Bosnien Tausende trauern um Srebrenica-Opfer

Tausende Menschen haben in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo der Opfer des Völkermordes von Srebrenica gedacht. Sie gaben 775 Särgen das letzte Geleit. Die Opfer darin waren jüngst in Massengräbern gefunden und identifiziert worden. Sie sollen Sonntag am 15. Jahrestag des Massakers beigesetzt werden.

Überlebende des Massakers: Gedenkmarsch nach Srebrenica
AP

Überlebende des Massakers: Gedenkmarsch nach Srebrenica


Sarajevo - In Sarajewo säumten am Freitag Tausende Menschen die Straßen als der Trauerzug für die Ermordeten vorbeizog. Weinende Menschen warfen weiße und rote Rosen, während vier mit 775 Särgen beladene Lastwagen mit Ziel Srebrenica durch die Straßen fuhren. Die Lkw gehören zu einem Gedenkmarsch, der bereits am Donnerstag im rund hundert Kilometer von Sarajewo entfernten Ort Nezuk gestartet ist. Die Teilnehmer sollen am Sonntagmorgen in Srebrenica eintreffen, wo ein Gottesdienst geplant ist. Dort sollen auch die 775 Opfer beigesetzt werden, deren Leichen in Massengräbern gefunden und mit Hilfe von DNA-Tests identifiziert worden waren.

In der Gedenkstätte sind bisher 3749 identifizierte Opfer dieses Kriegsverbrechens beigesetzt worden. Endlose Reihen schlichter weißer Marmorstelen geben eine Vorstellung von der Ungeheuerlichkeit der Tat.

Bosnisch-serbische Truppen haben am 11. Juli 1995 in der von Muslimen bewohnten bosnischen Stadt Srebrenica rund 8000 Männer und Jungen ermordet. Ein kleines Kontingent niederländischer Blauhelme hatte den Angreifern unter General Ratko Mladic den zur Uno-Schutzzone erklärten Ort kampflos überlassen.

Die männlichen Muslime wurden abgeführt, die meisten erschossen und in Massengräbern verscharrt. Frauen und Kinder wurden deportiert. Der vor zwei Jahren in Belgrad verhaftete Radovan Karadzic ist als politischer Führer der bosnischen Serben im Uno- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt, einer der beiden Hauptverantwortlichen für die blutigste Gräueltat im Bosnien-Krieg zu sein. Der direkte Befehlshaber Mladic ist weiter flüchtig.

Im vergangenen Jahr beschloss das Europäische Parlament, den 11. Juli zum Europäischen Gedenktag für die Opfer des Massakers von Srebrenica zu erklären. Der Tag soll auch die westlichen Staaten mahnend daran erinnern, dass sie damals nicht intervenierten, um das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Zur Gedenkfeier werden mehr als 10.000 Menschen und führende Politiker aus allen Balkanländern und aus Europa erwartet.

ler/apn/dpa



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