Nordirland-Konflikt Bombenversteck schürt Angst vor neuem Terror

Spaziergänger haben in Nordirland ein Versteck von Terroristen gefunden. Die Polizei stellte Sprengstoff und Bauteile für Bomben sicher und fürchtet nun zum 100. Jahrestag des Osteraufstands ein Wiederaufflammen der Gewalt.

Belfast, Freitag, 4. März: Spezialkräfte sichern den Ort, an dem eine Autobombe explodierte.
Getty Images

Belfast, Freitag, 4. März: Spezialkräfte sichern den Ort, an dem eine Autobombe explodierte.


Rund 18 Jahre nach dem Waffenstillstand mit Paramilitärs und Terrororganisationen wächst die Sorge vor einem Aufflammen des Nordirland-Konflikts. Wie die nordirische Polizei mitteilte, hat sie in einem Park in der Nähe der Hafenstadt Larne an der Ostküste Sprengstoff und Bauteile für Bomben geborgen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet von einem "großen Bombenversteck".

Ein Spaziergänger hatte die Polizei alarmiert, als er am Wochenende im Carnfunnock Country Park, etwa 32 Kilometer von der Hauptstadt Belfast entfernt, ein "verdächtiges Objekt" entdeckt hatte. Die Beamten fanden vergrabene Plastikfässer mit teils zusammengesetzten Bauteilen für Bomben und kleineren Mengen Sprengstoff. Ein Sprecher der nordirischen Polizei (PSNI) sagte, es sei unklar, wer das Material versteckt habe: "Es ist zu früh, diese Elemente einer katholischen oder protestantischen militanten Gruppierung zu zuordnen."

100. Jahrestag des Osteraufstands

Die Sorgen vor einem Terror-Anschlag sind begründet. In wenigen Wochen steht der 100. Jahrestag des Osteraufstandes in Dublin von 1916 an. Der blutige Aufstand mit etwa 1500 Toten führte 1921 letztlich zur Teilung Irlands - in die katholische Republik und das zu Großbritannien gehörende mehrheitliche protestantische Nordirland. Die Behörden vermuten schon länger, dass es um dieses symbolische Datum herum einen erneuten Ausbruch der Gewalt geben könnte. Der Fund von Larne untermauert diese Befürchtungen.

Erst am vergangenen Freitag war ein 52-jähriger Gefängniswärter, Vater von drei Kindern, in Ost-Belfast schwer verletzt worden, als unter seinem Auto ein Sprengsatz explodierte. Drei Männer im Alter von 34, 41 und 45 und eine 34-jährige Frau wurden daraufhin festgenommen. Berichten zufolge bekannte sich die New IRA zu der Tat. In einer Erklärung an den Nachrichtensender BBC sagte ein Sprecher der 2012 formierten Organisation, der Gefängnisbeamte sei eines von mehreren "potenziellen Zielen" auf einer Liste gewesen. Am Samstag sind zwei weitere Sprengkörper in West-Belfast gefunden worden, schreibt die BBC, und am Sonntag laut der Zeitung "Belfast-Telegraph" ein weiterer Sprengsatz in Derry, der zweitgrößten Stadt des Nordirlands.

Der Nordirland-Konflikt ist seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 weitgehend beigelegt. Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) und die loyalistischen Terroristen von der Gegenseite hatten sich bereiterklärt, der Gewalt abzuschwören und sich entwaffnen zu lassen.

Der nordirische Bürgerkrieg kostete in den Jahren von 1969 bis 1998 etwa 3600 Menschen das Leben. Der Konflikt eskalierte am "Bloody Sunday", dem 30. Januar 1972, als in Derry britische Soldaten auf unbewaffnete Demonstranten schossen. 13 Menschen kamen damals ums Leben.

Trotz der Beilegung des Konflikts kämpfen in Nordirland weiterhin Splittergruppen, die sich als Nachfolger der IRA verstehen, für den Anschluss des britischen Nordens an die Irische Republik. Auch auf der Gegenseite haben sich Extremisten zu neuen Terrorgruppen formiert, die den Friedensvertrag nicht akzeptieren wollen.



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