Ministerrücktritte in Großbritannien Wer geht, wenn Boris Johnson kommt?

Im Kabinett von Premier Boris Johnson arbeiten? Das können sich Justizminister Gauke und Finanzminister Hammond, nicht vorstellen. Sie sind wohl nicht die einzigen, die ihr Amt niederlegen werden.

Boris Johnson wird vermutlich der nächste britische Premierminister
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Boris Johnson wird vermutlich der nächste britische Premierminister


Die konservativen Tories wählen in Großbritannien einen neuen Parteivorsitzenden - der auch an der Spitze der Regierung auf Theresa May folgen wird. Als Favorit gilt der ehemalige Außenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson.

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Heft 30/2019
Wie Boris Johnson seine Landsleute gegen Europa aufstachelt

Falls sich Johnson bei der Wahl gegen Außenminister Jeremy Hunt durchsetzt, will er Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - "komme, was wolle". Mehrmals drohte er Brüssel schon mit einem Brexit ohne Abkommen.

Diese Haltung sorgt allerdings auch in seiner Partei und im Kabinett für Unmut. So kündigte der Justizminister David Gauke bereits seinen Rücktritt an, falls sich Johnson durchsetze. Er könne nicht mit einem Regierungschef zusammenarbeiten, der einen EU-Austritt ohne Vertrag verfolge, sagte Gauke der "Sunday Times". Ein ungeregelter Brexit sei eine nationale Demütigung. Der Minister sagte, er werde Theresa May sein Rücktrittsgesuch am Mittwoch überreichen, bevor er von ihrem Nachfolger gefeuert werde.

Rücktritt vor dem Rausschmiss

Ähnlich äußerte sich Finanzminister Philip Hammond: "Falls Johnson Premierminister wird, wird eine der Voraussetzungen für die Arbeit in seiner Regierung sein, dass man einen No-Deal-Brexit am 31. Oktober akzeptiert. Das kann ich nicht." Hammond sagte der "BBC", er sei sich sicher, dass er nicht entlassen werde - weil er vorher zurücktrete.

Die Briten rechnen mit weiteren Rücktritten. Genannt werden:

  • Wirtschaftsminister Greg Clark,
  • Entwicklungshilfeminister Rory Stewart.

Auch sie würden einer Entlassung durch Johnson mit dem Schritt wohl zuvorkommen.

Nicht nur Minister kündigen Widerstand an. Mehrere Tory-Parlamentarier überlegen laut "Sunday Times", sich den Liberaldemokraten anzuschließen. Die Regierung verfügt nur über eine Mehrheit von drei Stimmen.

Trotz des prominenten Widerspruchs gilt Johnson als haushoher Favorit im parteiinternen Rennen um das Amt des Tory- und damit auch des Regierungschefs. Viele Tories trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler wieder ins Boot zu holen. Am Dienstag wird die Konservative Partei verkünden, für welchen Kandidaten - Johnson oder Hunt - sich ihre etwa 160.000 Mitglieder per Briefwahl entschieden haben.

wbr/dpa/rtr

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
hallotach2000 21.07.2019
1. Eigentlich lustig....
....daß derjenige, der populistisch den Brexit mit heraufbeschworen hat, diesen dann evtl. als Premierminister auch vollziehen muss. Kommt mir eher wie eine selbst auferlegte Strafe vor...
j.a.j.kumar 21.07.2019
2.
Meinetwegen sollen alle gehen. Boris Johnson hat ja den Mist selbst (mit Lügen) eingebrockt. Soll er gefälligst alleine ausbaden. Viel Glück.
Johannes60 21.07.2019
3. Demokratie
Es ist schon faszinierend, dass jetzt die 160.000 Mitglieder der Partei quasi den Premierminister wählen. Eine Wahl des Premierministers im Parlament gibt es im Vereinigten Königreich nun mal nicht. Er/sie wird von der Königin ernannt, die traditionsgemäß den Führer der Mehrheitspartei ernennt. Ist das Demokratie?
bernteone 21.07.2019
4. Die stehen wohl schon auf Boris
Liste . Wird auch nicht schwer sein einige Ministerposten neu zu besetzen , Kandidaten wird es genug geben . Wer weiß schon was wirklich passiert wenn GB ohne Vertrag ausscheidet , vielleicht wird alles gar nicht so schlimm wie die EU es immer darstellt und wenn doch kann sich der Herr Großmaul mal beweisen .
Listkaefer 21.07.2019
5. Es ist immer dasselbe, diese ...
... unfähigen, aber aus Wahlen hervorgegangenen Staatslenker richten ihre Länder zugrunde. Dabei erfinden sie äußere Feinde um ihr Versagen zu vertuschen. Und das Wahlvolk geht ihnen weiter auf den Leim. Wenn GB absackt, wird Johnson das der EU anlasten!
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