Boris Johnson über Brexit "Kein Abkommen mit der EU wäre vollkommen okay"

Wenn Großbritannien offiziell den Brexit erklärt, bleiben zwei Jahre, um mit der EU neue Abkommen zu schließen. Sonst drohen Zölle und Handelsschranken. Der britische Außenminister nimmt es gelassen.

Boris Johnson
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Der britische Außenminister Boris Johnson gibt sich unbeschwert, was die anstehenden Austrittsverhandlungen seiner Regierung mit der EU angeht. In einem Interview des britischen Fernsehsenders ITV sagte er, es wäre für Großbritannien "vollkommen okay", nach Ende der zweijährigen Austrittsverhandlungen mit der EU kein Abkommen über die künftigen Beziehungen zu erzielen. Dazu werde es aber nicht kommen, fügte er hinzu. "Unsere Freunde und Partner in der EU wollen verzweifelt, dass diese Sache funktioniert."

Zuvor hatte ein Ausschuss im britischen Parlament die Regierung heftig kritisiert. In einem Bericht hieß es, es sei eine realistische Aussicht, dass die Verhandlungen mit der EU scheitern. Die Regierung mache sich einer Pflichtverletzung schuldig, wenn sie dafür keine Vorkehrungen treffe.

Premierministerin May hatte wiederholt angekündigt, ihre Regierung werde den Verhandlungstisch ohne Ergebnis verlassen, sollte die EU kein entsprechendes Angebot machen. Die Folge wäre eine Wiedereinführung von Zöllen und anderen Handelsschranken. Wirtschaftsverbände warnten vor drastischen Folgen.

Mit einem Beginn der Austrittsverhandlungen wird innerhalb von Wochen gerechnet. Am Montag berät das britische Parlament erneut über das Brexit-Gesetz. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Abgeordneten die Änderungen des Oberhauses rückgängig machen und den Gesetzentwurf zurück zu den Lords schicken werden.

Die Mitglieder des Oberhauses hatten Änderungen an dem knappen Gesetzentwurf vorgenommen. Sie forderten eine Garantie für die Rechte von EU-Bürgern, die in Großbritannien leben, und ein Vetorecht für das Parlament am Ende der Austrittsverhandlungen mit der EU. Die Regierung will das Gesetz aber ohne Änderungen durchs Parlament bringen. Setzt sie sich durch, geht der Entwurf solange zwischen den beiden Parlamentskammern hin- und her, bis sie sich auf einen Wortlaut einigen können.

Dennoch ist es möglich, dass das Gesetz noch am Montag verabschiedet wird. In diesem Fall könnte May bereits am Dienstag den EU-Austritt Großbritanniens offiziell verkünden.

koe/dpa

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