Massenproteste in Brasilien Hunderttausende demonstrieren gegen Präsidentin Rousseff

"Dilma raus": Rund eine Million Menschen sind gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff auf die Straße gegangen. Das Land steckt in einer tiefen Krise, hinzu kommt ein gigantischer Korruptionsskandal.
Ex-Präsident Lula und Präsidentin Dilma Rousseff abgebildet in Häftlingskleidung

Ex-Präsident Lula und Präsidentin Dilma Rousseff abgebildet in Häftlingskleidung

Foto: Georg Ismar/ dpa

Hunderttausende Menschen haben in Brasilien für eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. "Dilma raus", riefen die Regierungsgegner, die sich am Sonntag in der Hauptstadt Brasília und in Dutzenden anderen Städten des Landes versammelten. Die Proteste sind wegen einer gigantischen Korruptionsaffäre und dem wirtschaftlichen Abschwung des Landes entbrannt.

Allein in Brasília versammelten sich nach Polizeiangaben 100.000 Demonstranten vor dem Abgeordnetenhaus. Der Protestzug wurde von einem massiven Sicherheitsaufgebot begleitet.

Die höchste Teilnehmerzahl, etwa eine Million, wurde in Brasiliens größter Stadt São Paulo, einer Hochburg der Opposition, erwartet. Hier strömten auf einer der Hauptstraßen riesige Menschenmengen zusammen. Die Stimmung war friedlich. Vorab hatte Rousseff vor gewaltsamen Auseinandersetzungen bei den landesweiten Protesten gewarnt.

Menschenmassen an der Copacabana in Rio de Janeiro

Menschenmassen an der Copacabana in Rio de Janeiro

Foto: Georg Ismar/ dpa

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen Rousseff beteiligten sich die Oppositionsparteien aktiv an den Demonstrationen. Die rechte Opposition hofft, durch die Massenproteste den Druck auf die Abgeordneten zu erhöhen, damit diese für eine Amtsenthebung der Präsidentin stimmen. Rousseffs Mandat läuft regulär bis Ende 2018.

Die Zustimmungswerte der linksgerichteten Staatschefin liegen mittlerweile nur noch bei knapp zehn Prozent, für ihre Amtsenthebung sind laut Umfragen rund 60 Prozent der Brasilianer. Sie wird unter anderem für die schlimmste Rezession in Brasilien seit Jahrzehnten verantwortlich gemacht.

Den für die Ermittlungen zuständigen Richter Sérgio Moro feierten viele Demonstranten. Allein gegen 57 Politiker wird mittlerweile ermittelt. Dabei geht es um Schmiergeldzahlungen an Politiker bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras.

Der Skandal hat das Vertrauen in die seit 2003 regierende linke Arbeiterpartei schwer erschüttert. Die Opposition wirft Rousseff vor, von dem Korruptionsnetz gewusst zu haben. Die jüngsten Korruptionsermittlungen gegen ihren Vorgänger und Parteifreund Luiz Inácio Lula da Silva bringen Rousseff weiter in Bedrängnis.

sun/dpa/AFP
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