SPIEGEL ONLINE

Boris Johnson begründet Abgang "Der Brexit-Traum stirbt"

Der scheidende britische Außenminister Johnson wählte für seine Rücktrittserklärung drastische Worte. Die Regierungspläne blieben einem "im Halse stecken".

Als früherer Journalist sollte Boris Johnson um die Macht seiner Worte wissen - stattdessen ist er für undiplomatischen Äußerungen berüchtigt. Nun hat der bisherige britische Außenminister seinen Rückzug mit einem für das einstige Empire drastischen Vergleich verknüpft.

Großbritannien drohe, als eine Art Kolonie in der Europäischen Union unterzugehen, heißt es in seinem Rücktrittsschreiben an Premierministerin Theresa May. "Wir sind wirklich auf dem Weg zu einer Kolonie." Ursprünglich habe er hinter den Regierungsplänen gestanden, nunmehr aber blieben diese "einem im Halse stecken".

Dem Land stehe nunmehr nur ein "Semi-Brexit" bevor, polterte Johnson. "Der Brexit-Traum stirbt, erstickt von unnötigen Selbstzweifeln." Ein weicher Brexit mit zu engen Partnerschaften zu den Ländern der Gemeinschaft berge diese Gefahr, teilte Johnson mit, nachdem die Regierung ihre neuen Pläne für weiterhin enge Handelsbeziehungen trotz Brexit präsentiert hatte.

Fotostrecke

Boris Johnsons Karriere: Peinlichkeiten und Skandale

Foto: Gareth Fuller/ dpa

Unter anderem zu einer engen Verbindung zu den EU-Vorschriften für Industriegüter hatte sich das Kabinett von Premierministerin Theresa May bereit erklärt. Diese musste die Pläne am Nachmittag im Parlament verteidigen.

Brexit-Hardliner Johnson war wegen dieser Zugeständnisse Mays zuvor zurückgetreten. Nur Stunden zuvor hatte bereits Brexit-Minister David Davis seinen Abgang verkündet. Die Rücktritte haben Mays Regierung in eine tiefe Regierungskrise gestürzt.

apr/Reuters/AP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.