Breivik-Anschläge Premier Stoltenberg bedauert Fehler bei Polizeieinsatz

Der Prozess gegen Anders Breivik endete mit der Höchststrafe. Doch die politische Aufarbeitung der Attentate von Oslo und Utøya dauert an: Norwegens Regierungschef Stoltenberg hat nun Versäumnisse beim Polizeieinsatz eingeräumt, einen Rücktritt lehnt er jedoch ab.

Stoltenberg: "Dieses Versagen war viel weitreichender, als ich es erwartet hatte"
AP

Stoltenberg: "Dieses Versagen war viel weitreichender, als ich es erwartet hatte"


Oslo - Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg hat Fehler der Sicherheitsbehörden beim Einsatz gegen den verurteilten Massenmörder Anders Behring Breivik eingeräumt. In einer Sondersitzung des norwegischen Parlaments über einen kritischen Expertenbericht zum Polizeieinsatz sagte Stoltenberg in Oslo: "Der Bericht ist umfassend und konkret, ernst und unerfreulich."

Das 500 Seiten umfassende Dokument war dem Premier Mitte des Monats vorgelegt worden. Der Bericht habe ein "Versagen" in Norwegens Notfallsystemen aufgedeckt. "Dieses Versagen war viel weitreichender, als ich es erwartet hatte", sagte Stoltenberg. Seinen Rücktritt lehnte er jedoch ab.

Der Regierungschef steht massiv unter Druck. Eine unabhängige Expertenkommission hatte in ihrem Bericht dargelegt, dass die Polizei viel zu spät gegen den Attentäter Breivik eingeschritten war. Eine schnellere Reaktion auf der Ferieninsel Utøya sei "eine realistische Möglichkeit" gewesen, heißt es in dem Papier.

Der Bericht deckt zudem Schwächen in der Reaktion der Regierung und anderer Behörden auf. Die Straße vor dem Regierungssitz in Oslo hätte abgesperrt werden müssen, sagte Stoltenberg. Der Todesschütze hätte früher gefasst werden können, mehrere Sicherheitsmaßnahmen seien nicht ergriffen worden.

Stoltenberg äußerte sein Bedauern über diese Versäumnisse. Hauptaufgabe sei jetzt die Verbesserung der Sicherheitslage. Dieser Aufgabe werde er sich widmen. Der Regierungschef kündigte die Bildung eines Einsatzzentrums der Polizei in Oslo an, in dem Eliteeinheiten, Hubschrauber und Hundestaffeln zusammengefasst werden sollen. Außerdem solle es "mehr und bessere Übungen" geben, um künftig besser auf Notfälle vorbereitet zu sein.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet. Danach erschoss er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya 69 Menschen. Für die Anschläge war er in der vergangenen Woche zur Höchststrafe von 21 Jahren und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden.

heb/dpa/AFP

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