Fotostrecke

Terrorwarnung: Barrieren vor Botschaften

Foto: MOHAMMED HUWAIS/ AFP

Angst vor Qaida-Angriffen US-Politiker rechtfertigen Terrorwarnungen

Amerika verstärkt seine Sicherheitsmaßnahmen, will viele Botschaften noch tagelang geschlossen halten - Hintergrund sind womöglich geplante Qaida-Attacken. Sollen die Terrorwarnungen auch von der NSA-Affäre ablenken? US-Politiker beteuern: Die Gefahr sei so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

Washington/Berlin - Die USA haben ihre aus Sorge vor Anschlägen verfügten Botschaftsschließungen verlängert und ausgeweitet. Einige der betroffenen Botschaften würden bis zum kommenden Samstag geschlossen bleiben, zudem sollten zusätzliche Vertretungen schließen, teilte das Außenministerium am Sonntag in Washington mit.

Die USA machten am Sonntag 22 Einrichtungen in 17 Staaten von Mauretanien in Nordwestafrika bis ins südasiatische Bangladesch dicht. Deutschland, Großbritannien und Frankreich schlossen ihre Botschaften im Jemen vorübergehend. Dort sahen Sicherheitskreise offensichtlich eine besonders bedrohliche Lage. Kanada entschied sich kurzfristig, seine Vertretung in Bangladesch am Sonntag nicht zu öffnen.

US-Nachrichtendienste hatten nach eigenen Angaben geheime Kommunikationen zwischen führenden Mitgliedern des Terrornetzwerkes al-Qaida abgefangen. Darin sei es um Terroranschläge auf amerikanische Einrichtungen gegangen.

"Schwerste Bedrohungslage seit Jahren"

Mehrere Kongressmitglieder sprachen am Sonntag in Fernseh-Talkshows von der schwersten Bedrohungslage seit Jahren. Saxby Chambliss, republikanischer Vizevorsitzender im Geheimdienstausschuss, sagte am Sonntag in der NBC-Sendung "Meet the Press", Gespräche abgehörter Qaida-Mitglieder weckten bei ihm Erinnerungen an die Planungen im Vorfeld der Anschläge vom 11. September 2001. "Das ist die schwerwiegendste Bedrohung seit Jahren", sagte Chambliss.

Dutch Ruppersberger, der führende Demokrat im Geheimdienstausschuss, sagte in einer ABC-Talkshow, die Anschlagspläne würden vom Qaida-Ableger auf der Arabischen Halbinsel ausgehen. Das Augenmerk galt zunehmend dem Jemen. Die dortige Regierung sei in höchster Alarmbereitschaft, zitierte CNN einen Regierungsbeamten. Demnach waren am Sonntag zwölf Panzer etwa 500 Meter von der US-Botschaft in Sanaa entfernt positioniert.

Einzelne US-Militäreinheiten im Nahen Osten wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Verteidigungsminister Chuck Hagel habe mit seinen Experten erörtert, welche Einheiten im Falle eines Terrorangriffs auf US-Einrichtungen eingesetzt werden könnten, hieß es bei CNN. Die US-Marine habe Amphibienboote im Roten Meer näher an den Jemen heranbeordert.

Abgeordnete loben die Arbeit der NSA

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine der Hauptaufgaben des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der "New York Times" zufolge deuteten Analysten und Kongressmitarbeiter an, eine Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein guter Weg, von der Kritik an den NSA-Programmen abzulenken.

Es könne darüber hinaus deutlich gemacht werden, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten. Der prominente republikanische Senator Lindsey Graham sagte am Sonntag dem Sender CNN, die jüngste Entwicklung zeige, wie wichtig es sei, die Spionageprogramme fortzusetzen.

Adam Schiff, Abgeordneter der Demokraten und Mitglied des Geheimdienstausschusses, sagte hingegen, es gebe keine Beweise, dass die jüngste Warnung mit Hilfe der enormen Datensammlung der NSA bekannt geworden seien.

Andere Abgeordnete wie Ruppersberger lobten die Arbeit der NSA. Ihre Aufgabe sei es, Informationen zu sammeln, "um uns zu beschützen".

Ursachen für Terrorgefahr unterschiedlich bewertet

Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Der britische Sicherheitsexperte Peter Bergen sagte der BBC, al-Qaida habe in der Vergangenheit Interesse daran gezeigt, am 27. Tag des islamischen Fastenmonats Ramadan Anschläge zu verüben. Der 27. Tag war Sonntag, der 4. August.

Der Abgeordnete Schiff sagte hingegen, die Sicherheitsmaßnahmen beträfen deshalb so viele Botschaften, da die Behörden besorgt seien, dass sich die Ereignisse ein Jahr nach den Botschaftsstürmungen wiederholen könnten. Vor einem Jahr waren radikale Islamisten auf US-Botschaften in mehreren Staaten losgegangen. Bei einem Terrorangriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi wurden dann am 11. September 2012 US-Botschafter Christopher Stevens und drei Mitarbeiter getötet.

Das Auswärtige Amt in Berlin veränderte seine Sicherheitshinweise für deutsche Staatsbürger zunächst nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Botschaften würden permanent der aktuellen Sicherheitslage angepasst, sagte ein Sprecher. Die deutsche Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wird auch am Montag geschlossen bleiben, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

sun/dpa/AP