Berühmte Angehörige des Tory-Kandidaten The Johnson Family

Vater Johnson saß im Dschungel, der Bruder im Parlament, die Schwester wechselte zur Konkurrenz: Die Familie des vermutlich neuen britischen Premiers sorgt seit Jahren für Wirbel. Wer ist wer im Boris-Clan?

Boris Johnson (M.) mit Familienangehörigen (links Bruder Leo und Schwester Rachel, rechts Vater Stanley und Bruder Jo Johnson)
Andrew Parsons/ i-Images/ imago images

Boris Johnson (M.) mit Familienangehörigen (links Bruder Leo und Schwester Rachel, rechts Vater Stanley und Bruder Jo Johnson)

Aus London berichtet


"Ich bin nicht blond. Ich bin kein Tory", sagte Leo vor einigen Jahren mal. "Ich wurde ohne das Gen für Selbstdarstellung geboren." Das muss man durchaus mal betonen, wenn man ein Johnson ist. Nun ist es nicht so, dass Leo die Öffentlichkeit scheut. Er moderiert etwa eine beliebte Radiosendung. Aber was ist das schon bei dieser Familie?

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Heft 30/2019
Wie Boris Johnson seine Landsleute gegen Europa aufstachelt

Leos Urgroßvater ließ den türkischen Staatsgründer Kemal Atatürk festnehmen. Der Vater saß erst im Europaparlament und dann im Dschungelcamp. Die Schwester schreibt Bestseller und tourt durch TV-Studios. Ein Bruder macht Politik im britischen Unterhaus. Und der andere Bruder, Boris sein Name, wird wahrscheinlich der nächste Premierminister Großbritanniens.

Schon jetzt sind die Johnsons nach den Windsors wohl die berühmteste Familie des Vereinigten Königreichs. Und zumindest beim Unterhaltungswert stehen sie den Royals in nichts nach - sehr zur Freude der britischen Klatschpresse.

Boris Johnson, das ist klar, ist wohl der Lauteste unter Lauten. Insgesamt hat er fünf Geschwister, zwei davon von einer anderen Mutter. Doch welche Promis gehören außer ihm zu dem Clan? Und wie stehen die Verwandten zum politischen Kurs ihres berühmtesten Angehörigen? Der Überblick.

Stanley Johnson

Stanley Johnson
Andrew Parsons/ i-Images/ imago images

Stanley Johnson

Es gab eine Zeit, da zog Stanley Johnson in einem T-Shirt mit der Aufschrift "Remain" durchs Land - dem Schlagwort der Proeuropäer. Darunter die Ergänzung: "Für die Natur". Boris Johnsons Vater war Umweltschützer und wollte den Brexit, für den sein Sohn kämpfte, mit aller Macht verhindern.

Heute, etwa drei Jahre nach dem Referendum, sieht Stanley das nicht mehr so eng. Sein Sohn drängt zwar noch immer auf den EU-Ausstieg. Doch statt des T-Shirts hielt der Vater zuletzt ein Schild in die Kameras. Darauf stand: "Ich unterstütze Boris." Da liegt nahe, woher der Tory-Kandidat für den Premierministerposten seine berühmte inhaltliche Flexibilität hat.

Überhaupt gibt es viele Parallelen zwischen Vater und Sohn, weit mehr als nur die blonde Wuschelfrisur. Wie Boris gilt auch Stanley Johnson etwa als überaus ehrgeizig: Er studierte in den USA, arbeitete später in Brüssel, war sogar fünf Jahre lang für die Torys Europaabgeordneter. Auch Boris wuchs in der EU-Hauptstadt auf. Später schrieb Stanley Bücher, vor allem über Umweltthemen.

Stanley Johnson kann man getrost als Exzentriker bezeichnen. 2017 nahm er an der britischen Version der Dschungelcamp-TV-Serie teil. Seine Wurzeln sind international. Großvater Ali Kemal war der letzte Innenminister des Osmanischen Reiches und als solcher für die Verhaftung des späteren Republikgründers Atatürk verantwortlich. Als Kemals Sohn später nach Großbritannien floh, nahm er den heutigen Nachnamen der Familie an. Zudem führt Stanleys Stammbaum bis zu König George II. Das heißt: Die Johnsons sind auch mit der Queen verwandt.

Rachel Johnson

Rachel Johnson
GEOFF CADDICK/ AFP

Rachel Johnson

"Gehen Sie davon aus", sagte Rachel Johnson kürzlich der "FAZ", "dass wir Familienfeste feiern, ohne uns die Köpfe einzuschlagen." Damit charakterisierte sie den Umgang der Johnsons miteinander ganz gut. Die Differenzen sind mitunter gravierend - zum finalen Bruch hat das bisher jedoch nicht geführt.

Einmal etwa zog ihr Bruder Boris über Migranten her: In manchen Gegenden sei Englisch nicht mehr die erste Sprache. Ein peinlicher Aussetzer, schließlich gehören verschiedene Sprachen zur DNA des Königreichs, zum Beispiel Walisisch. Rachels Reaktion darauf wurde breit zitiert, dabei wirkte sie mehr belustigt als ernsthaft verstört: "Wir haben zu Hause Altgriechisch gesprochen", twitterte sie.

Doch was Boris' Schwester sagt, wird gehört. Sie ist eine angesehene Journalistin und Romanautorin, bestens vernetzt und ebenfalls politisch aktiv. Einst bei den Konservativen, wechselte sie nach dem Brexit-Referendum zu den europafreundlichen Liberaldemokraten. Bei der jüngsten EU-Wahl kandidierte sie für die neue Partei Change UK - allerdings vergeblich.

Jo Johnson

Jo Johnson
Ben STANSALL/ AFP

Jo Johnson

Seinen großen Auftritt hatte Jo Johnson im vergangenen November. Damals trat er als Verkehrsstaatssekretär zurück - aus Protest gegen Theresa Mays Brexit-Deal. Wie sein Bruder Boris schimpfte auch er, Großbritannien werde zum "Vasallenstaat", weil man künftig nicht mehr in Brüssel mitbestimmen dürfe. Allerdings hat Jo, ebenfalls ehemaliger Journalist, eine völlig andere Antwort als Boris: Er will den Brexit absagen - zumindest war das lange sein Kurs.

Nach seinem Rücktritt hat er vergeblich für ein zweites Referendum getrommelt. Überhaupt galt Jo lange als Gegenentwurf zu Boris im Unterhaus: gelassener, sanftmütiger, mit besserem Benehmen. Doch von einer Konfrontation mit seinem Bruder konnte zuletzt keine Rede mehr sein: Jo half Boris im Tory-Wahlkampf. Dafür gibt es eine mögliche Erklärung. Es heißt, Jo könne unter Boris auf einen Ministerposten hoffen.

Leo Johnson

Leo Johnson (l.) mit dem Londoner Bürgermeister Sadiq Khan
David M. Benett/ Getty Images

Leo Johnson (l.) mit dem Londoner Bürgermeister Sadiq Khan

Als sich Boris über Burkaträgerinnen lustig machte, hörte für Leo der Spaß auf. "Es wäre gut", schrieb er auf Twitter, "wenn diese Runde wetteifernder religiöser Intoleranz enden könnte." Leo Johnson ist selbst mit einer Afghanin verheiratet.

Leo Johnson ist weniger bekannt als Boris, Rachel, Jo und Vater Stanley - aber er lässt es sich nicht nehmen, sich öffentlich politisch zu äußern. So lobte der Unternehmer etwa die "akkuraten" Fakten in der Rücktrittserklärung seines Bruders Jo - ein deutlicher Seitenhieb gegen Boris, der es bekanntlich mit der Wahrheit nicht immer allzu genau nimmt.

insgesamt 27 Beiträge
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sven2016 22.07.2019
1. Noch ein Clan, der seine
Familienmitglieder mit Staatsposten versorgen will? Das wird allmählich wieder Norm. Soll Herr Boris Alexander de Pfeffel zeigen, ob er das Land besser als sein Mundwerk in den Griff bekommt. Noch glaube ich das nicht. Der hat bisher, auch als Minister, nur gehetzt.
gelbenesick 22.07.2019
2. Keine Panik,
aufgrund seiner Familiengeschichte, wird Boris sehr gut mit den deutschen Abgeordneten im Bundestag und auch mit der deutschen Regierung, klar kommen. Deutschland wird sich dann mit dem UK verbünden und daher werden die kommenden Verhandlungen mit der EU ein Kinderspiel. Frau Merkel wird sich persönlich dafuer einsetzen, also alles wird gut! ;-) Dumm wird es dann allerdings, für all die England Hasser in deutschen Foren, da diese dann, gegen den politischen Strom schwimmen werden. Die duerfen dann aber trotzdem noch weiter, heimlich Rosamunde Pilcher Filme ansehen, nur wegen der Landschaft, versteht sich. ;-)
w.weiter 22.07.2019
3. Schon interessant,
diese Insulaner-Familie. Gibt es mehr Familien dieser Art in UK? Ach, lieber nicht. Dann müßte man einen Freizeitpark aufmachen, ab November 2019 außerhalb der EU. Auf der "Isle of Man"? Ach nee, geht nicht, die Insel ist ja direkt der "Krone" unterstellt. Weitersuchen. Vielleicht wird Mr. BJ der neue "Mann im Mond"? Wer weiß? Mann, Mann, Mann.
jufo 22.07.2019
4. Eine sympathische Familie
Recht verschieden in den Ansichten aber wenn es darauf ankommt steht man zusammen. Überzeugungen hat Boris eh nicht, also wozu ernsthaft streiten? Ich kann mir gut vorstellen, dass Boris im Herbst den Brexit absagt
michael_1976 22.07.2019
5. Komisch
Dass der neue Premierminister von Tag 1 keine Mehrheit im Parlament für seine Politik hat. Das wird lustig. EU kann sich entspannt zurücklehnen und warten bis sich die Briten (Parlament und Regierung) gegenseitig abschlachten.
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