Brasilien Lula plant politisches Comeback

Brandrede nach dem Kreuzverhör: Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva hat vor Gericht alle Korruptionsvorwürfe abgestritten. Stattdessen kündigte er an, 2018 wieder Präsident werden zu wollen.

Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva
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Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva


Fünf Stunden lang stand Luiz Inácio Lula da Silva vor Gericht. Dabei bestritt Brasiliens Ex-Präsident alle gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe. Stattdessen ging er selbst in die Offensive. Nachdem er das Gericht im südbrasilianischen Curitiba verlassen hatte, sagte der 71-Jährige vor Tausenden Anhängern: "Ich bereite mich darauf vor, wieder Kandidat in diesem Land zu sein, nie hatte ich mehr Lust dazu."

Vor einem Jahr, am 12. Mai 2016, war seine Nachfolgerin Dilma Rousseff unter fragwürdigen Umständen vom Amt suspendiert und damit das von Lula im Jahr 2000 begonnene linke Regierungsprojekt beendet worden. Er sinnt daher auf ein Comeback.

Auch Rousseff war in Curitiba dabei, um Lula zu unterstützen. Seit Monaten gibt es immer neue Vorwürfe und Ermittlungsverfahren gegen ihn. So soll er bei einer Immobilie an der Küste von einem Baukonzern begünstigt worden sein - zudem wird ihm eine Art Rädelsführerschaft im Korruptionsskandal um Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras vorgeworfen.

Lula gab sich nach dem Gerichtstermin betont lässig. "Ich dachte, dass meine Ankläger Schriftstücke, Zahlungsbelege, irgendeinen Beweis vorlegen würden. Aber sie hatten nichts", sagte er. "Ich möchte nicht auf Basis von Interpretationen verurteilt werden."

Ein möglicher Grund für sein selbstbewusstes Auftreten: Nach einer Umfrage liegt Lula unter den möglichen Präsidentschaftskandidaten derzeit in Führung, gefolgt von dem ultrarechten Politiker Jaír Bolsonaro.

Brasilien steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, über zwölf Millionen Menschen sind arbeitslos. Auch das Rentensystem soll reformiert werden, um das hohe Defizit zu bekämpfen. Bei einem Generalstreik Ende April kam es in vielen Städten zu heftigen Ausschreitungen.

dop/dpa



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