Ethnischer Konflikt auf dem Balkan Nationalist Dodik gewinnt Wahl in Bosnien-Herzegowina

Der serbische Nationalist Milorad Dodik rückt an die Staatsspitze von Bosnien-Herzegowina. Er sitzt damit im höchsten politischen Gremiums des Landes, das er zerschlagen will.
Milorad Dodik, bosnischer Serbenführer

Milorad Dodik, bosnischer Serbenführer

Foto: Darko Vojinovic/ dpa

Ins für Außen- und Verteidigungspolitik zuständige Staatspräsidium Bosnien-Herzegowinas zieht ein ultrarechter Serbe ein: Milorad Dodik erhält den für seine Volksgruppe reservierten Sitz im Präsidium, in dem sich Serben, Kroaten und bosnische Muslime die Macht teilen. Dodik gewann 55 Prozent der Stimmen.

Der Nationalist steht seit 2006 auch an der Spitze der serbischen Teilrepublik Srpska innerhalb Bosnien-Herzegowinas. Er hat das Land wiederholt als "gescheiterten Staat" bezeichnet und will über eine Abspaltung der Teilrepublik abstimmen lassen.

Sefik Dzaferovic, für Bosniens Muslime im Staatspräsidium

Sefik Dzaferovic, für Bosniens Muslime im Staatspräsidium

Foto: Amel Emric/ AP

Für die bosnischen Muslime wird Sefik Dzaferovic ins Präsidium einziehen, für die katholischen Kroaten gewann der Sozialdemokrat Zeljko Komsic. Das politische System in Bosnien-Herzegowina ist komplex, weil es auf Ausgleich zwischen den seit dem Bosnienkrieg verfeindeten Volksgruppen setzt.

Sozialdemokrat Željko Komšic

Sozialdemokrat Željko Komšic

Foto: STR/ AFP

Die Serben machen in dem Balkanstaat ein Drittel der Bevölkerung aus, muslimische Bosnier rund die Hälfte. Dazu kommen rund 15 Prozent katholische Kroaten. Im Staatspräsidium muss jeweils ein Vertreter aller drei Nationen vertreten sein.

Wirtschaftspolitik und Fragen der inneren Sicherheit werden in den weitgehend autonomen Teilgebieten entschieden. Viele der 3,5 Millionen Einwohner leiden unter einer hohen Arbeitslosigkeit, Korruption und Armut in dem Land.

mar/dpa
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