Neue Regierung Boris Johnson wird Großbritanniens neuer Außenminister

Er war das Sprachrohr der Brexit-Befürworter, jetzt soll er Großbritannien nach außen vertreten. Die neue Regierungschefin Theresa May hat den umstrittenen Politiker Boris Johnson zum Außenminister ernannt.

AFP

Der Brexit-Befürworter Boris Johnson wird neuer britischer Außenminister Das teilte das Büro der just ernannten Premierministerin Theresa May am Mittwoch mit. Johnson war einer der Wortführer des Brexit-Lagers. Sein Einsatz galt als entscheidend für den Erfolg der Kampagne.

Der frühere Londoner Bürgermeister galt zunächst als Favorit im Rennen um den Premierposten, verzichtete dann aber überraschend auf eine Kandidatur - und habe sich damit der Verantwortung entzogen, so die Kritik. Die ehemalige Innenministerin May steht seit Mittwoch an der Spitze der britischen Regierung. Johnson hatte sich noch vor ihrer Wahl für ihre Widersacherin Andrea Leadsom als neue Regierungschefin starkgemacht. Die verzichtete jedoch auf eine Kandidatur.

Allerdings dürfte Johnson vermutlich bei den Verhandlungen über das künftige Verhältnis Großbritanniens mit der Europäischen Union nur eine geringe Rolle spielen. Das Büro von May gab am Abend bekannt, dass es einen neuen Posten für diese Aufgabe gebe.

David Davis soll demnach als Staatssekretär den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union organisieren. Er zählt zu den prominenten Vertretern des "Leave"-Lagers, die im Vorfeld des Brexit-Referendums am 23. Juni für ein Ausscheiden des Königreichs aus der EU geworben hatten.

Den bisherigen Außenminister Philip Hammond ernannte May zum neuen Schatzkanzler. Finanzminister George Osborne trat zurück, teilte Downing Street weiter mit. Hammond dürfte bei den anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU nun eine wichtige Rolle spielen.

Der heimischen Finanzbranche will Hammond trotz des Brexit-Votums den Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten. Er befürchtet, dass andernfalls viele Finanzunternehmen in andere europäische Städte abwandern könnten.

Osborne war einer der engsten Vertrauten des ehemaligen Premierministers David Cameron, der nach dem verlorenen Referendum sein Amt niedergelegt hatte. Neue Innenministerin wird Amber Rudd.

52 Prozent der Wähler hatten für den Austritt aus der EU gestimmt. Cameron hatte das Referendum selbst initiiert. May setzte sich im Wahlkampf ebenfalls für den Verbleib in der EU ein, aber nur sehr verhalten. Nun will sie die zerstrittene Tory-Partei einigen.

sun/dpa/Reuters/AP/AFP



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