Landesweiter Protest Brasiliens Präsidentin Rousseff sagt Japan-Reise ab

Hunderttausende Brasilianer demonstrierten auch am Donnerstag gegen Korruption, soziale Ungerechtigkeiten und die Milliardenausgaben für die Fußball-WM. Präsidentin Dilma Rousseff sagte wegen der landesweiten Proteste nun eine Japan-Reise ab.

Demonstrant in Recife: "Warum steht der Fußball über den Rechten?"
AFP

Demonstrant in Recife: "Warum steht der Fußball über den Rechten?"


Brasília - Auf ihre Schilder hatten sie geschrieben: "Kommt, kämpft für mehr Veränderung". "Der Fußball steht über den Rechten - warum, Dilma?", wollten sie wissen. Hunderttausende Menschen gingen am Donnerstag erneut auf die Straßen brasilianischer Städte um gegen die teure Fußball-WM zu protestieren, die im nächsten Jahr in ihrem Land stattfinden soll. Nun zieht Präsidentin Dilma Rousseff erste Konsequenzen und sagte eine Reise nach Japan ab.

"Sie hat entschieden, wegen der aktuellen Ereignisse in Brasilien zu bleiben", hieß es aus Rousseffs Pressestelle. Die Staatschefin wollte Ende Juni nach Japan reisen und dort unter anderem Ministerpräsident Shinzo Abe und Kaiser Akihito treffen.

Seit fast zwei Wochen gehen in Brasilien täglich zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen hohe Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 zu protestieren. Außerdem fordern sie mehr Investitionen ins Gesundheits- und Bildungssystem.

Allein in Recife im Nordosten sollen nach aktuellen Schätzungen der Polizei über 50.000 Menschen an einem Marsch teilgenommen haben. In der Hauptstadt Brasília zogen etwa 15.000 Demonstranten, vor allem Studenten, vor das Kongressgebäude, das von einem massiven Polizeiaufgebot umstellt war.

In São Paulo trafen sich die Demonstranten wie schon in den Tagen zuvor in der Nähe der Avendia Paulista, einer zentralen Einkaufs- und Bankenmeile. In der Großstadt Salvador de Bahia versammelten sich mehrere tausend Menschen. In ausgelassener Atmosphäre demonstrierten sie im Stadtzentrum. Es kam nur vereinzelt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei.

In Rio de Janeiro verlief der Protestzug zunächst völlig friedlich durch das Zentrum der Stadt, nach ersten Schätzungen waren rund 300.000 Menschen auf den Straßen. Doch dann wurde der Protestmarsch zwischenzeitlich von chaotischen Szenen unterbrochen. Es kam zu regelrechten Schlachten mit den Sicherheitskräften.

Die Polizei schoss an einer Stelle Tränengasgranaten auf den Demonstrationszug ab. Die Menschen liefen in Panik auseinander. Auch berittene Polizei und gepanzerte Fahrzeuge waren im Einsatz. Die Demonstranten warfen Steine auf die Polizisten. Die Mehrheit der Demonstranten setzte den Protestzug dennoch in Richtung Amtssitz des Bürgermeisters fort.

kha/AFP/dpa

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spon-facebook-524846949 21.06.2013
1. 1 Million
in Rio auf der Strasse! Leider auch wieder einige Krawallmacher, infiltriert oder nicht wird sich sicher auch irgendwann zeigen.
meinung2013 21.06.2013
2.
Griechenland, Spanien, Italien, Schweden, Türkei, Brasilien, Bulgarien und wo auch sonst überall. Die Menschen gehen endlich auf die Straße - und ich hoffe,es werden immer mehr. Der Gierde einiger weniger muss endlich Einhalt geboten werden. Es genügt nicht, dass Almosen in Form von (Steuern mindender) Spenden verteilt werden und so vesucht wird, die Gesellschaften nach dem Willen der Reichen zu formen.
spon-facebook-570311476 21.06.2013
3. Korrektur
Die Bildunterschrift zu dem Foto ist leider völlig falsch. Und es geht bei den Demos nicht nur um Ungerechtigkeiten in Zusammenhang mit Fußball, wie in deutschen Medien seit Anfang der Proteste immer vermutet wird. Die Kritik am politischen System und der politischen Klasse an sich steht im Vordergrund und gerade das Foto ist ein Beispiel, dass es um mehr geht. Kritisiert wird der brasilianische Weg von der Wiege bis zum Verdummen vor dem überdominanten Medienimperium Globo, das die Leute mit Novelas und Desinformation einlullt. Das prangert dieser Demonstrant auf amüsante Weise an. Von der Wiege über Empregada sein hin zum Esel, der sich den Globo-Mist reinzieht und verdummt. Das Bild zeigt Medienkritik. Schreibt doch darüber mal.
arch.aisch 21.06.2013
4. #3, Korrektur
Danke für Ihren Beitrag, die Geschehnisse ins richtige(re) Bild zu rücken. Ich wage einmal meine Interpretation des höchst informativen und wunderbaren Pappschildes, dessen bildliche Darstellung schriftlich mit der Botschaft gestützt wird, von dieser Art sei der lange Marsch Brasiliens.
sternfalke77, 21.06.2013
5. Und überall dabei : Die Vendetta- Masken
Zitat von meinung2013Griechenland, Spanien, Italien, Schweden, Türkei, Brasilien, Bulgarien und wo auch sonst überall. Die Menschen gehen endlich auf die Straße - und ich hoffe,es werden immer mehr. Der Gierde einiger weniger muss endlich Einhalt geboten werden. Es genügt nicht, dass Almosen in Form von (Steuern mindender) Spenden verteilt werden und so vesucht wird, die Gesellschaften nach dem Willen der Reichen zu formen.
Vendetta- Masken überall ! Ich finde es bemerkenswert, dass mittlerweile Weltweit, wo auch immer Proteste gegen Unrecht und Ausbeutung stattfinden, die Vendetta-Maske zu sehen ist ! Sie ist zu DEM Synonym für den Widerstand geworden ! Globale Ausbeutung wird zu globalen Proteste und Aufstände führen.
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