Botschaft bei YouTube Attentatsopfer Giffords gibt Kongressposten auf

Aus unmittelbarer Nähe schoss ihr ein Attentäter in den Kopf, sie überlebte, kehrte sogar in die Politik zurück - doch nun reicht ihre Kraft nicht mehr aus. Per YouTube-Video hat die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords ihren Rücktritt angekündigt. Es soll jedoch kein Abschied für immer sein.

REUTERS/ Gabrielle Giffords Congressional Office

Washington - "Eine Nachricht von Gabby", so heißt die Videobotschaft, die die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords am Sonntag auf YouTube, ihrer Homepage und ihrer Facebook-Seite veröffentlichte. Zu sehen sind zunächst Landschaftsaufnahmen aus Arizona, ihrer Heimat: pinke Sonnenuntergänge, weite Straßen, unterlegt sind die Bilder mit Vogelgezwitscher und Grillengezirpe. Dann erscheint Giffords, 41, im Bild, ihre Haare trägt sie noch immer kurz, das Sprechen fällt ihr sichtlich schwer. Doch die demokratische Kongressabgeordnete braucht nur wenige Worte, um ihre Botschaft zu verkünden: Sie werde in der kommenden Woche ihr Amt niederlegen.

"Ich habe noch viel Arbeit mit meiner Genesung", sagt Giffords zur Begründung. Deshalb werde sie tun, was am besten für Arizona sei. Dennoch blicke sie optimistisch in die Zukunft: Jeden Tag gehe es ihr ein bisschen besser, ihr Lebenswille sei groß. "Ich werde zurückkommen und wir werden gemeinsam für Arizona und dieses großartige Land arbeiten."

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Gabrielle Giffords: "Das Beste für Arizona"

Auch auf den Tag, der ihr Leben schlagartig veränderte, kommt Giffords in der rund zweiminütigen Videobotschaft zu sprechen. Am 8. Januar 2011 hatte ihr ein Attentäter aus nächster Nähe eine Kugel in den Kopf geschossen, sechs Menschen starben bei der Schießerei in Tucson. "Ich erinnere mich nicht an viel von diesem schrecklichen Tag", sagt sie. "Aber ich werde niemals das Vertrauen vergessen, das ihr in mich gesetzt habt. Danke für eure Gebete."

Vorbild für Millionen

Aus Kongresskreisen hieß es, der Rücktritt werde vermutlich am Montag in Kraft treten. Giffords' Nachfolger solle in einer extra einberaumten Wahl gefunden werden. "Seit dem tragischen Vorfall vor einem Jahr war Gabby für Millionen Amerikaner ein inspirierendes Symbol der Bestimmtheit und der Courage", sagte die ehemalige Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Giffords werde im Repräsentantenhaus vermisst werden.

Auf Facebook wurde Giffords' Video binnen zwei Stunden 1478 Mal kommentiert, die meisten Nachrichten beinhalten Genesungswünsche. Via Twitter meldete sich unter anderem US-Präsident Barack Obama zu Wort: "Wir wünschen Giffords heute das Beste. 'Inspirierend' trifft es nicht einmal annähernd." Der bekannte britische Unternehmer Sir Richard Branson twitterte: "Wie traurig, dass sie zurücktritt, aber wie großartig, dass sie Fortschritte macht."

Giffords' Schicksal einte sogar die ansonsten so zerstrittenen Parteien in den USA - zumindest kurzzeitig. Als sie Anfang August, sieben Monate nach dem Attentat, in den Plenarsaal des Kongresses zurückkehrte, erhoben sich Demokraten und Republikaner in seltener Einheit und applaudierten. Mitte November gab Giffords dann ihr erstes TV-Interview - pünktlich zum Verkaufsstart des Buches "Gabby: Eine Geschichte von Mut und Hoffnung". Auf die Frage, wie es ihr gehe, sagte sie damals, sie fühle sich "ziemlich gut". Ihre Genesung sei allerdings "schwierig".

In den Monaten nach dem Attentat wurde Giffords in Houston und Arizona behandelt, sie musste das Laufen und Sprechen neu lernen. Der mutmaßliche Täter Jared L. ist wegen psychischer Störungen nicht verhandlungsfähig. Er wird derzeit in einem Gefängniskrankenhaus behandelt - die Staatsanwaltschaft hofft, dass dem 23-Jährigen so doch noch der Prozess gemacht werden kann. L. hatte sich für "nicht schuldig" bekannt.

aar/AP/Reuters/dpa

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Ulrich Vissering 22.01.2012
1. Prioritäten
Zitat von sysopAus unmittelbarer Nähe schoss ihr ein Attentäter in den Kopf, sie überlebte, kehrte sogar in die Politik zurück - doch nun reicht ihre Kraft nicht mehr aus. Per YouTube-Video hat die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords ihren Rücktritt angekündigt. Es soll jedoch kein Abschied für immer sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810685,00.html
Dass sich nach dieser schweren Verletzung die Prioritäten im Leben von Giffords verschieben liegt eigentlich auf der Hand. Gott sei Dank haben in diesem Fall Vernunft und Genesung den Ausschlag gegeben und nicht politische Erwägungen. Giffords und Kelly kann man nur alles Gute für die Zukunft wünschen.
herberrrrt 23.01.2012
2. Gifford
So tragisch dieser Amoklauf auch war: Gifford trat immer für liberale Waffengesetze ein und besitzt auch selbst eine Schusswaffe. Von daher kann ich das Mitleid nicht so ganz nachvollziehen. Und da tuts auch nichts zur Sache, wenn der Attentäter wohl geistig verwirrt bzw. von der Teaparty-Fraktion aufgestachelt war (was letztlich dasselbe ist) - in einer Gesellschaft mit liberalen Waffengesetzen sinkt eindeutig die Hemmschwelle zur Benutzung von Schusswaffen wenn einem irgendwas nicht passt. Die Statistiken zeigen das eindeutig. Siehe auch: USA: Gabrielle Giffords - demokratische Waffenanhängerin - Nachrichten Politik - Ausland - WELT ONLINE (http://www.welt.de/politik/ausland/article12059598/Gabrielle-Giffords-demokratische-Waffenanhaengerin.html)
hokie 23.01.2012
3.
Zitat von herberrrrtSo tragisch dieser Amoklauf auch war: Gifford trat immer für liberale Waffengesetze ein und besitzt auch selbst eine Schusswaffe. Von daher kann ich das Mitleid nicht so ganz nachvollziehen. Und da tuts auch nichts zur Sache, wenn der Attentäter wohl geistig verwirrt bzw. von der Teaparty-Fraktion aufgestachelt war (was letztlich dasselbe ist) - in einer Gesellschaft mit liberalen Waffengesetzen sinkt eindeutig die Hemmschwelle zur Benutzung von Schusswaffen wenn einem irgendwas nicht passt. Die Statistiken zeigen das eindeutig. Siehe auch: USA: Gabrielle Giffords - demokratische Waffenanhängerin - Nachrichten Politik - Ausland - WELT ONLINE (http://www.welt.de/politik/ausland/article12059598/Gabrielle-Giffords-demokratische-Waffenanhaengerin.html)
Frankreich hat nach meiner Ansicht keine wirklich liberalen Waffengesetze und trotzdem verkommt die franz Adriakueste gerade zu einem neuen wilden Westen! Auch die Waffengesetze in Dtl sind alles andere als Freizuegig und trotz allem gab es im vergangenen Jahrzehnt mehr als nur einen tragischen Amoklauf! Wenn Sie mit liberal, das Eintreten fuer die beibehaltung eines Status quo meinen... wenn Sie wuessten wie die Wuensche derer die tatsaechlich das US (federal!) Waffengesetz liberalisieren wollen aussehen ; dann wuerden Sie gewiss nicht 'Gabi Giffords' und 'Liberale Waffengesetze' in einem Satz verwenden! btw Ich habe nicht mitbekommen das Frau Giffords irgendwo um (ihr) Mitleid oder aehnlichem gebeten hat, SPON ist hier wiedermal ein wenig ueber das Ziel hinaus geschossen! In Deutschland hat auch niemand nach einer Kontrolle von allen Mercedes Automobil Kaeufern geschrieen als ein "Testfahrer" damals ruecksichtslos eine Mutter mit Kind von der Strasse in den Tod gedraengelt hat ... (es gab mehr als nur einen dieser Vorfaelle!) so aehnlich sieht die Situation halt auch in AZ aus! Waffen und Waffenbesitz sind ein Teil der dortigen, fuer das europaeische Auge ein Teil, der US- Kultur gemein hin; wem dieses Umfeld nicht passt muss diesen Teil der Erde nicht besuchen oder kann sich ohne weiteres einen anderen Lebensmittelpunkt auf eben dieser suchen ...
Mel.M 23.01.2012
4. Statistik?
Zitat von herberrrrtSo tragisch dieser Amoklauf auch war: Gifford trat immer für liberale Waffengesetze ein und besitzt auch selbst eine Schusswaffe. Von daher kann ich das Mitleid nicht so ganz nachvollziehen. Und da tuts auch nichts zur Sache, wenn der Attentäter wohl geistig verwirrt bzw. von der Teaparty-Fraktion aufgestachelt war (was letztlich dasselbe ist) - in einer Gesellschaft mit liberalen Waffengesetzen sinkt eindeutig die Hemmschwelle zur Benutzung von Schusswaffen wenn einem irgendwas nicht passt. Die Statistiken zeigen das eindeutig. Siehe auch: USA: Gabrielle Giffords - demokratische Waffenanhängerin - Nachrichten Politik - Ausland - WELT ONLINE (http://www.welt.de/politik/ausland/article12059598/Gabrielle-Giffords-demokratische-Waffenanhaengerin.html)
Die Statistiken würde ich gerne sehen. Schon beim Vergleich zwischen den USA und Kanada zeigt sich eigentlich, dass es diesen Zusammenhang nicht gibt.
karloo 23.01.2012
5.
Zitat von hokieFrankreich hat nach meiner Ansicht keine wirklich liberalen Waffengesetze und trotzdem verkommt die franz Adriakueste gerade zu einem neuen wilden Westen! Auch die Waffengesetze in Dtl sind alles andere als Freizuegig und trotz allem gab es im vergangenen Jahrzehnt mehr als nur einen tragischen Amoklauf! Wenn Sie mit liberal, das Eintreten fuer die beibehaltung eines Status quo meinen... wenn Sie wuessten wie die Wuensche derer die tatsaechlich das US (federal!) Waffengesetz liberalisieren wollen aussehen ; dann wuerden Sie gewiss nicht 'Gabi Giffords' und 'Liberale Waffengesetze' in einem Satz verwenden! btw Ich habe nicht mitbekommen das Frau Giffords irgendwo um (ihr) Mitleid oder aehnlichem gebeten hat, SPON ist hier wiedermal ein wenig ueber das Ziel hinaus geschossen! In Deutschland hat auch niemand nach einer Kontrolle von allen Mercedes Automobil Kaeufern geschrieen als ein "Testfahrer" damals ruecksichtslos eine Mutter mit Kind von der Strasse in den Tod gedraengelt hat ... (es gab mehr als nur einen dieser Vorfaelle!) so aehnlich sieht die Situation halt auch in AZ aus! Waffen und Waffenbesitz sind ein Teil der dortigen, fuer das europaeische Auge ein Teil, der US- Kultur gemein hin; wem dieses Umfeld nicht passt muss diesen Teil der Erde nicht besuchen oder kann sich ohne weiteres einen anderen Lebensmittelpunkt auf eben dieser suchen ...
Dann vergleichen Sie einfach mal die Morde die in den USA, Frankreich und Deutschland mit Schusswaffen verübt wurden. List of countries by firearm-related death rate - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_firearm-related_death_rate) In der Statistik werden Sie erkennen was der gesunde Menschenverstand schon sagt - mehr privater Waffenbesitz führt auch zum vermehrten Einsatz dieser. Was soll das bitte für ein Vergleich sein? Wozu werden Autos gebaut und hauptsächlich benutzt und wozu Waffen? Ach ist das so? Warum sind dann viel US-Amerikaner für eine Verschärfung des Waffenrechts? Soll die Ihrer Meinung nach auch ihr Land verlassen??
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