Fahndungserfolg Bosnische Polizei verhaftet mutmaßliche Kriegsverbrecher

Sie sollen ein Dorf in Bosnien-Herzegowina überfallen und Frauen und Kinder ermordet haben. 20 Jahre später hat die Polizei zwölf bosnisch-serbische Verdächtige verhaftet.


Sarajevo - Die Polizei in Bosnien-Herzegowina hat zwölf bosnische Serben verhaftet, denen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden. Die Verdächtigen sollen während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 an einem Überfall auf Muslime im Dorf Zecovi beteiligt gewesen sein. Bei dem Angriff wurden mehr als 150 Menschen ermordet, darunter mindestens 29 Frauen und Kinder. Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt.

Nach den sterblichen Überresten der Frauen und Kinder wird noch gesucht. Die Leichen von mehr als 150 Opfern dieser Übergriffe sind im vergangenen Jahr im Massengrab von Tomasica bei Prijedor gefunden worden. In dem Grab werden die Leichen von insgesamt tausend Opfern vermutet.

Die Beschuldigten wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Gebiet der Stadt Prijedor im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina verhaftet. "Ihnen wird Mord, Folter und Vergewaltigung vorgeworfen sowie die Plünderung und Zerstörung von Eigentum der bosnischen Muslime in Zecovi als Teil der Kampagne zu deren Vertreibung", teilte die Anklagebehörde mit.

100.000 Menschen wurden im Bosnienkrieg getötet

Im Zusammenhang mit diesem Fall soll zudem ein internationaler Haftbefehl gegen drei im Ausland lebende Verdächtige erlassen werden. Eine Person sei wegen anderer Delikte im Gefängnis und werde der Staatsanwaltschaft noch überstellt, teilte die Anklagebehörde mit.

Im Bosnienkrieg sind rund 100.000 Menschen getötet worden. Viele der Opfer waren Muslime. Das Haager Uno-Tribunal für die Ahndung von Kriegsverbrechen in dem Konflikt verurteilte bislang 16 Personen zu insgesamt 230 Jahren Haft für Verbrechen in dem Gebiet Prijedor.

Die bosnischen Serben hatten während des Balkankriegs Tausende Muslime in Konzentrationslagern interniert und getötet. Ziel der Kampagne war es, durch sogenannte ethnische Säuberungen alle Muslime aus dem Gebiet zu vertreiben.

syd/Reuters/AP



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