Bombenserie Anschläge erschüttern Neu-Delhi

Bei einer Serie von schweren Explosionen sind in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung machte Terroristen für die Anschläge verantwortlich.

Neu-Delhi/Islamabad - In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi sind heute nach offiziellen Angaben drei Bomben explodiert. Bei den Anschlägen seien mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 54 Menschen seien verletzt worden, teilte die Regierung der Region Delhi weiter mit. Es sei aber noch unklar, wer hinter den Anschlägen stecke, die innerhalb weniger Minuten an verschiedenen Orten verübt worden seien.

Die erste Explosion erschütterte am frühen Abend (Ortszeit) einen belebten Markt in der Innenstadt von Neu-Delhi, als viele Menschen für das Hindu-Fest Diwali in der kommenden Woche einkauften. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers kamen mehrere Menschen ums Leben, viele wurden nach Polizeiangaben verletzt. In der Nähe des Marktes im Stadtviertel Paharganj gibt es etliche billige Hotels, die auch von ausländischen Rucksacktouristen genutzt werden. Die Polizei riegelte das Viertel ab.

Wenige Minuten später ereignete sich eine zweite Explosion in der Nähe eines Marktes im südlich gelegenen Viertel Sarojini Nagar. Hier wurden mindestens 39 Menschen getötet, wie Innenminister Shivraj Patil erklärte.

Die dritte Detonation traf einen Bus im Stadtteil Govindpuri, dabei seien mehrere Personen getötet worden, sagte Feuerwehrsprecher Jagtar Singh. Die Polizei ließ alle Märkte in der Stadt schließen. "Bitte gehen Sie nach Hause zu Ihren Familien", sagte Innenminister Patil in einer Fernsehansprache. Ministerpräsident Manmohan Singh forderte die Bevölkerung auf Ruhe zu bewahren.

Singh machte "terroristische Elemente" für die Serie von Explosionen in Neu Delhi verantwortlich gemacht. "Die Regierung ist entschlossen, alle schändlichen Erscheinungsformen terroristischer Elemente zu bekämpfen", erklärte Singh. Militante Gewalt werde nicht die Entschlossenheit des Landes schwächen, den "Terrorismus zu bekämpfen", fügte der Ministerpräsident hinzu. Die Anschläge seien gegen unschuldige Bürger gerichtet gewesen.

Indiens Nachbar und Rivale Pakistan verurteilte die Anschläge in seinem Nachbarland scharf. "Der Angriff auf einen bevölkerten Marktplatz ist ein terroristischer Akt", erklärte das Außenministerium in Islamabad. "Das pakistanische Volk und seine Regierung sind von dieser barbarischen Tat geschockt", hieß es weiter. Die pakistanische Regierung hoffe, dass die Schuldigen so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen würden.

Bis zum späten Abend bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Nach Einschätzung des führenden Terrorismusexperten Rohan Gunaratna könnten dahinter zwei Gruppen stehen, die den derzeitigen Friedensprozess zwischen Indien und Pakistan ablehnen. Beide Gruppen, Laskar-e-Toeba und Jaish-e-Mohammad, seien zu derartigem Terror in der Lage.

Am Dienstag wird in Indien Diwali - das Lichterfest - gefeiert, eines der populärsten Hindu-Feste. Am Freitag feiern die Muslime Eid, das Ende des Fastenmonats Ramadan. Am letzten Samstag vor Diwali und Eid waren zehntausende Menschen in der 14-Millionen-Metropole Neu Delhi unterwegs, um Geschenke zu kaufen.

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