Boom in Indien und China Wer schlägt den Westen?

Asien erlebt den Wiederaufstieg zur Weltmacht. Der Einfluss von Unternehmen aus Indien und China wächst stetig - auch im Westen. Dabei stehen die Boom-Staaten gerade erst am Anfang der Revolution.  Wie stabil ist das Comeback der Wirtschaftsmächte?

REUTERS

Von , Peking


"Setzen wir uns in den Garten, solange die Hitze nicht zu stark ist", sagt Mohan Guruswamy. Treffpunkt ist das vornehme Hotel The Claridges in Neu-Delhi. Guruswamy, ein stattlicher Mann mit grauem Vollbart, war Ende der neunziger Jahre Chef-Wirtschaftsberater der Regierung, bis ihm, wie er sagt, die Vetternwirtschaft zu viel wurde. Nun verdient er sein Geld als Firmenberater und Wissenschaftler. Er sitzt im Aufsichtsrat zweier von Indern gekaufter europäischer Unternehmen, eines in Italien, das andere in Finnland.

Guruswamy hat sich in seinem Buch "Chasing the Dragon" mit der Zukunft Asiens beschäftigt und kommt zu dem Schluss: "2050 werden die Amerikaner noch immer der mächtigste Staat der Welt sein. Indien und China sind nicht innovativ genug, um die USA zu überholen. Aber wir werden die größte Wirtschaftskraft Asiens, 2035 werden wir sogar China überholen."

Grund seines Optimismus: Die Inder seien im Schnitt jünger und stärker nach außen gewandt als die Chinesen: "Immer mehr Inder lernen Englisch, das ändert die Denkweise. Englisch ermöglicht die Flucht aus Rückständigkeit und Armut." Der indische Mittelstand, meint Guruswamy, werde mit der Zeit wachsen und damit die Nachfrage nach Gütern. Und immer mehr Menschen werden in die Städte ziehen. Dies, sagt er, sei der Schlüssel zu mehr Wohlstand.

Aber was sagt er zu der weltweiten Blamage im Jahr 2010, als die Stadien und Wohnheime für die Commonwealth-Spiele erst nach einem Aufschrei von Journalisten in letzter Sekunde fertig wurden? "Ein klarer Fall von Korruption", meint Guruswamy. "Wir haben unsere Lektion gelernt, so etwas passiert nicht wieder."

Es stimme schon: "Unser System ist langsamer als das chinesische. In China wird etwas beschlossen, und dann passiert es. Bei uns wird hin und her debattiert, eine Genehmigung für einen Staudamm benötigt 20 Jahre und nicht ein paar Tage wie in China. Aber auch die Chinesen sind korrupt: Sechs der neun Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros besitzen Land in den USA oder Kanada", behauptet er.

Allerdings muss sich in Indien noch vieles ändern, wenn es erfolgreich sein wolle, sagt Guruswamy. Voraussetzung sei ein schlankeres Regierungssystem, mehr innerparteiliche Demokratie, weniger Bürokratie und Korruption, besser ausgebildete Arbeiter und Angestellte. Die Bauern müssten Kredite für den Landkauf erhalten, das Bewässerungssystem sollte gründlich überholt werden.

Bei aller Hoffnung für die Zukunft Indiens gibt der indische Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen zu bedenken, dass es im Alltag für viele seiner Landsleute noch enorme Probleme gibt. Während Neugeborene in China damit rechnen können, 73,5 Jahre alt zu werden, liegt die Lebenserwartung in Indien bei 64,4 Jahren. In Indien sterben von 1000 Kindern 50, in China nur 17. 94 Prozent der Chinesen können lesen und schreiben, aber nur 74 Prozent der Inder. Fast 20 Prozent der Inderinnen zwischen 15 und 24 Jahren sind Analphabetinnen, in China sind es hingegen nur ein Prozent.

Indien und China mögen am Anfang ihres Aufschwungs stehen - der Einfluss ihrer Unternehmen im Rest der Welt ist aber bereits deutlich zu spüren. Die Firmen, in deren Aufsichtsrat Guruswamy sitzt, sind nur einige von jenen, die inzwischen in Europa Fuß gefasst haben. Dazu zählt der indische Konzern Tata, der die britischen Autofirmen Land Rover und Jaguar erworben hat. Der Geflügelproduzent Venkateshwara Hatcheries übernahm 2010 für 46 Millionen Pfund den englischen Premier League Football Club Blackburn Rovers. Chinas Autokonzern Geely kaufte die schwedische Marke Volvo. Asiatische Hotelkonzerne erwerben Luxusherbergen in Paris und bieten "französischen Service mit orientalischem Flair".



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
Ganaw09 26.09.2011
1. Sehe ich....
Zitat von sysopAsien erlebt den Wiederaufstieg zur Weltmacht. Der Einfluss*von Unternehmen aus Indien und China*wächst stetig*- auch im Westen.*Dabei stehen die Boom-Staaten gerade erst am Anfang der Revolution.**Wie stabil ist das Comeback des Kontinents? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786688,00.html
...das richtig, dass all diese längeren Texte der letzten Tage Auszüge aus dem Buch sind, das direkt daneben beworben wird? Wenn ja, sollte man das vielleicht so kennzeichnen.
suedseefrachter 26.09.2011
2. ...
Bin selber dort, für mich ist Deutschland gestorben. Die Deutsche Regierung ist eine einzige Lachnummer geworden. Die Lebensqualität in Fernost (insbesondere den Tigerstaaten) ist derart hoch mittlerweile das Europa dadurch alt aussieht. Man hat vielerorts traditionelles UND industrielles Leben sehr nah beinander. Jene die über keine besonders gute Ausbildung verfügen kommen in der traditionellen Wirtschaft unter, jene die mehr wollen begeben sich meist in die industrielle Wirtschaft. Positiver Punkt Nummer eins in diesen Ländern, die Sauberkeit. Positiver Punkt Nummer zwei das Verhalten der Gesellschaft in überbevölkerten Ballungsräumen, zu keinem Zeitpunkt hatte ich am Wochenende bei jugendlichen so einen negativen Eindruck auf der Straße wie z.B in Deutschland. Was ich mir für Deutschland wünschen würde, eine allgemeine Modernisierung von ALLEM. Deutschland war einmal Vorreiter in vielen Dingen, der Gesellschaft ging es gut. Mittlerweile gammelt die Gesellschaft auf alten hässlichen Werten der Vergangenheit rum. Auch die soziale Absicherung in diesen Ländern kann sich mittlerweile sehen lassen. Klar gibt es auch andere Seiten, aber gibt es die in Deutschland nicht auch?
PZF85J 26.09.2011
3. -
Zitat von Ganaw09...das richtig, dass all diese längeren Texte der letzten Tage Auszüge aus dem Buch sind, das direkt daneben beworben wird? Wenn ja, sollte man das vielleicht so kennzeichnen.
Das sehen Sie wohl vollkommen richtig. Hat aber auch sein Gutes: Der Artikelinhalt lässt Rückschlüsse zu auf den Buchinhalt. Angesichts des Unsinns, der im Artikel verzapft wird, hat das Buch keine Chance auf meine Einkaufsliste zu kommen. "Asien erlebt ...", welch ein Unsinn.
ronomi47 26.09.2011
4. Unsere Menschen verstehen die Globalisierung nicht
Zitat von suedseefrachterBin selber dort, für mich ist Deutschland gestorben. Die Deutsche Regierung ist eine einzige Lachnummer geworden. Die Lebensqualität in Fernost (insbesondere den Tigerstaaten) ist derart hoch mittlerweile das Europa dadurch alt aussieht. Man hat vielerorts traditionelles UND industrielles Leben sehr nah beinander. Jene die über keine besonders gute Ausbildung verfügen kommen in der traditionellen Wirtschaft unter, jene die mehr wollen begeben sich meist in die industrielle Wirtschaft. Positiver Punkt Nummer eins in diesen Ländern, die Sauberkeit. Positiver Punkt Nummer zwei das Verhalten der Gesellschaft in überbevölkerten Ballungsräumen, zu keinem Zeitpunkt hatte ich am Wochenende bei jugendlichen so einen negativen Eindruck auf der Straße wie z.B in Deutschland. Was ich mir für Deutschland wünschen würde, eine allgemeine Modernisierung von ALLEM. Deutschland war einmal Vorreiter in vielen Dingen, der Gesellschaft ging es gut. Mittlerweile gammelt die Gesellschaft auf alten hässlichen Werten der Vergangenheit rum. Auch die soziale Absicherung in diesen Ländern kann sich mittlerweile sehen lassen. Klar gibt es auch andere Seiten, aber gibt es die in Deutschland nicht auch?
Globalisierung versteht sich unter vielen anderen Aspekten auch als eine Neuverteilung von Macht, Einfluss und Wohlstand. Das ist richtig so. Wir in Europa sind in der Tat sklerotisch geworden. Satt ob all des Manna von oben. Nörglerisch, skeptisch, apathisch... Natürlich trifft dies nicht auf alle Menschen zu. Jene, die ihre Augen offen halten, reisen, geschäftliche Kontakte in Ermerging Markets pflegen, erkennen diese Veränderung. Ein wesentliches Merkmal bei uns im Westen sind die auf Bewahrung und Sicherung ausgerichteten Gruppierungen wie zB die Grünen. Skeptisch gegenüber der Technik, einem gesunden Mass an Risikobereitschaft und Veränderung grundsätzlich. Nur mit Windmühlen allein gibt man sich noch lange nicht technikfreundlich. Wie steht's denn mit Nano- und Biotechnologie?
MentalWorks 26.09.2011
5. Kasten
Zitat von suedseefrachterBin selber dort, für mich ist Deutschland gestorben. Die Deutsche Regierung ist eine einzige Lachnummer geworden. Die Lebensqualität in Fernost (insbesondere den Tigerstaaten) ist derart hoch mittlerweile das Europa dadurch alt aussieht. Man hat vielerorts traditionelles UND industrielles Leben sehr nah beinander. Jene die über keine besonders gute Ausbildung verfügen kommen in der traditionellen Wirtschaft unter, jene die mehr wollen begeben sich meist in die industrielle Wirtschaft. Positiver Punkt Nummer eins in diesen Ländern, die Sauberkeit. Positiver Punkt Nummer zwei das Verhalten der Gesellschaft in überbevölkerten Ballungsräumen, zu keinem Zeitpunkt hatte ich am Wochenende bei jugendlichen so einen negativen Eindruck auf der Straße wie z.B in Deutschland. Was ich mir für Deutschland wünschen würde, eine allgemeine Modernisierung von ALLEM. Deutschland war einmal Vorreiter in vielen Dingen, der Gesellschaft ging es gut. Mittlerweile gammelt die Gesellschaft auf alten hässlichen Werten der Vergangenheit rum. Auch die soziale Absicherung in diesen Ländern kann sich mittlerweile sehen lassen. Klar gibt es auch andere Seiten, aber gibt es die in Deutschland nicht auch?
Ich glaube nicht, dass man das indische Kastensystem als fortschrittlich betrachten kann, sorry.
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