Confed Cup Verletzte bei Protesten vor Fußballstadion

Die Proteste in Brasilien werden immer heftiger: Vor der Confed-Cup-Partie Brasilien gegen Mexiko demonstrierten Zehntausende rund um das Stadion in Fortaleza. Am Donnerstag werden in Rio de Janeiro sogar eine Million Demonstranten erwartet.
Confed Cup: Verletzte bei Protesten vor Fußballstadion

Confed Cup: Verletzte bei Protesten vor Fußballstadion

Foto: VANDERLEI ALMEIDA/ AFP

Fortaleza - Mindestens 15.000 Demonstranten hatten sich vor dem Confed-Cup-Spiel zwischen Gastgeber Brasilien und Mexiko um das Stadion in Fortaleza versammelt. Einige Zufahrten zum Stadion waren durch die Menschenmassen blockiert.

Unweit des Stadions kam es rund drei Stunden vor Spielbeginn zu chaotischen Szenen, Steine flogen, die Polizei schoss mit Gummigeschossen, Rauchbomben vernebelten die Luft. Einige Demonstranten hatten erfolglos versucht, eine Polizeibarriere zu durchbrechen. Protestierende warfen mit Steinen auf die Polizei. Diese gibt an, dass dabei fünf Polizisten verletzt worden seien. Auch mindestens zwei Demonstranten wurden verletzt. Die Polizei setzte Gummigeschosse, Pfefferspray und Rauchbomben ein. Es gab einige Festnahmen.

Der Protest war aber nach einiger Zeit wieder genauso friedlich, wie er auch begonnen hatte. Die Lage bleibt dennoch sehr angespannt. Auch hier in Fortaleza demonstrieren insbesondere Studenten. Die meisten betonen ihre pazifistische Einstellung und versuchen auch diejenigen unter den Protestierenden, die vermehrt auf Konfrontation setzen, zu Gewaltlosigkeit aufzufordern.

Die 20-jährige Jessica, Studentin der Psychologie und Demonstrantin, sagte: "Unglaublich, wie viele Menschen in einer Stadt wie Fortaleza zusammengekommen sind. Wir verändern gerade unser Land, lassen uns den ganzen Mist nicht mehr gefallen. Die Gesundheitsversorgung ist schrecklich, und ich kann wirklich glücklich sein, dass ich eine derjenigen bin, die Zugang zu Bildung und Universitäten hat. Die Regierung kümmert das wenig. Hauptsache, das Ansehen im Ausland stimmt, egal wie viel es kostet."

Ganz anders sieht das Antonio, 56, ein sechsfacher Familienvater, der nahe des Stadions in einer der völlig heruntergekommenen Steinhütten wohnt: "Das ist nicht mein Protest. Das sind Studenten, reiche Leute, denen es sowieso schon gut geht. Dann kann man auch einfach protestieren. Ich muss mich um Essen für meine Kinder kümmern, statt hier durch die Straßen zu laufen."

Einige der Demonstranten besitzen Eintrittskarten für das Spiel und sagten, dass sie auch im Stadion - friedlich - protestieren wollen. Der Medien-Shuttle aus dem Zentrum Fortalezas zum Stadion, der offiziell etwa eine dreiviertel Stunde brauchen soll, benötigte etwa zwei Stunden. Die Stadtregierung von Fortaleza hatte extra einen städtischen Feiertag eingerichtet, um Verkehrsprobleme zu verhindern. Das ist auf keinen Fall gelungen, die Straßen sind aufgrund der Demonstration und der Fans, die zum Stadion wollen, absolut verstopft. Die Polizei spricht von insgesamt 15.000 Demonstranten - Medien schätzen die Teilnehmerzahl weit höher.

Nach Angaben eines deutschen Fotografen wurden für das Turnier akkreditierte Bildreporter mit gezogener Waffe daran gehindert, die Szenen zu fotografieren.

Im Stadion selbst waren während des Spiels, das Brasilien mit 2:0 gegen Mexiko gewann, nur vereinzelte Protestplakate zu sehen. Auf den Straßen aber flogen laut Medienberichten unmittelbar vor Spielbeginn wieder Steine, es brannten vereinzelt Autos und die Scheiben von Geschäften wurden eingeworfen. Die Polizei schoss erneut mit Gummigeschossen. Noch etwa 3.000 Demonstranten seien vor Ort gewesen.

Fifa will nicht auf Proteste reagieren

Auch im Großraum São Paulo, wo 2014 die WM eröffnet wird, gingen die Proteste nach den Demonstrationen der Nacht am Mittwochvormittag weiter. Tausende Demonstranten blockierten mehrere zentrale Straßen und zündeten Autoreifen an. Es kam zu langen Staus. In der größten Stadt Brasiliens war es in der Nacht auch zu Krawallen und Plünderungen gekommen. Mehr als 60 Personen waren festgenommen worden.

Für Rio de Janeiro kündigten mehrere Gruppen für Donnerstag Demonstrationen an, wenn im Maracanã-Stadion das Spiel Spanien gegen Tahiti (21 Uhr) ausgetragen wird. Nach Medienangaben wurden die Polizeieinheiten auf mindestens 1800 Beamte verstärkt. Der Fußball-Weltverband Fifa rechnet trotz der geplanten Massenkundgebung, die wenige Kilometer von dem für umgerechnet 360 Millionen Euro sanierten Maracanã-Stadion entfernt stattfinden soll, nicht mit Beeinträchtigungen des Spiels.

Die Zahl der Ordner werde für die Partie im Stadion nicht erhöht, teilte die Fifa mit. Über zusätzliche Sicherheitskräfte außerhalb der Arena machte der Weltverband keine Angaben. Dafür seien staatliche Behörden zuständig. Am Donnerstag ist während der Confed-Cup-Partie ein Protestmarsch quer durch Rio zum Rathaus geplant, das wenige Kilometer von der Arena entfernt ist.

FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke rechnet in Rio mit einer Million Demonstranten. Dies sagte der Franzose am Rande der Confederations-Cup-Begegnung zwischen Gastgeber Brasilien und Mexiko am Mittwoch in Fortaleza. "Wir können nichts tun", sagte Valcke. "Das ist eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Niemand ist damit glücklich."

Mit Material von dpa und AFP
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