Anschuldigungen gegen Premierminister Diese Affäre könnte Johnson gefährlich werden

Großbritanniens Premier Boris Johnson gerät in Bedrängnis: In seiner Zeit als Londoner Bürgermeister soll er eine Affäre mit einer US-amerikanischen Unternehmerin gehabt - und sie begünstigt haben.

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Der Parteitag der konservativen Tories soll eigentlich zur großen Boris-Johnson-Show werden. Großbritanniens Premier will sich dort von den Brexit-Hardlinern seiner Partei feiern lassen unter dem Motto "Get Brexit Done" - Setzt den Brexit um. Nach einer Reihe von Niederlagen im Parlament und vor dem Obersten Gericht Großbritanniens hat er Jubelbilder durchaus nötig. Doch nun hängen bereits neue Schatten über ihm.

Am Sonntag, pünktlich zu Beginn des viertägigen Parteitages, hat die britische "Sunday Times" mit neuen Vorwürfen gegen den Premier nachgelegt. Er soll zu seiner Zeit als Bürgermeister von London ein Verhältnis mit der amerikanischen Unternehmerin Jennifer Arcuri gehabt haben. Wenige Tage zuvor hatte die Zeitung bereits berichtet, dass Johnson der Unternehmerin unrechtmäßig öffentliche Gelder zugeschoben haben soll. Darüber hinaus warf Charlotte Edwards, eine Journalistin der Zeitung, Johnson vor, sie und eine weitere Frau 1999 während eines Mittagessens begrapscht zu haben. Damals war Johnson, als Chefredakteur der konservativen Wochenzeitschrift "The Spectator", ihr Vorgesetzter.

Die neuen Vorwürfe könnten dem Premierminister politisch gefährlich werden, denn sie sind keine reine Privatangelegenheiten wie etwa die vielen außerehelichen Affären, für die Johnson berüchtigt ist.

Insbesondere der Korruptionsvorwurf zu seiner Zeit als Bürgermeister hat es in sich. Johnson, damals 47, soll 2012 die zu jener Zeit 27-jährige Arcuri kennengelernt haben - ein Ex-Model, sie studierte in London Betriebswirtschaft. Wenig später bewarb Johnson mindestens viermal Veranstaltungen, die Arcuri mit ihrem frisch gegründeten Unternehmen organisiert hatte, indem er die Events als hochkarätiger Gast besuchte.

Gleich dreimal erhielt Arcuris Startup öffentliche Gelder vom Londoner Bürgermeisterarmt: 10.000 Pfund, 1500 Pfund und 15.000 Pfund - insgesamt knapp 30.000 Euro. Arcuri begleitete den Bürgermeister außerdem 2014 und 2015 auf seine Handelsreisen nach New York, Tel Aviv, Malaysia und Singapur. Britischen Medienberichten zufolge habe sie erst nach der Intervention Johnsons an den Reisen teilnehmen dürfen; zuvor seien ihre Bewerbungen dafür abgelehnt worden.

Arcuri geriet jüngst ins Visier, weil sie im Januar 100.000 Pfund vom britischen Kulturministerium erhielt. Sie hatte auf ihrer Bewerbung fälschlicherweise angegeben, in Großbritannien zu leben. Tatsächlich wohnt sie inzwischen wieder in den USA.

Downing Street bestreitet bisher alle Vorwürfe. Doch zum mutmaßlichen Interessenskonflikt zu seiner Zeit als Bürgermeister wird Johnson sich befragen lassen müssen. So hat es die Stadtverwaltung Londons beschlossen. Am Freitag beauftragte sie darüber hinaus eine unabhängige Aufsichtsbehörde damit, zu prüfen, ob gegen Johnson wegen Fehlverhaltens im Amt Ermittlungen aufgenommen werden sollen.

insgesamt 54 Beiträge
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Crom 30.09.2019
1.
Seit Trump perlt sowas an populistischen Politikern einfach ab, da es deren Anhänger schlicht nicht interessiert.
eckawol 30.09.2019
2. Zwillinge im Geiste ?
Und so werden für Boris Johnson und Donald Trump zeitgleich Impeachments eingeleitet...
wick.eurocon 30.09.2019
3. Ähnlichkeiten
Es scheint ,dass die Probleme in Briten und bei den Amis sehr ähnlich sind. Es geht um zwei Personen ,welche meine. Sie haben mehr Recht als alle anderen. Egoisten ,Psychopathen führen die beiden Länder und mit den gleichen Politsystemen,welches nie funktioniert. Beide sind korrupt und deshalb können sie sich gegenseitig beschuldigen. Beide sind für das Volk ungeeignet und dienen nur sich selbst.
frenchie3 30.09.2019
4. @3 Wenn man dazu bedenkt
daß es sich hier um einstige Kolonie und Mutterland handelt umschleicht mich eine Frage: hat das was mit Genetik zu tun?
s.l.bln 30.09.2019
5. Würde ich...
Zitat von CromSeit Trump perlt sowas an populistischen Politikern einfach ab, da es deren Anhänger schlicht nicht interessiert.
...in diesem Fall bezweifeln, weil es um Johnson trotz aller Bemühungen seinerseits keinen solchen Fankult gibt und die Briten kein Zweiparteiensystem haben. Es gibt dort fanatisierte Brexiteers, aber denen ist egal, wer den umsetzt. Falls Johnson der Affäre zum Opfer fällt, haben sie ja noch Farage und Rees Moog, oder wen die Tories sonst so an Hardlinern hergeben.
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