Waldbrände in Brasilien Bolsonaros Sohn will sich nicht für Hilfsleistungen "prostituieren"

Wegen der umstrittenen Umweltpolitik von Staatsoberhaupt Jair Bolsonaro hat Norwegen die Hilfszahlungen an Brasilien gestoppt. Präsidentensohn Eduardo macht nun klar: Sein Land sei nicht davon abhängig.

Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro: "Wir werden nicht heulen und alles tun, um dieses Geld zu bekommen."
Adriano Machado/REUTERS

Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro: "Wir werden nicht heulen und alles tun, um dieses Geld zu bekommen."


Im Streit über die verheerenden Waldbrände in Brasilien und den Amazonasfonds für Hilfszahlungen hat der brasilianische Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro nachgelegt. "Werden wir den Amazonasfonds annehmen und uns dafür weiter prostituieren? Hier ist Brasilien, hier haben wir das Sagen", sagte der Parlamentsabgeordnete. "Wenn sie weiter einzahlen wollen, sollen sie das tun. Wenn nicht, herzlichen Dank. Wir werden nicht heulen und alles tun, um dieses Geld zu bekommen."

Der Fonds wird vor allem von Norwegen und zu einem kleineren Teil auch von Deutschland getragen. Er finanziert Projekte für Umweltschutz, Wiederaufforstung und nachhaltige Entwicklung im Amazonasgebiet. Wegen der umstrittenen Umweltpolitik von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte Norwegen seine Zahlungen zuletzt gestoppt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kündigte an, Fördermittel ihres Hauses auf Eis zu legen. Die deutsche Beteiligung am Amazonasfonds über das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) ist davon bislang nicht betroffen.

Bolsonaro hatte zuletzt auch die Annahme eines Hilfsangebots der G7-Staaten von Bedingungen abhängig gemacht. Der Staatschef wirft den reichen Industrieländern vor, die Souveränität seines Landes zu missachten und ein Auge auf die Bodenschätze der Region geworfen zu haben. Auch sein Sohn Eduardo vermutet unlautere Motive: "Amazonien, diese schöne Frau, trifft einen Typen. Er geht zu ihr, blinzelt ihr zu, will ihr einen Drink kaufen. Ich glaube nicht, dass dieser Drink ganz kostenlos ist, oder?"

Bolsonaro verbietet Brandrodungen auf Zeit

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro ist angesichts der Waldbrände international unter zunehmenden Druck geraten. Kritiker werfen ihm vor, nicht energisch genug gegen die Katastrophe vorzugehen. Der Präsident steht der Agrarlobby nahe und zweifelt den menschgemachten Klimawandel an. Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass die Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben.

Zuletzt hatte der Rechtspopulist auf die Brände in seinem Land reagiert: Medienberichten zufolge hat er Brandrodungen für die Dauer von zwei Monaten verboten.

mfh/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.