Bombenexplosion Tote bei Anschlag auf Moschee in Iran

Bei einer Bombenexplosion in einer Moschee in der südiranischen Stadt Schiras sind am Samstag nach vorläufigen Angaben neun Menschen getötet und über hundert verletzt worden. Die Explosion ereignete sich während der Predigt eines Geistlichen.


"Als das Resultat einer Bombenexplosion am Rahpujan Kulturzentrum in Schiras wurden unglücklicherweise eine große Anzahl von Landsleuten als Märtyrer getötet", berichtet das staatliche iranische Fernsehen. Die Explosion habe sich um 21 Uhr Ortszeit (18.30 Uhr MESZ) während der wöchentlichen Predigt eines örtlichen Geistlichen ereignet. Die Explosion sei so gewaltig gewesen, dass die Häuser noch mehr als ein Kilometer vom Anschlagsort entfernt erschüttert wurden, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars am Samstagabend. Die Zahl der Todesopfer könne zudem weiter ansteigen. Mindestens drei der Verletzten schwebten in Lebensgefahr.

Iranische Polizei riegelt mit Polizeiwagen den Anschlagsort ab: Mindestens neun Tote.
AP

Iranische Polizei riegelt mit Polizeiwagen den Anschlagsort ab: Mindestens neun Tote.

Alle Straßen rund um die Moschee seien von Sicherheitskräften abgeriegelt worden, wird weiter berichtet. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Klar sei allerdings, dass das Attentat sich gegen das in der Moschee gelegene "Kultur- und Religionszentrum Rahpujan" gerichtet habe, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Fars, Mohammed Resa Hadaegh, nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. "Ermittlungen zum Hintergrund der Tat wurden eingeleitet", fügte er hinzu. In der Moschee sollen wöchentlich Predigten zum radikalen wahabitischen Islam, der seine Wurzeln in Saudi-Arabien hat, und zur in Iran offiziell nicht anerkannten Bahai-Religion stattgefunden haben, berichtet Fars. Rund eine halbe Million Menschen bekennen sich in Iran zu der Bahai-Religion, deren Grundrechte stark eingeschränkt sind.

Attentate dieser Art sind in Iran in den vergangenen zwei Jahrzehnten selten geworden. In den ersten Jahren nach der Islamischen Revolution 1979 hatten verbotene oppositionelle Gruppen immer wieder Anschläge verübt. In Schiras leben keine nennenswerten religiösen oder ethnischen Minderheiten wie in den Grenzprovinzen, die gelegentlich von Anschlägen oder gewaltsamen Zusammenstößen erschüttert werden.

So wurden 2005 und 2006 mehrere Personen bei einer Anschlagsserie in der Öl-Stadt Ahvaz im Südwesten des Landes getötet. Bei dem bisher schwersten Anschlag der letzten Jahre kamen am 14. Februar 2007 13 Mitglieder der Revolutionären Garden durch die Explosion einer Autobombe ums Leben. Der Anschlag mutmaßlicher sunnitischer Rebellen galt einem Bus der Revolutionswächter in der südöstlichen Stadt Sahedan.

Schiras liegt jedoch nicht in einem Grenzgebiet und ist eine der bekanntesten iranischen Großstädte und bei ausländischen Touristen wegen der Nähe zu historischen Stätten aus der Zeit der Achämeniden, einer altpersischen Dynastie, (550 bis 331 vor Christus) beliebt.

cjp/AP/AFP/Reuters/dpa



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