Bombenangriffe Bagdad und Basra unter Beschuss

Bagdad war in der Nacht und am Morgen erneut Ziel von Luftangriffen. Auch die umkämpfte südirakische Stadt Basra geriet am frühen Sonntagmorgen unter heftiges Bombardement der Alliierten. Mittlerweile sollen bereits 6.000 "Präzisionsbomben" über dem Irak abgeworfen worden sein.


Britische Soldaten auf dem Weg zum Häuserkampf in Basra
AFP

Britische Soldaten auf dem Weg zum Häuserkampf in Basra

Bagdad - Vier heftige Detonationen erschütterten am Sonntagmorgen das Stadtzentrum der irakischen Hauptstadt. Auch aus den südlichen Außenbezirken Bagdads wurden beim Morgengrauen 10 schwere Explosionen gemeldet.

Ziel der Angriffe sei zunächst ein Komplex innerhalb des Präsidentenpalastes gewesen, der von Kusai, Präsident Saddam Husseins Sohn, genutzt werde, berichteten Reuters-Korrespondenten. Saddams jüngerer Sohn ist Befehlshaber der Elitetruppe Republikanische Garde. Ihm unterstehen Bagdad und die Stadt Tikrit, aus deren Umgebung Saddams Familie stammt. Beide Städte gelten zudem als Machtbasis Saddams. Ein weiteres Ziel soll ein Trainingszentrum für Elitekämpfer gewesen sein.

Schon kurz vor Mitternacht hatten rund 30 Detonationen die Innenstadt und die Außenbezirke erschüttert. Ziel war ein Wohnviertel für Regierungsfunktionäre. Auf Fernsehbildern waren riesige Rauchwolken zu sehen, die hinter einem Komplex von vier- bis fünfgeschossigen Wohnhäusern in den Nachthimmel aufstiegen.

Auch die südlichen Außenbezirke Bagdads wurden zum Ziel von Bombenangriffen. Dort sollen sich die irakische Republikanische Garde verschanzt haben.

Neue Angriffe auch auf Basra

Flüchtlinge in Basra
AP

Flüchtlinge in Basra

Die südirakische Stadt Basra ist Sonntag früh nach Berichten des arabischen Senders al-Dschasira ebenfalls unter heftigen Beschuss alliierter Streitkräfte geraten. Zugleich starteten britische Streitkräfte eine neue Offensive auf die belagerte südirakische Stadt. Ein Reporter des US-Fernsehsenders CNN berichtete vor Ort, britische Marinesoldaten rückten mit Panzern in die südöstlichen Vororte der Großstadt ein. Sie würden auf sporadischen Widerstand stoßen.

Die Soldaten würden sich Straße für Straße, Haus für Haus vorarbeiten. Die Briten könnten dabei auf die Erfahrung zurückgreifen, die sie bei der Bekämpfung der IRA in Nordirland gemacht hätten, sagte der Reporter. Basra - die zweitgrößte Stadt des Irak - ist seit einer Woche von britischen Truppen belagert.

Auch im Norden des Landes, in der Nähe der Städte Mossul und Kalak, wurden teils heftige Explosionen gemeldet.

Im südirakischen Nasirija nahmen US-Marineinfanteristen nach Angaben eines CNN- Reporters den Sitz der regierenden Baath-Partei ein. In dem Gebäude seien große Mengen Munition und Schutzanzüge gegen Chemiewaffenangriffe gefunden worden.

Verlangsamte Bodenoffensive

Die gesamte Bodenoffensive der Briten und Amerikaner kommt unterdessen nur langsam voran. Die Einheiten der Republikanischen Garden veränderten immer wieder ihre Positionen, um den alliierten Luftangriffen auszuweichen, sagte Pentagon-Sprecher Generalmajor Stanley McChrystal. Gegen die Medina-Division der Garden seien am Freitagabend Kampfhubschrauber vom Typ "Apache" eingesetzt worden. Die amerikanischen und britischen Kampfflugzeuge hätten am Freitag mehr als 1.000 Einsätze über dem Irak geflogen.

Bereits 6.000 Bomben abgeworfen

"Tomahawk"- Marschflugkörper: Bislang sieben Fehlschüsse
DPA

"Tomahawk"- Marschflugkörper: Bislang sieben Fehlschüsse

Die alliierten Truppen haben laut McChrystal seit Kriegsbeginn 6.000 "Präzisionsbomben" über dem Irak abgeworfen und 675 "Tomahawk"-Marschflugkörper gestartet, von denen sieben ihr Ziel wegen technischer Probleme verfehlt hätten. McChrystal machte keine Angaben darüber, was die "Tomahawks" stattdessen trafen. Derzeit hielten sich fast 100.000 alliierten Soldaten im Irak auf, in der gesamten Region seien es 290.000. Seit Kriegsbeginn seien insgesamt 36 amerikanische Soldaten umgekommen, 29 von ihnen verloren ihr Leben im Kampfeinsatz.

Angesichts des jüngsten Selbstmordanschlags auf amerikanische Truppen soll die Sicherheit an Kontrollpunkten verstärkt werden, sagte McChrystal. Bei dem Anschlag waren am Samstag nahe der irakischen Stadt Nadschaf vier US-Soldaten getötet worden. Iraks Präsident Saddam Hussein zeichnete den Attentäter postum mit zwei Orden aus.

Korrigierte Opferzahlen

Bombenkrater in Bagdad
AP

Bombenkrater in Bagdad

Die irakische Seite korrigierte nach CNN-Angaben ihre Angaben über die Zahl der Toten und Verletzten des Krieges erheblich nach unten. Bislang seien 357 Zivilisten getötet und 3.650 verletzt worden, hieß es. Noch am Freitag hatten die Behörden die Zahl der Toten mit 580 und die der Verletzten mit 4.500 angegeben. Warum die Opferzahlen berichtigt wurden, sei nicht begründet worden, hieß es.

Der arabische Sender El Dschasira berichtete unterdessen, eine Gruppe von 300 irakischen Oppositionellen habe ihre Ablehnung gegen eine vorübergehende amerikanische Militärverwaltung im Irak erklärt. Der Sender zeigte zudem unbewaffnete Exil-Iraker in Jordanien, die sich mit dem Bus auf den Weg zurück in die Heimat machten, um, wie sie sagten, gegen die amerikanisch-britischen Truppen zu kämpfen. Auch in Syrien würden sich zunehmend freiwillige Kämpfer in der irakischen Botschaften melden, berichteten Hörfunkreporter.

Weitere Ereignisse im Irak-Krieg:

  • An der Nordfront ziehen sich die irakischen Einheiten um weitere 20 Kilometer in Richtung Kirkuk zurück. Kurden rücken in die frei werdenden Räume nach. Aus der Luft erfolgen Bombardements von amerikanischen B-52-Bombern.
  • US-Präsident George W. Bush bereitet die Bevölkerung in seiner wöchentlichen Radioansprache auf weitere Opfer unter den alliierten Truppen in Irak vor. Er zeigte sich jedoch weiterhin zuversichtlich, den Krieg zu gewinnen.
  • Die USA stoppen bis auf weiteres die Flüge von Tomahawk-Raketen über das Territorium Saudi-Arabiens. Grund dafür sind nach US-Angaben Beschwerden des Königreichs, dass einige der für Irak bestimmten Waffen in Saudi-Arabien einschlugen.
  • Vermutlich bei einem Beschuss durch "friendly fire" werden nahe Basra ein britischer Soldat getötet und fünf weitere verletzt. Das bestätigt das Verteidigungsministerium in London.
  • Ein irakischer Militärsprecher erklärt im staatlichen Fernsehen, in den vergangenen Tagen seien hunderte alliierte Soldaten getötet und tausende verwundet worden. Eine ungenannte Anzahl sei gefangen genommen worden.


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