Exhumierung in Brasilien Abgeordneter soll eigenen Tod vorgetäuscht haben

Ein brasilianischer Abgeordneter ist 2010 in einen Korruptionsskandal verwickelt - dann stirbt er plötzlich. Nun kommt der Verdacht auf, er könnte seinen Tod fingiert haben. Seine Leiche soll exhumiert werden.


Es ist das Jahr 2010. Der brasilianische Abgeordnete José Janene sieht sich mit massiven Korruptionsvorwürfen konfrontiert - es ist nicht das erste Mal. Bereits im Jahr 2006 war Janene im Zusammenhang mit einem Stimmenkauf-Skandal im brasilianischen Kongress angeklagt worden. Laut der brasilianischen Nachrichtenseite "Globo" wurde er 2006 freigesprochen und in den Ruhestand geschickt. Der Grund: Janene soll starke Herzprobleme gehabt haben. 2009 kommen neue Vorwürfe gegen ihn auf, diesmal geht es um Geldwäsche. Der Druck auf Janene wächst - bis er 2010 plötzlich verstirbt.

Doch nun, im Jahr 2015, kommen Zweifel an dem Tod des Abgeordneten auf. Eine Kommission des brasilianischen Kongresses will im Zuge von Korruptionsermittlungen die Leiche des Abgeordneten exhumieren lassen. Möglicherweise hat Janene seinen Tod fingiert. Kommissionschef Hugo Motta sagte am Mittwoch in Brasília, er habe entsprechende Hinweise von der Witwe erhalten. Sie hege den Verdacht, dass sich ihr Mann durch den vorgetäuschten Tod 2010 nur einer Verurteilung wegen Korruption habe entziehen wollen.

"Er starb angeblich durch einen Herzinfarkt. Aber niemand hat ihn tot gesehen. Das ist eine sehr seltene Sache. Der Sarg kam damals verschlossen", sagte Motta.

Janene gehörte der Fortschrittspartei (PP) an. Kürzlich tauchte sein Name wieder auf - diesmal im Zusammenhang mit dem jüngsten Milliarden-Korruptionsskandal um den staatlich kontrollierten Öl-Konzern Petrobras. DNA-Proben von den sterblichen Überresten sollen nun Sicherheit bringen, ob der Ex-Abgeordnete wirklich gestorben ist, oder ob er lebt und auch in den neuesten Skandal verwickelt ist.

amt/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.