Naturzerstörung in Brasilien Schuld sind immer die Umweltschützer

Erst Amazonas-Brände, nun Ölpest: Brasilien leidet unter der Profitgier, mit der Präsident Bolsonaro die Zerstörung der Natur in Kauf nimmt. Aber die Regierung macht "Ökoterroristen" für die Katastrophen verantwortlich.

Lucas Landau / REUTERS

Von , Rio de Janeiro


Fast zwei Monate, nachdem die ersten schwarzen Ölplacken an den Stränden im Nordosten Brasiliens angeschwemmt wurden, rätseln Experten immer noch über die Ursachen des Desasters. Mehr als 200 Strände sind verdreckt; bis in den Süden des Bundesstaats Bahia zieht sich die Spur des zähen schwarzen Schlamms.

Nur so viel weiß man: Das Öl stammt von einem Schiff etwa 600 Kilometer vor der Küste. Aber von welchem? Da das Öl von Strömungen unter der Meeresoberfläche an die Strände geschwemmt wurde, konnten Satelliten seine Spur nicht zum genauen Ursprung verfolgen. Hat ein Tanker heimlich auf hoher See seine Tanks ausgewaschen? Seelenverkäufer ohne Registrierung schippern zu Dutzenden über die Weltmeere. Allein zum Zeitpunkt des Unglücks kreuzten Hunderte Schiffe in den Gewässern.

Nach den Brandrodungen im Amazonasgebiet ist die Ölpest an den Stränden bereits die zweite große Umweltkatastrophe in Brasilien in diesem Jahr. Weniger spektakuläre Ökodramen werden kaum noch wahrgenommen:

  • Ein neuer Goldrausch lockt zurzeit Zehntausende illegaler Goldsucher ins Amazonasgebiet. Selbst die rosafarbenen Flussdelfine, ein Symbol des Amazonas, sind mittlerweile mit Quecksilber verseucht, das die Goldsucher benutzen, um das Edelmetall vom Geröll zu trennen.
  • Auf den riesigen Soja- und Maisplantagen im mittleren Westen des Landes verseuchen Pestizide Luft und Wasser, die in Europa zum Teil seit Jahrzehnten verboten sind.

Für den Raubbau an der Natur ist nicht allein die Regierung des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro verantwortlich. Er ist Folge eines Entwicklungsmodells, das weitgehend auf der Ausbeutung von Bodenschätzen basiert. Aber Bolsonaro, seit einem Jahr im Amt, ermuntert die illegalen Goldsucher und Holzfäller sogar dazu, sich schadlos zu halten; die Förderung von Tiefseeöl vor der brasilianischen Küste will er ebenfalls ausbauen. Die Folgen für Mensch und Natur? Spielt der Präsident herunter. Ein Notfallplan für die Ölpest wurde erst nach mehr als 40 Tagen in Kraft gesetzt. Unterdessen verbreitet die Regierung Verschwörungstheorien.

Propagandakrieg gegen Greenpeace

Umweltminister Ricardo Salles glaubt zu wissen, wer für das Desaster verantwortlich ist: Die Umweltschützer von Greenpeace. Es sei "ein seltsamer Zufall", dass ein Greenpeace-Schiff just vor der brasilianischen Küste aufgekreuzt sei, als das Öl die Strände verschmutzte, twitterte er.

Einen Tag zuvor hatten Greenpeace-Aktivisten schwarze Farbe vor dem Regierungspalast in Brasilia verschüttet, um gegen die Umweltpolitik zu protestieren, 16 Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

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Ölpest in Brasilien: Verschwörungstheorien statt Vorsorge

Im Propagandakrieg gegen die Umweltschutzorganisationen bedient sich Brasiliens Regierung eines ganzen Arsenals an Verleumdungen und schmutzigen Tricks - immer nach dem Motto: Irgendwas wird schon hängenbleiben.

Zwar habe die Analyse der Rohölklumpen ergeben, dass sie von venezolanischen Ölfeldern stammen, verkündete der staatliche Ölkonzern Petrobras. "Das bedeutet aber nicht, dass zu irgendeinem Zeitpunkt private oder öffentliche Sektoren Venezuelas verantwortlich involviert waren", räumte der Oberbefehlshaber der brasilianischen Marine ein.

Aber herauszufinden, wer tatsächlich der Verursacher der Ölpest ist, scheint Bolsonaro und seine Leute ohnehin nicht zu interessieren. Sie inszenieren sich lieber als Opfer einer internationalen Kampagne von Kommunisten und "Ökoterroristen", wie Salles die Greenpeace-Leute nennt. Es ist ein Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken. (Lesen Sie hier eine ausführliche Bilanz der Regierung Bolsonaro)

Horrorbilder offenbaren die Inkompetenz der Behörden

Denn die Katastrophe an den Stränden ist für das Ansehen des Präsidenten weitaus gefährlicher als der brennende Regenwald. Im Gegensatz zum Amazonas sind die paradiesischen Strände des Nordostens ein beliebtes Urlaubsziel seiner Landsleute. Hunderttausende Menschen sind von den Einnahmen aus dem Tourismus abhängig. Millionenstädte wie Recife und Salvador da Bahia sind betroffen.

Die Horrorbilder von einstigen Traumstränden, wo verzweifelte Anwohner und Fischer mit bloßen Händen den schwarzen Schlamm von Sand und Steinen kratzen, offenbaren das ganze Ausmaß der Inkompetenz der Behörden. Vielerorts gab es nicht einmal genug Gummihandschuhe für die Freiwilligen. Die Staatsanwaltschaft verkündete jetzt, dass sie die Regierung verklagen will, weil sie ihrer Schutzverpflichtung gegenüber der Bevölkerung nicht nachkomme.

Im Video: Rätselhafte Ölpest in Brasilien

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Anfang November will die Regierung die Rechte zur Ausbeutung mehrerer Ölfelder vor der Küste von Rio de Janeiro versteigern. Es geht um Vorkommen von sechs bis 15 Milliarden Barrel, die in mehr als 5000 Meter Tiefe lagern. Bolsonaro unterstellt, dass die Ölpest ein Werk von "Saboteuren" sei, die dieses "Megageschäft" torpedieren wollten.

Vielmehr ist es aber der Präsident selbst, der zum Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung wird: Von den Milliarden Dollar an Tantiemen, die der brasilianische Staat jedes Jahr von den Ölkonzernen kassiert, die vor seiner Küste fördern, fließt nicht ein Cent in Vorsorgemaßnahmen. Auf ein Unglück bei der Förderung des Tiefseeöls vor Rios Küste ist die Regierung nicht vorbereitet.

Diese Vorstellung dürfte nicht nur Umweltschützern Albträume bereiten, sondern hoffentlich auch potenziellen Investoren.



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demokroete 28.10.2019
1. Schuld ist immer Präsident Bolsonaro
Und zwar schon deshalb, weil er die falsche politische Überzeugung vertritt. Sollen die Entwicklungsländer jetzt auf alles verzichten, nachdem die Industriestaaten alle Resourcen 200 Jahre lang ohne Rücksicht auf Verluste ausgebeutet haben ? Brasilien will jetzt auch mal am höheren Lebensstandard teilhaben. Das werden unsere Weltretter nicht verhindern können. Und Dank der glorreichen Ideen der Umweltexperten, z.B. dem Autofahrer hierzulande 10% Ethanol zu verordnen, haben sie für eine verstärkte Nachfrage an Futtermitteln und Bio-Öl aus Brasilien gesorgt. Für notwendige Anbaufläche wird dann eben der Urwald gerodet, egal wer dort Präsident ist. Man kann halt nicht alles haben.
hymer.menezes 28.10.2019
2. Hauptsache,
man haut auf den Rechten von Brasilien ein. Wo sind denn die NGOs wenn es um die Säuberung von ölverpesteten Tieren und Küstenstreifen geht. Die sind ja wohl lieber im Amazonas geblieben wo man ja noch was holen kann und die letzten Indianer toll für die eigene Agenda einspannen kann. Die Menschen an den verdreckten Küsten lassen sich leider nicht so einfach manipulieren.
Rilive 28.10.2019
3. Hochkriminell!
Ich wünsche mir dass eine Zeit kommen wird wo man diese profitgierigen Subjekte als das benennt was sie sie sind, nämlich hochkrimineller menschlicher Abschaum! Aber es hilft nichts wenn wir uns in die Tasche lügen: Durch die menschen- und lebensfeindliche "neoliberale" Ideologie wird dieser Menschentypus geradezu auf Biegen und Brechen herangezüchtet!
mrdschaem 29.10.2019
4. omg .... schon wieder so ein Artikel, der deutlich zeigt
wie wenig Ahnung die Schreiberlinge hier haben. Ich lebe in Brasilien und bekomme mit, was hier abläuft. Aber es scheint auch niemanden in Europa zu interessieren, was passiert. Hauptsache, der "ultrarechte" Präsident, der vom Volk gewählt worden ist, um diese bisherige ultrakorrupte, mafiöse, höchst kriminelle linke Regierung ENDLICH abzulösen, kriegt sein Fett weg. Nur: dann sollten die Fakten stimmen und nicht dieses tendenziöse, unrecherchierte Ideologiegeschreibsel in einem so renomierten Blatt wie der Spiegel. Hatte der nicht gerade einen Mega Skandal mit gefälschten, freu erfundenen Stories? Dementsprechend wäre ich einfach vorsichtiger, bevor so ein Text wie der obrige veröffentlicht wird. Goldsucher? Nur in Staaten, die von der korrupten Ex Regierungspartei PT regiert werden. Ölpest? Ist wirklich interessant, dass sie auftraucht, als das Interesse am Amazonas abgeflacht ist in der Presse (denn die Brände finden ca. alle 2 Jahre statt, mit oder ohne Bolsonaro). Und die ganzen Umweltorganisationen, die in Europa gerufen hätten "Kreuzigt die Verantwortlichen" und werbewirksam sich beteiligt hätten an der Beseitigung der Ölpest, sind hier nicht zu sehen oder zu hören. Merkwürdig, oder? Diese negative, unwahre, schlecht recherchierte und tedenziöse Berichterstattung (kopiert 1:1 vom regierungsfeindlichen Medienunternehmen GLOBO) muss endlich aufhören. Ansonsten - speziell nach dem Skandal beim Spiegel - kann man diesen nicht mehr ernst nehmen.
Iltis95beta 29.10.2019
5. Traurig und empörend
... wie die Natur dort zerstört und mit welcher Dreistigkeit die Wahrheit ins Gegenteil verkehrt wird. Schlimme Verbrechen gegen Mensch und Tier werden durch Lügen vertuscht. Eine apokalyptische Szenerie.
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