis zu hundert Meter verfehlten. Eine genaue Untersuchung stehe noch aus, sagte Bush.

Unterdessen kam es zu einem Zwischenfall in der nördlichen Flugverbotszone. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Donnerstag irakische Militärstellungen während eines Routine-Kontrollfluges, nachdem sie vom Boden aus beschossen worden waren, teilte das Pentagon mit.



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