Migrantenlager in Bosnien Behörden verhängen Ausgangssperre - außer für Gang Richtung EU-Grenze

Im Nordwesten Bosniens harren Tausende in Flüchtlingslagern aus und warten auf eine Chance, die Grenze zum EU-Land Kroatien zu überqueren. Die Behörden erlauben das Verlassen zweier Lager nur unter einer Bedingung.
Elendslager Vucjak bei Bihac: Migranten stehen Schlange für ein Paar Schuhe

Elendslager Vucjak bei Bihac: Migranten stehen Schlange für ein Paar Schuhe

Foto: REUTERS/Marko Djurica

Im Nordwesten Bosniens hat die Regierung des Kantons Una-Sana in zwei großen Lagern für Migranten eine Ausgangssperre verhängt. Die Bewohner der Camps Bira in Bihac und Miral in Velika Kladusa dürfen diese Einrichtungen nicht verlassen - außer sie hätten vor, sich in Richtung der Grenze zu Kroatien zu begeben. Zudem sollen keine weiteren Migranten in die völlig überfüllten Lager gelassen werden.

Die Kantonsregierung begründete die Sperre offiziell mit dem "Migrationsdruck", der auf der Region laste. Bosnien ist inzwischen eines der wichtigsten Transitländer auf der sogenannten Balkanroute. Diese führt von Griechenland oder der Türkei aus nach Westeuropa.

Die beiden offiziellen Lager werden von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) betrieben, die zu den Uno-Organisationen gehört. Nach ihren Angaben sind dort insgesamt 2300 Menschen untergebracht.

In Bihac und Umgebung halten sich IOM-Angaben zufolge aber insgesamt rund 7000 Migranten auf. Viele von ihnen harren in dem von der Stadt Bihac errichteten, improvisierten Elendslager Vucjak aus, campieren unter freiem Himmel oder leben in Privatquartieren.

In Flipflops und ohne Jacken durch die Kälte

Zuletzt hatten die Regierungsverantwortlichen neue Quartiere in ehemaligen Militärbaracken in Aussicht gestellt. Wegen des nahenden Winters befürchten Helfer und Aktivisten eine humanitäre Katastrophe, falls im Raum Bihac keine winterfesten Unterkünfte geschaffen werden. "Ohne adäquate Unterkünfte und andere Grundversorgung könnten Menschen sterben", warnte die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen".

Die Menschen seien in Flipflops, ohne Socken und ohne Jacken unterwegs, viele litten wegen der entsetzlichen Lebensbedingungen unter Atemwegsinfektionen und Hautkrankheiten, sagte ein Sprecher der Organisation. Das Lager in Vucjak müsse sofort geschlossen werden.

Auch die EU fordert eine Schließung des Camps. "Wir haben die örtlichen Behörden gebeten, das Gelände unverzüglich abzubauen und die dort untergebrachten Personen in geeignete Einrichtungen zu verlegen", sagte der zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos am Donnerstag bei einer Debatte im Brüsseler Europaparlament.

Im August habe die Kommission dem Land zehn Millionen Euro Hilfsgelder zugewiesen, sagte Avramopoulos. Doch warte man immer noch auf eine Zusage für neue Aufnahmezentren und eine Erweiterung bestehender Unterkünfte.

mes/dpa/AP