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29. Oktober 2013, 15:40 Uhr

Brasilien

Krawalle in São Paulo nach Tod von Jugendlichem

Der Tod eines 17-Jährigen durch eine Polizeikugel hat in São Paulo Krawalle ausgelöst. Vermummte Randalierer zündeten Busse an, setzten Lkw und Autos in Flammen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein.

Sao Paulo - Maskierte Demonstranten und brennende Fahrzeuge - die brasilianische Millionenstadt São Paulo ist in Krawallen versunken. Bei der Plünderung eines Geschäfts fielen Schüsse. Ein Mensch sei dabei verletzt worden, teilte die brasilianische Militärpolizei mit. Mindestens sechs Omnibusse wurden in Brand gesetzt, zwei Lkw und mehrere Autos gingen am Montagabend in Flammen auf. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen.

Auslöser für die Proteste ist der Tod eines 17-Jährigen. Ein Beamter hatte den Jungen am Sonntag im Norden São Paulos in die Brust geschossen - angeblich versehentlich. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Daraufhin gingen Hunderte wütende Jugendliche auf die Straße, plünderten Geschäfte und griffen Busse an.

Die Polizei nannte den Tod des jungen Mannes einen Unfall, der Schuss habe sich unbeabsichtigt gelöst. Der 31-jährige Beamte muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Die Mutter des Jugendlichen bezweifelte die Darstellung der Polizei in einem TV-Interview: "Das war kein Unfall, das war kein Missgeschick - das war Mord."

90 Festnahmen bei Krawallen

Laut Medienberichten nahm die Polizei insgesamt 90 Personen vorübergehend fest; über 30 von ihnen brachte sie auf die Polizeiwache. Die Fernstraße Rodovia Fernao Dias wurde blockiert, es bildeten sich kilometerlange Staus.

Bereits am Freitag kam es in São Paulo am Rande einer Demonstration für kostenlosen Nahverkehr zu gewaltsamen Zusammenstößen. Auch bei diesen Krawallen hatte die Polizei Tränengas eingesetzt und 92 Menschen festgenommen. Verantwortlich sei der anarchistische "Schwarze Block", erklärte die Polizei. Die Metropole mit rund 20 Millionen Einwohnern war im Juni bereits Schauplatz großer Proteste gegen die Verschwendung beim Bau von Sportanlagen, Korruption und die schlechten Sozialdienste gewesen.

vek/dpa/AFP

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