Brasilien Präsident Bolsonaro lockert das Waffenrecht

"Wir sind an die Grenze gegangen": Brasiliens Präsident Bolsonaro löst ein Wahlversprechen ein. Privatleute dürfen jetzt bis zu 5000 Schuss Munition im Jahr kaufen, statt wie bisher 50. Zehntausende Brasilianer sterben jährlich durch Gewalt.

Militäreinsatz in der Armensiedlung Rocinha in Rio de Janeiro im Januar 2018
Leo Correa/DPA

Militäreinsatz in der Armensiedlung Rocinha in Rio de Janeiro im Januar 2018


Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat die Waffengesetze seines Landes gelockert.

Per Dekret ist es Sportschützen, Jägern und Sammlern künftig erlaubt, mit ihren Waffen zu reisen. Zudem dürfen Brasilianer mit Waffenlizenz künftig bis zu 5000 Stück Munition pro Jahr kaufen. Bislang war die Menge auf 50 Schuss begrenzt.

Zudem solle der Import und Verkauf von Waffen und Munition "entbürokratisiert" werden. "Das Dekret ist kein Projekt der öffentlichen Sicherheit, es ist unseres Erachtens nach sogar noch wichtiger als das. Es gibt den Menschen ein individuelles Recht, Waffen zu tragen, wenn sie einige Anforderungen erfüllen", sagte der frühere Fallschirmjäger Bolsonaro.

64.000 gewaltsame Tode in 2017

Brasilien leidet unter extremer Gewalt und einer der höchsten Mordraten weltweit. Im Jahr 2017 waren 64.000 Tötungen verzeichnet worden. Das entspricht 31 Tötungen auf 100.000 Bewohner. Diese Mordrate war seit 2010 um 50 Prozent gestiegen. Schon ab zehn Toten auf 100.000 Einwohnern spricht die Uno in einem Land von "endemischer Gewalt".

"Ich habe immer gesagt, dass öffentliche Sicherheit zu Hause beginnt", sagte Bolsonaro bei einer Zusammenkunft mit Kongressabgeordneten und Waffenlobbyisten in der Hauptstadt Brasília. "Wir sind an die Grenzen des Gesetzes gegangen, aber wir sind nicht über das Gesetz hinausgegangen."

Bolsonaro verfügte außerdem, dass die Vorschriften für Sicherheitskräfte Brasiliens gelockert wurden. Bisher gültige Begrenzungen für die "Zahl und Qualität" der von den Behörden beschafften Waffen wurden kassiert.

cht/dpa/AFP



insgesamt 21 Beiträge
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schwerpunkt 08.05.2019
1.
Auch eine Möglichkeit das Bevölkerungswachstum zu begrenzen. Das müsste doch einigen Foristen, welche in Beiträgen zu diversen Artikeln (vornehmlich bezüglich Klimawandel) teilweise radikale Methoden zu Begrenzung des weltweiten Bevölkerungswachstums empfehlen, entgegen kommen und solche Maßnahmen grundsätzlich befürworten.
spon-1287218867247 08.05.2019
2.
Eigentlich auch erstaunlich für einen "rechten" Hardliner, der ja eher den starken Staat verkörpert. Mit sowas gesteht man sich ja ein, dass der Staat die eigenen Bürger nicht schützen kann.
stolte-privat 08.05.2019
3.
In einem Land, in dem der Staat den Schutz der Bürger vor Kriminalität nicht mehr gewährleisten kann, ist solch ein Gesetz die beste Lösung. Kriminelle kümmern sich eh nicht darum, ob sie Waffen und Munition erwerben DÜRFEN oder nicht. Die Einsicht, das Sicherheit in den eigenen vier Wänden beginnt würde ich mir für Europa auch wünschen.
St.Baphomet 08.05.2019
4. 5000 Schuss?
Da kommt unter den potentiellen Amokläufern in Bolsonaros Anhängerschaft garantiert Freude auf. Anstatt Gangs und Gangster zu entwaffnen rüstet Bolsonaro die Bürger auf. So etwas nenne ich "Kapitulation" des Staates.
Ein Spielverderber 08.05.2019
5.
Zitat von stolte-privatIn einem Land, in dem der Staat den Schutz der Bürger vor Kriminalität nicht mehr gewährleisten kann, ist solch ein Gesetz die beste Lösung. Kriminelle kümmern sich eh nicht darum, ob sie Waffen und Munition erwerben DÜRFEN oder nicht. Die Einsicht, das Sicherheit in den eigenen vier Wänden beginnt würde ich mir für Europa auch wünschen.
Wenn man das weiter denkt, werden jetzt auch Kriminelle aufrüsten, da sie ja sonst ihr Business nicht mehr weiter machen können. Das führt eher zu einer Eskalation und noch mehr Toten, da jetzt auch z.B. Einbrecher eine Schußwaffe dabei haben werden. Also eher weniger Sicherheit. Abgesehen davon, daß 50 Schuß eh reichen sollten, um seine eigenen vier Wände zu beschützen.
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