Möglicher Premierminister Boris Johnson gegen US-Militäreinsatz in Iran

Einen Krieg mit Iran hält Boris Johnson für "keine sinnvolle Option". Falls er Premierminister wird, würde er einen solchen Einsatz der USA nicht unterstützen, sagte er bei einer Debatte.

Boris Johnson über die US-Iranpolitik: Keine "sinnvolle Option für uns im Westen"
Leon Neal/ Getty Images

Boris Johnson über die US-Iranpolitik: Keine "sinnvolle Option für uns im Westen"


Das Verhältnis zwischen den USA und Großbritannien ist momentan angespannt. Jetzt hat auch noch der führende Anwärter auf das Amt des britischen Premierministers, Boris Johnson, klar gemacht: Einen etwaigen Militäreinsatz der USA gegen Iran würde er nicht unterstützen. "Die Antwort lautet: nein", sagte er während einer Debatte zu der entsprechenden Frage.

Johnson gilt als Favorit für den Parteivorsitz der Konservativen und würde damit automatisch auch neuer Regierungschef werden.

Die Beziehungen zu den USA waren in letzter Zeit von den Ereignissen um Großbritanniens US-Botschafter Kim Darroch getrübt. Dieser hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump in seinen Botschafterdepeschen als "einzigartig dysfunktional" bezeichnet. Die internen Berichte wurden geleakt und veröffentlicht. Daraufhin bezeichnete Trump Darroch auf Twitter als dumm und verrückt. Der Botschafter trat deshalb vergangene Woche zurück. Johnson hatte sich in einer Fernsehdebatte nicht hinter Darroch gestellt.

Johnson nennt Trump "skrupellos"

Die Debatte zwischen Johnson und seinem Konkurrenten Jeremy Hunt wurde von der britischen Zeitung "The Sun" als Webcast übertragen. Beide lobten in ihren Redebeiträgen den Stil von Trump. Hunt nannte ihn "schlau", während Johnson ihn als "skrupellos" bezeichnete. Bei der Iranpolitik wollte Johnson die USA nicht unterstützen. Das Regime in Iran bezeichnete er zwar als "gefährlich". Einen Militäreinsatz sei aber keine "sinnvolle Option für uns im Westen", sagte er.

Die Kandidaten um das Rennen des Parteichefs der konservativen Partei, Boris Johnson und Jeremy Hunt, während einer Debatte von "The Sun"
DPA/ Louis Wood

Die Kandidaten um das Rennen des Parteichefs der konservativen Partei, Boris Johnson und Jeremy Hunt, während einer Debatte von "The Sun"

Die Spannungen zwischen den USA und Iran haben zuletzt zugenommen. Die USA beschuldigen Iran, von der internationalen Gemeinschaft mit seinen Verstößen gegen das Atomabkommen Zahlungen erpressen zu wollen. Washington hatte vor gut einem Jahr das Abkommen von 2015 einseitig aufgekündigt und wieder Wirtschaftssanktionen in Kraft gesetzt. Der Abschuss einer US-Drohne durch die iranischen Revolutionsgarden am Persischen Golf vergangenen Monat hat die Situation noch verschärft. Beide Staaten sagen allerdings, dass sie keinen Krieg suchen.

US-Besuch von iranischem Außenminister könnte Annäherung sein

Zuletzt warnte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif die USA am Rande eines Besuchs bei der Uno in New York vor einem Anheizen des Konflikts. "Ich denke, die Vereinigten Staaten spielen mit dem Feuer", sagte Sarif im US-Sender NBC News. Sein mehrtägiger Besuch in den USA nährt Spekulationen über mögliche Annäherungsversuche zwischen Teheran und Washington.

Sarif betonte auf NBC News: "Wenn wir Atomwaffen hätten entwickeln wollen, hätten wir das schon vor langer Zeit tun können." Der Außenminister sagte zudem, die Anreicherung von Uran über die im internationalen Atomabkommen vereinbarte Menge und den vereinbarten Grad hinaus könne "binnen Stunden" zurückgenommen werden.

mfh/AFP/Reuters



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