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23. April 2014, 13:32 Uhr

Krawalle in Rio

Sechs Minuten bis zum Tod

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Der gewaltsame Tod eines Tänzers hat in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro wütende Proteste ausgelöst. Nun ist ein Kurzfilm aufgetaucht, in dem er sein Leben in den Favelas schildert - und sein Sterben vorwegnimmt.

Rio de Janeiro - Douglas Rafael da Silva Pereira war Tänzer bei einer populären brasilianischen TV-Show, er arbeitete manchmal als Motorradtaxifahrer, er war Vater einer vierjährigen Tochter. Jetzt ist er berühmt, weil er tot ist.

Der 26-Jährige wurde am Dienstag in der Favela Pavão-Pavãozinho in der Metropole Rio de Janeiro gefunden. Anwohner beschuldigen die Polizei, ihn zu Tode geprügelt zu haben - es folgten schwere Straßenschlachten in dem Viertel. Barrikaden brannten, selbstgebastelte Sprengsätze flogen durch die Nacht, ein weiterer Mann wurde offenbar in den Kopf geschossen.

Unklar bleibt, wie Douglas, genannt DG, starb. Es gibt mehrere Versionen. Dass er aber um die Gefahren wusste, die das Leben in den Favelas mit sich bringt, zeigt ein Kurzfilm aus dem vergangenen Jahr.

"Made in Brazil" heißt der sechs Minuten lange Film. Es geht um das Leben der Jugendlichen aus den Armenvierteln, abhängen am Strand, Fußball spielen, Musik hören. "Alles, was wir von ihm im Film zeigen, ist tatsächlich er. Er war sehr beliebt, besonders bei Kindern", so Wanderson Chan, Regisseur des Streifens. Am Schluss laufen zwei Polizisten mit gezogenen Waffen durch die engen Gänge der Favela, sie kommen auf Douglas zu. Es gibt Streit, sie schlagen ihn. Ein Polizist hält ihm eine Pistole an den Kopf und drückt ab.

Im wahren Leben wurde Douglas auf dem Boden einer Kindertagesstätte gefunden. Freunde und Anwohner beschuldigen die Männer von den Sondereinheiten zur Befriedung der Favelas (kurz: UPP), ihn so lange brutal geschlagen zu haben, bis er starb. Einige sagen, er sei vor Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Drogenhändlern geflohen, dabei über Mauern gesprungen, bis er sich in der Krippe versteckt habe. Die Polizisten hätten ihn dort entdeckt, sie hätten ihn für einen Drogenhändler gehalten.

"Sein Körper hatte überall Spuren von Tritten. Sein Rücken war verkratzt. Die Wände der Krippe waren voller Blut", sagte Douglas' Mutter. Die beiden hatten laut ihren Angaben noch gegen 20 Uhr am Montag telefoniert. "Die UPP beschützt niemanden."

Die Sicherheitskräfte weisen die Vorwürfe zurück. Sie hätten die Leiche von Douglas bei Ermittlungen nach dem Schusswechsel vom Montag gefunden, so die UPP. Bei der Untersuchung seines Körpers seien Rippenbrüche und Abschürfungen festgestellt worden, Douglas könnte an den Folgen eines Sturzes gestorben sein. Er habe neben einer zehn Meter hohen Mauer gelegen.

Douglas' Tod und die gewaltsamen Proteste erschüttern Rio de Janeiro nur sechs Wochen vor dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. 2008 begannen die Behörden im Rahmen eines ambitionierten Sicherheitsprogramms damit, die Straßengangs und Drogenhändlerringe aus den Armenvierteln zurückzudrängen und in den Favelas dauerhafte Präsenz zu zeigen. Das Vorgehen wurde viel gelobt, doch in den vergangenen Monaten hat die Gewalt wieder zugenommen. Zahlreiche Polizisten wurden erschossen. Zugleich mehren sich aber die Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte, die teilweise für Schläger und Mörder gehalten werden. In mindestens einem Fall sollen sie einen Anwohner zu Tode gefoltert haben.

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