Britischer Außenminister Johnson "Saudi-Arabien führt Stellvertreterkriege"

Offiziell ist Großbritannien ein enger Partner Saudi-Arabiens. Jetzt tauchte ein Video auf, in dem der britische Außenminister Boris Johnson hart mit dem sunnitischen Königreich abrechnet.
Boris Johnson

Boris Johnson

Foto: POOL/ REUTERS

Großbritanniens Außenminister Boris Johnson hat das Königreich Saudi-Arabien sowie Iran harsch kritisiert. In einem Video, das einen Auftritt Johnsons in Rom in der vergangenen Woche zeigt, sagte er über die Lage im Nahen Osten: "Alle, die Saudis, Iran, mischen mit und führen Stellvertreterkriege. Es ist eine Tragödie." Das Material hatte der britische "Guardian" jetzt veröffentlicht .

Saudi-Arabien und Iran agierten als "Puppenspieler". Wörtlich sagte Johnson, es gebe "Politiker, welche die Religion verbiegen und missbrauchen" um ihre Ziele zu erreichen. Bezogen auf die arabische Welt sagte Johnson: "Das ist eines der größten Probleme in der gesamten Region."

Großbritannien ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte auf Nachfrage, es bestehe weiter eine Partnerschaft mit dem Land, alle anderslautenden Aussagen seien falsch. Johnson habe am Wochenende selbst erklärt, man unterstütze Saudi-Arabien in seinem Bemühen, die Grenzen des Landes und seine Bevölkerung zu schützen. Alles andere sei "eine Fehlinterpretation der Tatsachen".

Im jemenitischen Bürgerkrieg steht Saudi-Arabien an der Spitze einer sunnitischen Militärkoalition, welche die Regierung gegen Huthi-Rebellen unterstützt. Beide Seiten werfen sich schwerste Menschenrechtsverletzungen vor. Angriffe der Koalition trafen in der Vergangenheit wiederholt Marktplätze, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen. Die Huthi sollen Zivilisten als Schutzschilde für ihre Kämpfer und militärisches Material benutzen. Außerdem hat Riad 2015 eine Militärkoalition von heute 39 sunnitischen Staaten gegründet, um gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorzugehen.

Am Donnerstag reist Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in das arabische Königreich. Themen sind dort eine engere militärische Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien. Der Besuch in Riad ist heikel: Zum einen will die Ministerin wie die gesamte Bundesregierung das Land nicht als Partner im Kampf gegen den Terror verlieren. Gleichzeitig muss von der Leyen für die deutsche Öffentlichkeit die Kritik am Königshaus wegen der Verletzung von Menschenrechten, die Zweifel an Riads Militärkampagne im Jemen und die heikle Frage von Waffenexporten nach Saudi-Arabien ansprechen.

cht/Reuters
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