Protestaktion in London Demonstranten verhöhnen Boris Johnson mit riesiger Puppe

Boris Johnson könnte schon in der kommenden Woche das Amt des britischen Premierministers übernehmen. Wie umstritten der Politiker ist, zeigte sich wieder am Samstag bei einer Demonstration in London.

Chris J Ratcliffe/ Getty Images

Mit einer riesigen Boris-Johnson-Puppe haben Demonstranten gegen den voraussichtlich neuen britischen Premierminister protestiert. Unter dem Motto "Nein zu Boris, Ja zu Europa" zogen Menschen mitten durch London.

Der Protestzug wurde von "March for Change" organisiert, einem Zusammenschluss EU-freundlicher Gruppen. "Die Puppe sieht vielleicht ein bisschen nach unbeschwertem Spaß aus, aber sie hat eine ernsthafte Botschaft", sagte einer der Organisatoren.

Die aufblasbare Boris-Puppe namens "Baby Blimp" erinnert an "Baby Trump", eine riesige Figur am Himmel, die den US-Präsidenten Donald Trump während seines Besuchs in London im vergangenen Monat verspotten sollte. In Großbritannien wird mit dem Wort "Blimp" sowohl ein Luftschiff als auch ein selbstgefälliger Erzkonservativer bezeichnet (Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelgeschichte zu Boris Johnson).

Konservative Partei gibt Nachfolger für May am Dienstag bekannt

Die Johnson-Puppe trägt ein T-Shirt mit einem roten Doppeldeckerbus und dem Schriftzug "350 Millionen Pfund" darauf. Dies ist eine Anspielung auf eine Kampagne, mit der Johnson Wähler beim Brexit-Referendum in die Irre führen wollte.

Er hatte damals behauptet, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund (knapp 400 Millionen Euro) an die EU weiterleiten müsse. Dieses Geld könne besser in den staatlichen Gesundheitsdienst NHS investiert werden. Was Johnson jedoch verschwieg: Großbritannien erhält einen erheblichen Teil seiner Beiträge zurück, etwa für die Landwirtschaft.

Am kommenden Dienstag gibt die Konservative Partei bekannt, wer der Nachfolger der scheidenden Premierministerin Theresa May wird. Favorit ist Johnson, dem viele zutrauen, enttäuschte Brexit-Wähler zurückzugewinnen. Seinem Konkurrenten, Außenminister Jeremy Hunt, werden kaum Chancen eingeräumt. Bereits am Mittwoch soll der neue Premierminister May dann ablösen.

bam/dpa



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