Korruptionsskandal in Brasilien Präsident Temer will Ermittlungen stoppen

Im Schmiergeldskandal gerät Brasiliens Präsident Michel Temer weiter unter Druck. Zurücktreten will er dennoch nicht. Stattdessen forderte er, die Ermittlungen gegen ihn auszusetzen.

Brasiliens Präsident Michel Temer
AFP

Brasiliens Präsident Michel Temer


Etwa ein Jahr nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff erschüttert ein neuer Korruptionsskandal Brasilien. Im Mittelpunkt steht der amtierende Präsident Michel Temer. Trotz neuer Enthüllungen um Schmiergeldzahlungen lehnt der konservative Politiker einen Rücktritt ab. Stattdessen forderte er, dass die Ermittlungen gegen ihn ausgesetzt werden.

In einer Stellungnahme griff der konservative Politiker in Brasilia den Unternehmer Joesley Batista, Besitzer des weltgrößten Fleischkonzerns JBS, scharf an. Die Mitschnitte eines Gesprächs seien manipuliert, er habe keine Absprachen über Schweigegeld getroffen. Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot ermittelt gegen Temer wegen Behinderung der Justiz, Korruption und organisierter Kriminalität.

Kurz vor Temers Auftritt hatte sein Koalitionspartner, die sozialistische Partei, erklärt, die Regierung zu verlassen, und den Rücktritt des Präsidenten gefordert.

"Ich mache weiter an der Spitze dieser Regierung", erklärte Temer. Wegen der aus seiner Sicht zweifelhaften Beweismittel will er den Obersten Gerichtshof um eine Suspendierung der Ermittlungen bitten. Temer ist auf den Aufnahmen, die Batista heimlich machte, schwer zu verstehen.

In seiner Stellungnahme beschuldigte Temer den Konzern JBS zudem eines kriminellen Insiderhandels. Demnach soll sich das Unternehmen mit Millionen Dollar eingedeckt haben, bevor durch Batistas Veröffentlichungen die Börse in Brasilien am Donnerstag abstürzte und der Real im Vergleich zum Dollar dramatisch an Wert verlor. Tatsächlich gibt es Hinweise auf solche Geschäfte.

"Er hat das perfekte Verbrechen begangen", sagte Temer über Batista. "Er hat uns Brasilianer betrogen und nun lebt er in den USA." Batista, dem auch der bekannte Flip-Flop-Hersteller Havaianas gehört, ist laut Berichten in seine Wahlheimat New York ausgereist.

asc/dpa/Reuters/AP



insgesamt 7 Beiträge
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realist4 20.05.2017
1. Verbrecherbande
Nicht dass ich glaube Präsident Temer wäre eine große Ausnahme und hätte nie Schmiergeld genommen, aber laut brasilianischen Zeitungen von heute soll die Tonaufnahme 50 Schnitte aufweisen. Unglaublich was da drüben abgeht.
geotie 20.05.2017
2.
Wie kann ein Mann, dem es schon vom Gericht her verboten ist sich für eine Wahl aufstellen zu lassen, Präsident werden? Vor allem, man wusste von den Konten und das er bestechlich ist. Auch die Gesetze, die dort verabschiedet wurden, sind für bestechliche Abgeordnete gemacht. Bis zu einem bestimmten Betrag (30 Mio Rias) gehen diese Straffrei aus. Ein normaler Dieb wandert gleich in eines der überfüllten Gefängniss, ohne wenn und aber!
akarsu0 20.05.2017
3. Dran bleiben
Hoffe noch mehr Berichte in Zukunft über Brasilien hier zu lesen. Es bleibt spannend. Die Justiz muss noch härter durchgreifen. Wenn die kleinen Fische sehen das sogar die ganz großen gefressen werden, wird sich vielleicht das Korruptions Problem Brasilien bessern.
kosu 21.05.2017
4. Temer ist nicht gewählt
Der gute Mann kam per Putsch auf den Sessel! Jetzt kann er wieder gehen!
dbrown 21.05.2017
5. Es ändert nichts:
Korruption, wo man auch hinschaut. Und das Volk guckt in die Röhre.
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