Trotz zwölfjähriger Haftstrafe Lula in Brasilien als Präsidentschaftskandidat nominiert

Ein Präsidentschaftskandidat, der im Gefängnis sitzt? Die brasilianische Arbeiterpartei hat Ex-Staatschef Lula da Silva für die Wahlen im Oktober nominiert. Doch ob er wirklich kandidieren kann, ist noch unklar.
Lula da Silva

Lula da Silva

Foto: Andre Penner/ AP

Auf dem Parteitag der Arbeiterpartei in Brasilien skandierten die Mitglieder "Ich bin Lula". Sie hielten sich Pappmasken mit dem Konterfei des ehemaligen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva vors Gesicht. Ihre Botschaft war klar: Sie wollen die Rückkehr des Mannes, der von 2003 bis 2010 das Land regierte.

Parteivorsitzende Gleisi Hoffmann hinter Lula-Maske

Parteivorsitzende Gleisi Hoffmann hinter Lula-Maske

Foto: NELSON ALMEIDA/ AFP

Um ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen, haben sie ihn zum Präsidentschaftskandidaten nominiert - und das, obwohl Lula eine zwölfjährige Haftstraße absitzt. Die Parteivorsitzende Gleisi Hoffmann kommentierte die Nominierung Lulas als einen Weg, "einem verdorbenen System zu trotzen".

Lula sagte in einer aufgezeichneten Botschaft: "Diejenigen, die mich verurteilten, sind in einer Lüge gefangen. Brasilien muss seine Demokratie wiederherstellen, sich selbst finden und wieder glücklich sein", wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.  

Es ist allerdings noch unklar, ob der 72-Jährige tatsächlich für die Wahl am 7. Oktober kandidieren kann. Bis zum 15. August muss die Kandidatur offiziell bei den Wahlbehörden eingereicht werden. Allerdings kann ein Wahlgericht die Kandidatur untersagen.

Lula da Silva sitzt seit Anfang April wegen Korruption in Haft. Er bestreitet allerdings alle Vorwürfe, die gegen ihn erhoben worden sind, und sieht sich als politisches Opfer.

Ein Bundesrichter ordnete vor einigen Wochen zwar überraschend Lulas Freilassung an, aber dazu kam es nicht. Der zuständige Gerichtspräsident erklärte die Entscheidung umgehend wieder für ungültig..

Lulas Unterstützer setzen dem Politiker immer wieder ein Zeichen. Erst Ende Juli gingen etwa 80.000 Menschen auf die Straße, um für seine Freilassung zu demonstrieren.

kha
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.