Nach Verhaftung wegen Korruptionsvorwürfen Richter ordnet Freilassung von Brasiliens Ex-Präsident Temer an

Michel Temer ist wieder frei. Der frühere brasilianische Staatschef war kürzlich wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet worden. Das sei juristisch aber nicht zu rechtfertigen, entschied nun ein Richter.

President Michel Temer (3. von links) auf dem Polizeirevier von Rio de Janeiro (Archivbild)
REUTERS

President Michel Temer (3. von links) auf dem Polizeirevier von Rio de Janeiro (Archivbild)


In Brasilien hat ein Richter die Freilassung des früheren Staatschefs Michel Temer angeordnet. Es gebe keine juristische Rechtfertigung für die vor einigen Tagen erfolgte Festnahme des 78-Jährigen, urteilte der Jurist Antonio Ivan Athié am Montag.

Damit griff der Richter einer eigentlich für Mittwoch angesetzten Verhandlung voraus. "Bei der Untersuchung des Falls habe ich festgestellt, dass es nicht gerechtfertigt ist, noch zwei Tage zu warten", sagte Athié laut dem Nachrichtenportal G1.

Gegen Temer, der von 2016 bis 2018 Präsident war, wird im Rahmen des größten Korruptionsskandals Lateinamerikas, "Lava Jato" (Autowäscherei), ermittelt. Unter anderem soll er bei der Vergabe eines Energieprojekts die Zahlung von Schmiergeldern an den damaligen Energieminister Moreira Franco eingefädelt haben.

Franco war am vergangenen Donnerstag ebenfalls festgenommen worden. Der Richter ordnete auch dessen Freilassung an.

Im Zuge der "Lava Jato"-Ermittlungen um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras wird in Brasilien gegen Dutzende Politiker, Funktionäre und Unternehmer ermittelt. Gegen den konservativen Politiker Temer, der Ende 2018 nach zweieinhalb Jahren an der Spitze Brasiliens sein Amt abgegeben hatte, waren schon während seiner Amtszeit Korruptionsvorwürfe laut geworden.

Der linksgerichtete Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva war 2017 wegen seiner Rolle in dem Korruptionsskandal zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden und im folgenden Jahr nach Ausschöpfung der Rechtsmittel ins Gefängnis gekommen. Deswegen zog er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Oktober 2018 schließlich zurück. Als Wahlsieger ging der rechtsradikale Politiker Jair Bolsonaro hervor.

sun/dpa/AFP



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