Wahl in Brasilien Proteste gegen rechten Kandidaten Bolsonaro

Nach einem Messerangriff wurde der Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro aus dem Krankenhaus entlassen. In Río de Janeiro demonstrieren derweil Tausende gegen den chancenreichen Rechtsextremen.

Proteste in Rio de Janeiro, Brasilien
AP

Proteste in Rio de Janeiro, Brasilien


Der bei einem Messerangriff verletzte brasilianische Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro hat das Krankenhaus verlassen. Der rechtsextreme Ex-Militär wollte nach einem Bericht der Tageszeitung "O Globo" am Samstag nach Río de Janeiro fliegen, wo er wohnt.

Nach seiner Entlassung war zunächst noch unklar, ob der 63-Jährige in der letzten Woche vor den Präsidentschaftswahlen in dem südamerikanischen Land öffentliche Auftritte wahrnehmen wird. Der Politiker war Anfang September während einer Wahlkampfveranstaltung in Südbrasilien auf offener Straße angegriffen worden.

"Der nicht"

Währenddessen gingen in mehrere brasilianischen Städten Tausende Menschen auf die Straßen, um gegen Bolsonaro zu demonstrieren. Unter dem Titel "Ele não" (auf Deutsch: "Der nicht") hatten vor allem Frauenverbände zu Protesten gegen den Ex-Militär aufgerufen. Auch in den sozialen Netzwerken machten die Verbände gegen Bolsonaros rassistischen und frauenverachtenden Aussagen mobil.

In der Wirtschaftsmetropole São Paulo wurden für Samstagnachmittag (Ortszeit) mehrere Tausend Demonstranten erwartet. In der Hauptstadt Brasilia mischten sich die Proteste mit einer Kundgebung des Präsidentschaftskandidaten der brasilianische Arbeiterpartei (PT), Fernando Haddad. Er trat an die Stelle von Ex-Präsident Inácio Lula da Silva, der wegen Korruption zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden war und deshalb nicht kandidieren darf.

"Trump Brasiliens"

Die Präsidentenwahl in Brasilien ist am 7. Oktober. Als Ex-Bürgermeister der Millionenstadt São Paulo lag Haddad in Umfragen bislang weit hinter dem rechtsextremen Kandidaten Bolsonaro. (Lesen Sie hier eine Analyse der aktuellen Entwicklungen.)

Der "Trump Brasiliens" mischt zwar schon lange im Politikbetrieb mit, präsentiert sich neuerdings aber als Anti-System-Kandidat. Erreicht keiner der Kandidaten in der ersten Wahlrunde die absolute Mehrheit, gibt es am 28. Oktober eine Stichwahl. Beobachter gehen davon aus, dass Bolsonaro aus dieser nicht erfolgreich hervorgehen wird - egal, gegen wen er antritt.

Bolsonaro ist dafür bekannt, dass er gegen Homosexuelle und Schwarze hetzt und die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht. Immer wieder schockiert er mit verbalen Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, "weil sie sehr hässlich ist". Ein anderes Mal sagte er, die Anhänger von Lulas linker Arbeiterpartei sollten erschossen werden.

tin/dpa

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