Entgleisung im Parlament Boris Johnson empört mit Aussage über ermordete Abgeordnete

Der britische Premier versucht verzweifelt, seinen Brexit-Kurs zu verteidigen. Dabei spielte Boris Johnson nun auf die getötete Politikerin Jo Cox an. Ihr Witwer wurde deutlich: "Das macht mich krank."
Boris Johnson (am 24. September): Appelle zur Mäßigung prallen ab

Boris Johnson (am 24. September): Appelle zur Mäßigung prallen ab

Foto: Craig Ruttle/ AP

Der Ton war scharf an diesem Mittwoch im britischen Parlament. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, bei aller britischer Etikette gehen die Abgeordneten den politischen Gegner durchaus auch einmal direkt an. Boris Johnson allerdings vergriff sich auch vor diesem Hintergrund erheblich in seiner Wortwahl.

Während der Debatte hatten mehrere Abgeordnete von Johnson verlangt, in Bezug auf den Brexit von Ausdrücken wie "Kapitulation", "Verrat" und "Betrug" abzusehen, da diese die ohnehin aufgeheizte Debatte unnötig verschärfen würden. Als Beleg verwies unter anderem die Labour-Abgeordnete Paula Sherriff auf Morddrohungen, die Parlamentskollegen zuletzt anonym erhalten hätten. In diesen Drohungen seien Aussagen von Johnson wiederholt worden. "Der Premierminister sollte sich schämen", so Sherriff.

Johnson quittierte die Kritik mit einem Grinsen und dem Satz: "Ich muss sagen, so einen Humbug habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört."

Für noch mehr Empörung sorgte allerdings seine Replik auf den Redebeitrag von Tracy Brabin. Diese war an Stelle von Jo Cox ins Parlament aufgerückt. Cox war im Juni 2016 auf offener Straße ermordet worden. Der Täter hatte dabei "Britain First" gerufen. Cox galt als klare Gegnerin eines britischen EU-Austritts.

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Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

Brabin mahnte nun mit Blick auf die aktuellen Drohungen gegen viele Politiker zur verbalen Abrüstung. Direkt an Johnson gerichtet sagte sie: "Darf ich ihn bitten, als Mensch, bitte, bitte seine Wortwahl zu mäßigen, damit wir uns alle sicher fühlen können?"

Der Witwer der Ermordeten findet klare Worte

Johnsons Entgegnung sorgte im Plenarsaal für hörbares Aufstöhnen der Abgeordneten: "Der beste Weg, das Andenken an Jo Cox zu wahren und unser Land zusammenzubringen, wäre, den Brexit durchzuziehen."

Die weiteren Reaktionen auf diese Aussage ließen nicht lange auf sich warten und sie sind unmissverständlich. Jo Swinson, Anführer der Liberalen Demokraten, nannte den Premier "eine Schande". Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon bezeichnete ihn als "feige, unseriös und ohne jeglichen Gedanken über die Auswirkungen seiner Worte und Taten." Sie sei entsetzt.

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Die nachdrücklichste Reaktion aber kam von Brendan Cox, Witwer der ermordeten Politikerin. Er schrieb bei Twitter, es mache ihn "krank, Jos Namen so verwendet zu sehen".

jok