Brasilien Zehntausende demonstrieren gegen Bolsonaros Bildungspolitik

Jair Bolsonaro will die Bildungsausgaben um 30 Prozent kürzen. Die Pläne haben in Brasilien massive Proteste ausgelöst. Ihren Präsidenten nennen die Demonstranten einen "Feind der Bildung".

Proteste gegen die brasilianische Bildungspolitik in Rio de Janeiro
FABIO MOTTA/EPA-EFE/REX

Proteste gegen die brasilianische Bildungspolitik in Rio de Janeiro


In Brasilien sind erneut Zehntausende Menschen wegen massiver Kürzungen bei den Bildungsausgaben auf die Straße gegangen. Die Proteste gegen den Kurs des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro begannen in der Hauptstadt Brasília und wurden in mehr als hundert weiteren Städten fortgesetzt. Das berichten brasilianische Medien übereinstimmend.

Mancherorts besetzten Demonstranten ganze Stadtviertel. In Rio de Janeiro wurde Bolsonaro als "Feind der Bildung" angeprangert. Es waren die zweiten landesweiten Proteste gegen die Kürzungen der Regierung seit dem 15. Mai. Die Regierung hatte zuvor angekündigt, die Ausgaben für die staatlichen Universitäten um 30 Prozent zu kürzen.

Bolsonaro bezeichnete die Demonstranten damals als "nützliche Idioten", die von einer "Expertenminderheit" an den staatlichen Universitäten "manipuliert" würden.

bam/AFP



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
interessierter10 31.05.2019
1. Das sollte aber niemanden wundern.
Das erste, was Rechte auf ihrem Weg zur Diktatur anstreben, ist die Abschaffung der Pressefreiheit und die Beseitigung bzw. Eindämmung des Intellektuellen.
icke_floripa 31.05.2019
2. Brasilien ist keine Diktatur
Erst einmal zu den angeblichen 30% Kürzungen im Bildungetat. Das ist so nicht korrekt. Es sind 30% der "nicht verpflichteten Kosten". Dies sind i.d.R. 20%. Von diesen 20% sind es 30%. Die restlichen 80% sind Gehälter etc. Daran wird nicht gerüttelt. Die Regierung gibt einen durchschnittlich zu kürzenden Wert von 3,5% des Gesamtwertes an, allerdings sind sie dabei diesen zu überdenken wegen der Proteste. Das Problem ist der Staatshaushalt von 2019 der von der vorherigen Regierung beschlossen wurde. Die aktuelle Regierung hat stark damit zu kämpfen diesen bindenden einzuhalten, was wohl schwierig ist aus diversen Gründen. Die Kürzungen betreffen viele Bereich, so wird bei der Verteidigung 43% dieses Jahr eingespart. Das Problem in Brasilien sind die extrem hohen Staatsausgaben. Trotz hoher Einmahnen fehlt es an allen Ecken und Enden. Dabei ist das aktuelle Rentensystem der größte Faktor. Die aktuelle Regierung versucht, wie auch die vorherige Interimsregierung, das veraltete Rentensystem zu reformieren. Nach dem alten System kann man mit 25 Arbeitsjahren voll Rente beziehen. Das ist ein großes Problem, da viele, vor allem Staatsangestellte, deutlich mehr als der durchschnitt verdienen. So gehen in höheren Positionen Staatsangestellte mit R$25.000 oder weit mehr in Rente. Das durchschnittliche Gehalt in Brasilien liegt aber weit 3000. Ich kann bis jetzt keine Tendenz zu eine Diktatur in Brasilien erkennen. Ich mag Bolsonaro auch nicht und finde viele seiner Aktionen falsch und irritierend. Aber trotz seiner Dekrete kann er nicht walten und schalten wie er will. Einige seiner Dekrete wurden blockiert oder mussten geändert werden. Gegen Teile seiner Familie wird ermittelt, und jeder, inklusive die Medien, sehen da genau hin. Brasilien ist immer noch ein demokratischer, parlamentarischer Staat mit juristischer Unabhängigkeit. Sieht auch nicht so aus als würde sich da was ändern.
4711_please 31.05.2019
3. So ähnlich machte es die Union auch...
... bei der Reform des Urheberrechts... und fordert jetzt Respekt für ihre Meinungen, die zum Teil eher eine Trolloffensive ist, weiteres Beispiel Mindestlohn... der Oberreformer Axel Voss wurde für seine Bolsonaro-Leistung sogar als EU-Parlamentarier gelobt... Und was lese ich im HANDELSBLATT? Bolsonaro hätte eine ganz tolle Wirtschaftskompetenz... neoliberaler Trollism...
Atheist_Crusader 31.05.2019
4.
Natürlich ist er ein Feind der Bildung. Gebildete Leute wählen selten populistisch, weil sie weniger auf Angstmacherei, Nationalismus und schlechte Argumente hereinfallen. Je dümmer Jemand ist, je schwerer es ihm fällt seinen Unmut in Worte zu fassen, desto besser für die Herrschenden. Das Problem ist natürlich: Wenn man nicht gerade auf lächerlich großen Rohstoffreserven sitzt die man nur ausbeuten muss, dann ist eine ungebildete Bevölkerung auch sehr viel weniger produktiv. Oh, und der ganze andere Kram von wegen Bildung als Selbstzwecke, aufgeklärter Gesellschaft, et cetera. Aber der interessiert Menschen wie Bolsonaro ja bekanntlich eher wenig.
icke_floripa 31.05.2019
5.
Zitat von 4711_please... bei der Reform des Urheberrechts... und fordert jetzt Respekt für ihre Meinungen, die zum Teil eher eine Trolloffensive ist, weiteres Beispiel Mindestlohn... der Oberreformer Axel Voss wurde für seine Bolsonaro-Leistung sogar als EU-Parlamentarier gelobt... Und was lese ich im HANDELSBLATT? Bolsonaro hätte eine ganz tolle Wirtschaftskompetenz... neoliberaler Trollism...
Ich hoffe Sie meine mich nicht als Troll. Wenn ja wäre es sehr bedauerlich. Weil, ich bin definitiv keiner. Lebe seit vielen Jahre Brasilien und kann mir ein gutes Bild von hier machen. Daher nehme ich mir auch die Freiheit, ebenso wie jeder andere, Berichte hier zu kommentieren und meinen Standpunkt zu erläutern. Zumal ich finde, dass der Spiegel sehr spärlich über die Situation in Brasilien berichtet bzw. berichtete. Mir fehlen sehr oft die Hintergründe oder auch andere wichtige Themen. Ein riesiges Thema, eigentlich das größte, im Moment ist die Rentenreform. Zu Themen wie diesen liest man eher nichts. Die Beiträge sind sehr kurz und selten, und wenn es mal Kommentarbeiträge vom Spiegel gibt sind diese eher tendenziell, da nur auf einen Kommentator in Brasilien gesetzt wird, welcher seine Sympathien in eine Richtung vielfach dargestellt hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.