Boom in Indien und China Wer schlägt den Westen?

REUTERS

Von , Peking

2. Teil: "Haltet bitte eure Wirtschaft am Laufen"


Es gibt noch mehr Beispiele für den Vormarsch asiatischer Unternehmen: Chinas staatlicher Chemiekonzern Bluestar beschaffte sich für zwei Milliarden Dollar die Siliziumsparte des norwegischen Orkla-Konzerns, Sinopec 2009 für 7,2 Milliarden Dollar den kanadischschweizerischen Ölförderer Addax Petroleum. Der ebenfalls staatliche Ölkonzern Sinochem investierte drei Milliarden Dollar für 40 Prozent eines Ölfeldes vor der brasilianischen Atlantikküste. In Argentinien sicherte sich der staatliche CNOOC-Konzern für drei Milliarden Dollar die Hälfte der Ölgesellschaft Bridas, und in Brasilien wechselten mehrere Eisenerzminen ganz oder teilweise in chinesischen Besitz über. In Peru ist bereits ein Drittel des Bergbaus in Händen chinesischer Unternehmen.

Kaliforniens damaliger Gouverneur Arnold Schwarzenegger erschien 2010 in China, um die Eisenbahnen zu testen, die mit dem Namen "Harmonie" durch das Land sausen. "China soll Teil unseres Ausschreibungsverfahrens für unsere Hochgeschwindigkeitsstrecken sein", erklärte der ehemalige Bodybuilder und Schauspieler.

Im saudi-arabischen Mekka bauten Chinesen bereits für die muslimischen Pilger eine 18 Kilometer lange Metro, und im China-Mart der Hauptstadt Riad können Araber sogar chinesische Geldschränke kaufen.

Wie sich die Zeiten verändert haben, wie plötzlich Europa abhängig ist von Asien: Der ASEAN-Generalsekretär, der Thailänder Surin Pitsuwan, berichtete mir vom Asien-Europa-Treffen im Oktober 2008 in Peking, als die Finanzkrise über die Welt hereingebrochen war. "Damals, in der Großen Halle des Volkes, konnte man die Angst und die Sorgen der Europäer spüren. Sie wollten nur eines von den Chinesen: Haltet bitte eure Wirtschaft am Laufen, damit unsere nicht zusammenbricht."

Das Comeback eines Kontinents

Hochentwickelte Zivilisationen entfalteten sich auf dem asiatischen Kontinent bereits, als weite Teile Europas noch primitive Bauerngesellschaften waren. Im 11. Jahrhundert, als London nur rund 35.000 Einwohner zählte, siedelten in und um Angkor in Kambodscha eine Million Menschen, die fähig waren, dreimal im Jahr Reis zu ernten. Um 1500 lebten in Asien rund 284 Millionen Menschen, in Westeuropa waren es nur 57 Millionen. Der Wirtschaftshistoriker Angus Maddison errechnete, dass China im 10. Jahrhundert die führende Wirtschaftsmacht der Welt war, legt man zugrunde, was damals jeder Chinese verdiente.

Chinas Bürokratie verwaltete effektiv, seine Wissenschaftler brillierten mit Erfindungen. Die Seeleute navigierten bereits im 15. Jahrhundert mit Kompassen, die Regenten führten neue Lebensmittel und Getreidesorten ein - Tee in der Tang-Dynastie, Baumwolle in der Song-Dynastie, später folgten Sorghumhirse, Mais, Kartoffeln, Erdnüsse und Tabak.

Zwischen 1100 und 1433 waren die Chinesen mit ihrer riesigen Drachenflotte die eifrigsten Händler in Asien. Noch im 17. Jahrhundert erwirtschafteten China und Indien rund die Hälfte des globalen Bruttosozialprodukts, in beiden Regionen lebten mehr Menschen als anderswo auf der Welt. Mitte des 16. Jahrhunderts war Indien nach China zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, zwei Jahrhunderte später zog es an ihm vorbei. "Die großen Moguln waren damals die mächtigsten Herrscher. Sie hatten 500.000 Soldaten, 30.000 bis 40.000 Elefanten, 100.000 Pferde, große Kanonen. England war dagegen winzig", schwärmt der Inder Guruswamy.

Anfang des 19. Jahrhunderts produzierte Asien drei Fünftel des Bruttosozialprodukts der gesamten Welt, mehr als Amerika und Europa gemeinsam. Danach fiel der Kontinent für Jahrzehnte in die Bedeutungslosigkeit, u. a. weil sich Länder abschotteten und in Bürger- und Kolonialkriegen versanken. Zwischen 1820 und 1952 wuchs Chinas Wirtschaft nur noch um 0,2 Prozent pro Jahr. Nun ist der Kontinent wieder da.

Wenn nichts dazwischenkommt, dürfte Asien "2030 fast zwei Drittel der Weltwirtschaft stellen, nahezu das Doppelte des derzeitigen Anteils von 34 Prozent im Jahr 2009", prophezeit die Asiatische Entwicklungsbank (ADB). Schon jetzt ist Asien das Zentrum des globalen Handels, hier werden ein Drittel aller Waren der ganzen Welt umgeschlagen, hier wechselt jeden Tag mehr Geld als in anderen Weltregionen den Besitzer. Asien hat 64 Prozent der Weltwährungsreserven angehäuft, davon besitzt China allein 3,04 Billionen US-Dollar.

Wenn Finanzverwalter nach den attraktivsten Verdienstmöglichkeiten gefragt werden, antworten sie: "Asien". "Vor allem in Asien entstehen neue Vermögen, dort sehen wir derzeit die besten Chancen. Wir sind vor allem in Singapur und Hongkong aktiv, aber auch unser Geschäft in Indien und China wollen wir deutlich ausbauen", sagt der Chef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, Pierre de Weck.

Asiens Immobilienhändler machen gute Geschäfte, der Markt boomt, die Preise steigen. "Der US-Markt ist nicht gut, Europa ist nicht toll. Deshalb schauen alle nach Asien", sagt ein Hongkonger Makler.



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
Ganaw09 26.09.2011
1. Sehe ich....
Zitat von sysopAsien erlebt den Wiederaufstieg zur Weltmacht. Der Einfluss*von Unternehmen aus Indien und China*wächst stetig*- auch im Westen.*Dabei stehen die Boom-Staaten gerade erst am Anfang der Revolution.**Wie stabil ist das Comeback des Kontinents? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786688,00.html
...das richtig, dass all diese längeren Texte der letzten Tage Auszüge aus dem Buch sind, das direkt daneben beworben wird? Wenn ja, sollte man das vielleicht so kennzeichnen.
suedseefrachter 26.09.2011
2. ...
Bin selber dort, für mich ist Deutschland gestorben. Die Deutsche Regierung ist eine einzige Lachnummer geworden. Die Lebensqualität in Fernost (insbesondere den Tigerstaaten) ist derart hoch mittlerweile das Europa dadurch alt aussieht. Man hat vielerorts traditionelles UND industrielles Leben sehr nah beinander. Jene die über keine besonders gute Ausbildung verfügen kommen in der traditionellen Wirtschaft unter, jene die mehr wollen begeben sich meist in die industrielle Wirtschaft. Positiver Punkt Nummer eins in diesen Ländern, die Sauberkeit. Positiver Punkt Nummer zwei das Verhalten der Gesellschaft in überbevölkerten Ballungsräumen, zu keinem Zeitpunkt hatte ich am Wochenende bei jugendlichen so einen negativen Eindruck auf der Straße wie z.B in Deutschland. Was ich mir für Deutschland wünschen würde, eine allgemeine Modernisierung von ALLEM. Deutschland war einmal Vorreiter in vielen Dingen, der Gesellschaft ging es gut. Mittlerweile gammelt die Gesellschaft auf alten hässlichen Werten der Vergangenheit rum. Auch die soziale Absicherung in diesen Ländern kann sich mittlerweile sehen lassen. Klar gibt es auch andere Seiten, aber gibt es die in Deutschland nicht auch?
PZF85J 26.09.2011
3. -
Zitat von Ganaw09...das richtig, dass all diese längeren Texte der letzten Tage Auszüge aus dem Buch sind, das direkt daneben beworben wird? Wenn ja, sollte man das vielleicht so kennzeichnen.
Das sehen Sie wohl vollkommen richtig. Hat aber auch sein Gutes: Der Artikelinhalt lässt Rückschlüsse zu auf den Buchinhalt. Angesichts des Unsinns, der im Artikel verzapft wird, hat das Buch keine Chance auf meine Einkaufsliste zu kommen. "Asien erlebt ...", welch ein Unsinn.
ronomi47 26.09.2011
4. Unsere Menschen verstehen die Globalisierung nicht
Zitat von suedseefrachterBin selber dort, für mich ist Deutschland gestorben. Die Deutsche Regierung ist eine einzige Lachnummer geworden. Die Lebensqualität in Fernost (insbesondere den Tigerstaaten) ist derart hoch mittlerweile das Europa dadurch alt aussieht. Man hat vielerorts traditionelles UND industrielles Leben sehr nah beinander. Jene die über keine besonders gute Ausbildung verfügen kommen in der traditionellen Wirtschaft unter, jene die mehr wollen begeben sich meist in die industrielle Wirtschaft. Positiver Punkt Nummer eins in diesen Ländern, die Sauberkeit. Positiver Punkt Nummer zwei das Verhalten der Gesellschaft in überbevölkerten Ballungsräumen, zu keinem Zeitpunkt hatte ich am Wochenende bei jugendlichen so einen negativen Eindruck auf der Straße wie z.B in Deutschland. Was ich mir für Deutschland wünschen würde, eine allgemeine Modernisierung von ALLEM. Deutschland war einmal Vorreiter in vielen Dingen, der Gesellschaft ging es gut. Mittlerweile gammelt die Gesellschaft auf alten hässlichen Werten der Vergangenheit rum. Auch die soziale Absicherung in diesen Ländern kann sich mittlerweile sehen lassen. Klar gibt es auch andere Seiten, aber gibt es die in Deutschland nicht auch?
Globalisierung versteht sich unter vielen anderen Aspekten auch als eine Neuverteilung von Macht, Einfluss und Wohlstand. Das ist richtig so. Wir in Europa sind in der Tat sklerotisch geworden. Satt ob all des Manna von oben. Nörglerisch, skeptisch, apathisch... Natürlich trifft dies nicht auf alle Menschen zu. Jene, die ihre Augen offen halten, reisen, geschäftliche Kontakte in Ermerging Markets pflegen, erkennen diese Veränderung. Ein wesentliches Merkmal bei uns im Westen sind die auf Bewahrung und Sicherung ausgerichteten Gruppierungen wie zB die Grünen. Skeptisch gegenüber der Technik, einem gesunden Mass an Risikobereitschaft und Veränderung grundsätzlich. Nur mit Windmühlen allein gibt man sich noch lange nicht technikfreundlich. Wie steht's denn mit Nano- und Biotechnologie?
MentalWorks 26.09.2011
5. Kasten
Zitat von suedseefrachterBin selber dort, für mich ist Deutschland gestorben. Die Deutsche Regierung ist eine einzige Lachnummer geworden. Die Lebensqualität in Fernost (insbesondere den Tigerstaaten) ist derart hoch mittlerweile das Europa dadurch alt aussieht. Man hat vielerorts traditionelles UND industrielles Leben sehr nah beinander. Jene die über keine besonders gute Ausbildung verfügen kommen in der traditionellen Wirtschaft unter, jene die mehr wollen begeben sich meist in die industrielle Wirtschaft. Positiver Punkt Nummer eins in diesen Ländern, die Sauberkeit. Positiver Punkt Nummer zwei das Verhalten der Gesellschaft in überbevölkerten Ballungsräumen, zu keinem Zeitpunkt hatte ich am Wochenende bei jugendlichen so einen negativen Eindruck auf der Straße wie z.B in Deutschland. Was ich mir für Deutschland wünschen würde, eine allgemeine Modernisierung von ALLEM. Deutschland war einmal Vorreiter in vielen Dingen, der Gesellschaft ging es gut. Mittlerweile gammelt die Gesellschaft auf alten hässlichen Werten der Vergangenheit rum. Auch die soziale Absicherung in diesen Ländern kann sich mittlerweile sehen lassen. Klar gibt es auch andere Seiten, aber gibt es die in Deutschland nicht auch?
Ich glaube nicht, dass man das indische Kastensystem als fortschrittlich betrachten kann, sorry.
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