Während britischem TV-Duell Tories benennen eigene Twitter-Seite in "FactcheckUK" um

Für die Zeit der TV-Debatte zwischen Premier Johnson und Oppositionsführer Corbyn hat die Pressestelle der konservativen Partei ihren Twitter-Account umbenannt. Die Seite gab vor, einen neutralen Faktencheck zu liefern.

Screenshot vom Twitter-Account der Tories während des TV-Duells
DER SPIEGEL

Screenshot vom Twitter-Account der Tories während des TV-Duells


Aufregung am Rande des TV-Duells zwischen Premierminister Boris Johnson und dem Chef der Labour-Partei Jeremy Corbyn: Die Pressestelle der konservativen Partei in Großbritannien hat ihren Twitter-Account temporär in "factcheckUK" umbenannt. Auch das Titelbild und die Beschreibung waren ersetzt worden, sodass nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, dass eine politische Kampagne hinter dem Account stand. Kritiker sprachen von einer Täuschung der Öffentlichkeit.

Die Briten sollen am 12. Dezember wählen und damit auch über den Brexit-Kurs von Premier Johnson abstimmen. In dem vom Sender ITV ausgestrahlten TV-Duell ging es unter anderem um den EU-Austritt und den Nationalen Gesundheitsdienst NHS.

TV-Duell zwischen Boris Johnson (l.) und Jeremy Corbyn. Hauptthema Brexit
REUTERS

TV-Duell zwischen Boris Johnson (l.) und Jeremy Corbyn. Hauptthema Brexit

Auf dem Torie-Account hatte die Pressestelle unter anderem gepostet, Johnson gehe als "klarer Sieger" aus der Debatte hervor. Kurz nach Ende des TV-Duells wurde die Änderung des Namens, der Beschreibung und des Titelbild wieder rückgängig gemacht.

Der britische Labour-Abgeordnete David Lammy sprach auf Twitter von einer Täuschung der Öffentlichkeit und forderte, die Wahlkommission müsse die Namensänderung untersuchen.

Journalist Mike Butcher nannte die Aktion eine Desinformationskampagne.

Ursprünglich hatten auch die Liberaldemokraten und die Schottischen Nationalpartei versucht, ihren Spitzenkandidaten einen Platz in dem Duell zu sichern. Damit waren sie jedoch vor Gericht gescheitert.

Premier Johnson hatte zuletzt versprochen, den EU-Austritt seines Landes bis Ende Januar abzuwickeln. Eigentlich hatte er dies schon bis Ende Oktober zugesagt, dafür im Parlament aber keine Mehrheit bekommen. Corbyn fordert stattdessen ein neues Austrittsabkommen mit der EU und dann ein zweites Referendum darüber.

Labour liegt Meinungsumfragen zufolge 10 bis 17 Prozentpunkte hinter den Konservativen. Forscher sprechen jedoch von der unberechenbarsten Wahl seit Jahrzehnten in Großbritannien.

kko/dpa



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