Brasilien und G 8 Lula setzt auf grünes Gold

Von , Rio de Janeiro

2. Teil: Wo Plantagenarbeiter wie Tiere gehalten werden


Doch Experten warnen vor übertriebener Euphorie. Um den Export anzukurbeln müsste Brasilien zahlreiche Hemmnisse überwinden: Die USA erheben auf brasilianisches Ethanol hohe Schutzzölle. In den USA wird Alkohol aus Mais gewonnen. Die Amerikaner können mit den billigen Produktionskosten in Brasilien nicht mithalten, auf Druck der mächtigen Lobby der Maisfarmer werden deshalb die Importe verteuert.

Auch Europa droht den Brasilianern mit Handelsbarrieren für ihr Ethanol: Ein Gesetzesprojekt der EU will den Produzentenländern Umweltauflagen verordnen. Ähnlich wie bei Tropenholz soll nur Alkohol aus ökologisch einwandfreiem Anbau importiert werden.

Umweltschützer fürchten, dass die Ausweitung der Anbaufläche für Zuckerrohr und Soja (für die Produktion von Biodiesel) den Amazonasurwald bedrohen. Auch das Naturparadies Pantanal in Mato Grosso, Südamerikas größtes Überschwemmungsgebiet, leidet: Rückstände von Pestiziden aus den Zuckerrohr- und Soja-Plantagen verseuchen die Flüsse, die das Pantanal speisen.

Lula hat wenig Sinn für Flora und Fauna

Präsident Lula hat zwar versprochen, dass nur degenerierte Böden für den Anbau von Zuckerrohr und Soja verwendet werden sollen. Aber wie die Regierung die Agroindustrie überprüfen will, hat er nicht gesagt. Umweltpolitik ist nicht Lulas Stärke: Als ehemaliger Metallgewerkschaftler hat er wenig Sinn für den Schutz von Fauna und Flora, ihm geht es vor allem um Wirtschaftswachstum.

Auch die Arbeitsbedingungen der Zuckerrohrschneider könnten sich zu einem Handelshemmnis entwickeln. Vor allem im armen Nordosten herrschen immer noch Verhältnisse wie zu Zeiten der Sklaverei. Die Arbeiter leben in einer Art Leibeigenschaft von den Usineiros, den Besitzern der Zuckermühlen. Selbst im Bundesstaat São Paulo, wo sich die modernsten Anlagen zur Ethanol-Produktion konzentrieren, hausen Arbeiter wie Tiere auf den Plantagen.

Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften drängen jetzt darauf, dass die Europäische Union nur Ethanol von Zuckerrohrfabriken importiert, die bei den Arbeitsbedingungen einen Mindeststandard einhalten. Die Brasilianer verurteilen diese Forderungen als "Protektionismus".

Präsident Lula will seine Amtskollegen in Heiligendamm nun überzeugen, dass der zu erwartende Boom bei Bio-Treibstoffen einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten könnte: Statt Mais und Bohnen sollen auch Kleinbauern zukünftig Zuckerrohr, Soja und andere Pflanzen zur Produktion von Treibstoff anbauen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.