Tod des Kreml-Kritikers Beresowski wurde mit Strang um Hals gefunden

Britische Ermittler haben neue Details über den Tod des russischen Kreml-Kritikers Boris Beresowski bekanntgegeben. Um den Hals der Leiche habe eine Schlinge gelegen - dies würde die Theorie unterstützen, dass er sich erhängt hat. Einen Mord will die Polizei aber nicht endgültig ausschließen.
Straßensperre vor Beresowskis Haus: "Sie haben ihn 13 Jahre lang getötet"

Straßensperre vor Beresowskis Haus: "Sie haben ihn 13 Jahre lang getötet"

Foto: OLIVIA HARRIS/ REUTERS

London - Die Leiche des russischen Oligarchen Boris Beresowski, 67, wurde vergangenen Samstag in seiner Villa im feinen Londoner Vorort Ascot gefunden. Nun hat die britische Polizei weitere Einzelheiten zu seinem Tod bekanntgegeben: Demnach wurde der bekannte Kreml-Kritiker in seinem Badezimmer mit einem Strang um den Hals gefunden. Ein Stück aus demselben Material habe an der Dusche über ihm gehangen.

Bereits am späten Montagabend waren die Ergebnisse erster Untersuchungen öffentlich gemacht worden. Die Obduktion der Leiche "deutet auf Erhängen hin", hatte die Polizei mitgeteilt. Der Pathologe habe "keine Hinweise auf einen gewaltsamen Kampf" gefunden.

Die Ermittler gehen daher von Selbstmord aus - einen Mord schließen sie aber nicht endgültig aus. Die Beteiligung Dritter "kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden, bis weitere Testergebnisse feststehen", sagte ein Sprecher am Donnerstag vor einer Untersuchungskommission.

In Beresowskis Villa hatten die Männer der Thames Valley Police bereits nach chemischen, biologischen und radioaktiven Stoffen gesucht. Aber sie fanden nichts, was auf eine Vergiftung des Oligarchen Boris Beresowski hindeuten könnte. Vor sechs Jahren war der übergelaufene russische Geheimagent Alexander Litwinenko, ein Freund Beresowskis, in London mit radioaktivem Polonium vergiftet worden.

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Boris Beresowki: Die Suche nach der Todesursache

Foto: © Olivia Harris / Reuters/ Reuters

Seit Anfang der neunziger Jahre war Beresowski fast ununterbrochen von Leibwächtern umgeben, er fürchtete Anschläge. Zunächst seitens seiner Konkurrenten, die 1994 eine Bombe neben seinem Mercedes in Moskau detonieren ließen. Dann hatte er Angst, dass ihm Russlands Geheimdienst FSB nach dem Leben trachtete.

Viel spricht dafür, dass der Magnat nicht Killern zum Opfer fiel, sondern Depressionen, die ihn in den Selbstmord trieben. Das kolportieren vor allem dem Kreml freundlich gesinnte Medien. Es gibt andere Oligarchen, die mehr Vermögen angehäuft haben als Beresowski. Aber keiner vermochte wie der gelernte Mathematiker, Geld in Macht zu verwandeln und Macht in noch mehr Geld - und sich damit mächtige Feinde zu machen.

Der russische Schriftsteller Juri Dubow schloss einen Selbstmord vor einigen Tagen zwar nicht aus, gab aber den russischen Sicherheitsdiensten die Schuld. "Sie haben ihn verfolgt, um die Welt getrieben, Tonnen von Müll nach ihm geworfen", sagte Dubow dem Internetportal lenta.ru. "Sie haben ihn 13 Jahre lang getötet - wie das tatsächlich geschehen ist: das Herz, ein Infarkt, irgendetwas - ist die zweite Frage."

Beresowski war nach der Machtübernahme von Wladimir Putin in Moskau nach Großbritannien geflohen, dort erhielt er 2003 politisches Asyl - und schmiedete seither Rachepläne, während sein Vermögen schwand.

Der Kreml versucht nun, Kapital aus dem Tod zu schlagen, und inszeniert das Ende des Rivalen als Kapitulationserklärung.

kgp/dpa/Reuters
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