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16. September 2017, 15:57 Uhr

Britischer Außenminister

Boris Johnson legt Brexit-Vision vor - seine Vision

"Wir können das großartigste Land der Welt sein": Boris Johnson legt in einem Zeitungsbeitrag seine Brexit-Vorstellungen dar. Der Vorstoß wird als Attacke auf Premierministerin Theresa May gewertet.

Bevor Boris Johnson Außenminister von Großbritannien und überhaupt Politiker wurde, war er mal Journalist - unter anderem beim "Daily Telegraph". Von 1989 bis 1994 berichtete er für das konservative Blatt sogar aus Brüssel. Nun hat er erneut in seiner alten Zeitung einen neuen Artikel veröffentlicht. Der Inhalt: seine Brexit-Version.

Darin sagt er dem Land eine "glorreiche" Zukunft außerhalb von EU, Binnenmarkt und Zollunion voraus. "Ich glaube, wir können das großartigste Land der Welt sein", schreibt er. Die Briten hatten im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der EU gestimmt.

Johnson wiederholt sein Versprechen aus dem Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum, der staatliche Gesundheitsdienst NHS werde von umgerechnet rund 350 Millionen Pfund wöchentlich profitieren, die an EU-Beiträgen künftig eingespart werden könnten. Zahlungen für den freien Zugang zum Europäischen Binnenmarkt lehnt er ab.

Bewerbungsschreiben für das Amt des Regierungschefs?

Der britische Außenminister geht damit möglicherweise auf Konfrontationskurs zu Premierministerin Theresa May. Kommentatoren deuten seinen Vorstoß als Bewerbung für das Amt des Regierungschefs. May gilt seit der schiefgelaufenen Parlamentswahl im Juni als angezählt.

Sie hat für die kommende Woche eine richtungsweisende Rede zum Brexit in Florenz angekündigt. Medien spekulierten, May wolle dabei finanzielle Zugeständnisse an die EU machen, um die schleppenden Austrittsverhandlungen mit Brüssel zu beleben.

Bislang hat es bei den Gesprächen in Brüssel kaum greifbare Ergebnisse gegeben. Im März 2019 wird Großbritannien aus der EU ausscheiden. Sollte bis dahin kein Regelung über die künftigen Beziehungen vorliegen, drohen unabsehbare Konsequenzen für die Wirtschaft und andere Bereiche.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der staatliche Gesundheitsdienst NHS werde von umgerechnet rund 350 Milliarden Euro wöchentlich profitieren. Richtig sind rund 350 Millionen Pfund. Wir haben die Fehler korrigiert.

dop/dpa

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